Dialog der Disziplinen

Pilotstudiengang NAP gilt als Markenzeichen der Bonner Uni - Professor Sabine Sielke hat nun den Stab übernommen - Engpässe im Rahmen des Stellenabbaus zu befürchten

Bonn. "Nappies" - hinter dieser Bezeichnung stecken etwa nicht Anhänger des Mittagsschläfchens. NAP steht an der Universität Bonn für das Nordamerikaprogramm und nicht für den englischen Begriff für Nickerchen.

Die Studenten gelten vielmehr als hellwach und eifrig. Das hat Gründe: Die besten Studienbewerber werden ausgewählt, die meisten schaffen ihren Abschluss in der Regelstudienzeit, Studienabbrüche sind selten.

Das NAP, mit vollem Namen "Regionalwissenschaften Nordamerika", ist längst eines der Markenzeichen der Uni: Während sich die "normale" Anglistik mit Sprach- und Literaturwissenschaft sowie Kulturgeschichte beschäftigt, erhalten die "Nappies" eine breit interdisziplinäre Ausbildung: Auch hier mit dem Schwerpunkt auf Sprache und Literatur Amerikas und Kanadas, aber ergänzt um einen Pflichtteil Wirtschaftswissenschaften.

Hinzu kommt ein großer Wahlpflichtbereich nordamerikabezogener Lehrveranstaltungen - von Politikwissenschaft bis zu Kirchengeschichte, Geographie und Medienwissenschaften.

Die Kurse sind meist in englischer Sprache; häufig unterrichten amerikanische oder kanadische Gastdozenten. Vor zwölf Jahren entstand der interdisziplinäre Magisterstudiengang.

Professor Lothar Hönnighausen, der "Vater des NAP", konnte vor seiner Emeritierung noch den zehnten Geburtstag des Pilotprojekts feiern. Nun hat Professor Sabine Sielke den Stab übernommen - mit neuen Ideen, deren Realisierung freilich von der personellen Ausstattung abhängt.

Sielke, die an der Freien Universität Berlin Englisch und Biologie studierte und mehrere Studien- und Forschungsaufenthalten an amerikanischen Hochschulen absolvierte, plädiert für "radikale Interdisziplinarität" in den Amerikastudien, indem sie auch naturwissenschaftliche Fragestellungen aufgreifen möchte.

Gerade an der Behandlung der modernen Biowissenschaften ließen sich interessante Unterschiede zwischen Amerika und Europa ausmachen. Die Uni Bonn ist nach ihrer Überzeugung der ideale Ort für einen solchen "Dialog der Disziplinen".

Die Ansprüche an die "Nappies" gelten als hoch: Neben dem Studienprogramm sind ein Auslandsjahr an einer amerikanischen Hochschule und ein Firmenpraktikum Pflicht. Dass gravierende Überschreitungen der Semesterzahlen und Studienabbrüche selten sind, führen Kenner auf die Auswahl der besten Studienbewerber zurück.

Offenbar haben deshalb beim Examen viele bereits den ersten Arbeitsvertrag in der Tasche: etwa beim Auswärtigen Dienst, im Kulturmanagement, in den Medien oder bei mit den USA kooperierenden Unternehmen.

Ein besonderer Pluspunkt war bislang die intensive Beratung der Studierenden. Doch das droht schwieriger zu werden: Laut Sielke will das Düsseldorfer Wissenschaftsministerium, dass der Erfolgsstudiengang nach seiner Erprobung nun allen zugute kommen soll.

Zum vergangenen Wintersemester musste er 57 Erstsemester aufnehmen, im nächsten sollen es gar 81 sein - also doppelt so viele wie in der Pilotphase. Begründung des Ministeriums: Da die Lehramtsstudenten wegfallen, werden Kapazitäten frei.

Stimmt nicht, sagt NAP-Geschäftsführer Claus Daufenbach: Es seien immer nur Magister ausgebildet worden. Außerdem steht die Stelle von Professor Eberhard Kreutzer nach dessen Emeritierung bald nur noch eingeschränkt zur Verfügung. Auch die von Professor Frank J. Kearful, der in zweieinhalb Jahren geht, wurde anders verplant.

Nun ist die Errichtung eines "Zentrums für Nordamerikastudien" vorgesehen, das die Forschung noch intensivieren soll. Sielke: "Wir wollen gezielte Nachwuchsförderung betreiben, möglichst auch im Rahmen eines DFG-Forschungsprojekts."

Ein Kolloquium für Doktoranden und Habilitanden ist bereits eingerichtet. Auch im Studium sind Änderungen geplant: So beteiligen sich Anglistik und Amerikanistik am Modellversuch Bachelor/Master.