Bonner Henry-Kissinger-Professur

Die Kritiker lassen nicht locker

Noch immer politisch aktiv: Der frühere US-Außenminister Henry Kissinger (rechts) mit Präsident Barack Obama.

BONN. Die Kritiker der an der Universität Bonn geplanten Henry-Kissinger-Stiftungsprofessur lassen nicht locker. Das Verfahren hat mit der Berufung des ersten Lehrstuhlinhabers James D. Bindenagel am Donnerstag Fahrt aufgenommen; der frühere hohe US-Diplomat soll im kommenden Wintersemester mit der Arbeit in Bonn beginnen.

"Die Kritik bleibt ungeachtet der Berufung von James D. Bindenagel bestehen", erklärt Alena Schmitz, Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) der Uni, auf Anfrage. Diese Kritik beziehe sich "nicht auf die Person, sondern auf die nicht neutralen Rahmenbedingungen". Die Stiftungsprofessur sei "aufgrund der Namensgebung und der Finanzierung durch das Bundesverteidigungsministerium auch weiterhin nicht tragbar".

"Durch die Berufung ändert sich an der Sachlage nichts", sagt auch Lukas Mengelkamp, Initiator der "Initiative Zivile Uni Bonn", die sich mit einer Online-Petition gegen die Stiftungsprofessur wendet. Mengelkamp - er war studentisches Mitglied der Berufungskommission - weist zudem die Darstellung der Hochschule zurück, die mitgeteilt hatte, die Entscheidung der Kommission sei "einstimmig" erfolgt. "Formal gab es gar keine Abstimmung", erklärt Mengelkamp. Er habe sich an der Kommission lediglich deshalb beteiligt, "um die klägliche Informationslage der Studierenden zu verbessern. Die Teilnahme sollte nicht mit dem Zusprechen von Legitimität verwechselt werden."

Dass die Kritiker der Stiftungsprofessur mit Mengelkamp einen Vertreter in die Kommission entstandt hätten, sei "vielleicht ein taktischer Fehler" gewesen, konstatiert indes Klaus Meschkat vom wissenschaftlichen Beirat des globalisierungskritischen Netzwerkes "Attac".

Der emeritierte Professor für Soziologie an der Universität Hannover hatte Ende März einen offenen Protestbrief von 100 Wissenschaftlern gegen die Einrichtung der Professur initiiert; unter den Erstunterzeichnern war auch der namhafte Pariser Publizist Alfred Grosser. Die Berufung James D. Bindenagels sei ein Versuch, "eine eben begonnene Diskussion in der demokratischen Öffentlichkeit durch Schaffung vollendeter Tatsachen abzuwürgen", so Meschkat.

"Der Berufungsvorgang selbst muss in Frage gestellt werden, und zwar ganz unabhängig davon, ob er nach den Spielregeln der Universität formal korrekt verlaufen ist". Meschkats Begründung: Die Berufung sei "ein Spiel mit gezinkten Karten" gewesen - die Namensgebung, so vermutet er, habe "viele mögliche Kandidaten" davon abgehalten, sich überhaupt zu bewerben.

Harsche Kritik richten die Gegner der Professur inzwischen auch an Andreas Archut, den Sprecher der Universität Bonn. Laut einem Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers" hatte Archut angeblich erklärt, die Universität sei "politisch-weltanschaulich neutral" und werde sogar eine Wladimir-Putin-Professur einrichten, wenn es jemanden gäbe, der das Geld dafür hergebe. Archut wies dies zurück: "Das angebliche Zitat stimmt nicht. Auch inhaltlich nicht: Denn für die Einrichtung von Stiftungsprofessuren müssen viele Voraussetzungen erfüllt sein, die weit über das Finanzielle hinausgehen."