US-Studie zu "Hangry"-Phänomen

Darum empfinden wir schneller negativ, wenn wir Hunger haben

Birkenzucker kann in großen Mengen zu Magen-Darm-Problemen führen.

Ein knurrender Magen ist nicht angenehm.

Washington/Chapel Hill. Forscher aus den USA fanden nun heraus, warum man hungrig so manche Situation negativer empfindet, als wenn man gut gesättigt ist. Am leeren Magen alleine liegt es nicht.

Das Phänomen "Hangry" ist vielen schon länger bekannt und setzt sich aus den englischen Worten "hungry" (hungrig) und "angry" (verärgert) zusammen. Wer kennt es nicht: Der Magen knurrt, und die eigentlich gar nicht so schlimme Situation wird negativer empfunden, als sie eigentlich ist.

Eine Studie der University of North Carolina hat nun herausgefunden, warum dies so ist. Wenn der Blutzuckerspiegel sinkt, macht sich der Hunger bemerkbar. Aber durch Hunger alleine wird man nicht schneller zum Pessimisten. Eine große Rolle spielen in diesem Zusammenhang auch der Kontext der Situation und die Eigenwahrnehmung. Dafür führten die Forscher ein Onlineexperiment an rund 400 Personen durch. Sie zeigten den Probanden zuerst positive, neutrale und negative Bilder. Anschließend sahen die Personen ein mehrdeutiges Bild, welches sie im Anschluss bewerten sollten. Außerdem mussten sie ihr Hungerempfinden angeben.

Heraus kam, dass die Personen, die hungrig waren und zuerst ein negatives Bild gezeigt bekamen, das mehrdeutige Bild negativer deuteten als die anderen.

Ein zweites Experiment, diesmal im Labor, testete 200 Studierende. Diese mussten an einem Computer einen langwierigen Test absolvieren. Einige absolvierten einen Test, der sich um ihre eigenen Emotionen drehte. Kurz vor Schluss stürzte der PC ab. Für den Fehler wurden die Studierenden beschuldigt. Diejenigen, die sich in dem Test auf ihre Emotionen fokussiert hatten und hungrig waren, bewerteten die Situation ebenso wie die gesättigten Personen. Die, die hungrig waren und sich nicht auf ihre Emotionen konzentriert hatten, fühlten sich gestresster und wütender.

Alles in allem kamen die Forscher zu dem Schluss, dass Hunger zu einem erhöhten Stressempfinden führt und dadurch mehrdeutige Situationen im Anschluss an eine negative Situation negativer empfunden werden. Außerdem lässt sich die schlechte Laune wieder positiv beeinflussen, wenn man sich seine eigentlichen Emotionen bewusst macht. Diese Studie wurde in dem Magazin "Emotion" veröffentlicht.

Bereits im Jahr 2014 belegten Forscher, dass Aggressionen zwischen Partnern steigen wenn der Blutzuckerspiegel sinkt. Hunger hat also oft Streit und Konflikte zur Folge.