Neue Erkenntnisse

Bonner Forscher untersuchten das Phänomen des Schenkens und Spendens

"Du 120 Euro, Er 60 Euro": Medizinprofessor Bernd Weber misst im Entscheidungsprozess die Hirnströme einer Testperson.

BONN. Warum spenden Menschen? Um sich gut zu fühlen? Oder weil es ihnen wirklich um den "guten Zweck" geht? Gibt es so etwas wie Uneigennützigkeit? Diesen Fragen ist ein Forscherteam der Uni Bonn unter Leitung des Arztes und Psychologen Klaus Fließbach (38) nachgegangen.

Dabei setzten die Wissenschaftler einen Kernspintomographen ein, der abbildet, welche Hirnregionen gerade aktiv sind. Ergebnis: Ja, altruistische, also nicht eigennützige Motive, sind nachweisbar.

Das Experiment wurde am Center for Economics and Neuroscience auf dem Venusberg entwickelt. Dort forschen Wirtschaftswissenschaftler mit Medizinern und Psychologen. Der Versuch gehört zu einer Reihe von Experimenten, mit denen Wissenschaftler versuchen, Verhalten in wirtschaftlichen Situationen zu ergründen. Dabei ergab sich häufig, dass Menschen keineswegs immer nur auf den eigenen ökonomischen Vorteil bedacht sind, sondern die Entscheidung von anderen Motiven - etwa Stolz oder auch Mitleid - bestimmt werden kann.

Für den aktuellen Versuch konnten sich 33 Probanden unter sechs Wohltätigkeitsorganisationen jeweils eine aussuchen. Dann sollten sie 180 Mal rasch entscheiden, wie sie Geld, das ihnen zur Verfügung gestellt wurde, aufteilen wollten - zu ihren eigenen Gunsten oder zu Gunsten der Organisation. Auf dem Monitor der Versuchsperson erschienen beispielsweise die Vorschläge, von 80 Euro 10 selbst zu kassieren und 70 zu spenden oder von 40 Euro 20 zu bekommen und 20 weiterzugeben.

Darunter waren auch Aufteilungen, bei denen die Probanden einen eigenen Verlust akzeptieren konnten, um dadurch der Spendenorganisation mehr Geld zukommen zu lassen. Um "sozial erwünschtes" Verhalten zu vermeiden, wurde Anonymität zugesichert.

Heraus kam, dass etwa die Hälfte der Leute bereit waren, zu ihren eigenen Lasten zu entscheiden. Danach erfolgte eine gezielte Irritation der Teilnehmer. Sie erfuhren, die Hälfte ihrer Entscheidungen sei abgelehnt worden - und in einem zweiten Schritt fiel noch einmal die Hälfte weg, so dass letztlich pro Proband nur 45 Entscheidungen übrig blieben. Während die Teilnehmer informiert wurden, welche ihrer Entscheidungen Bestand hatten oder auch nicht, schauten sich die Forscher die Hirnaktivität an.

Fazit: Bei allen Teilnehmern flackerte die für Belohnung zuständige Hirnregion auf, sobald sie erfuhren, dass eine Entscheidung zu ihren eigenen Gunsten "durchgekommen" war. Sie freuten sich darüber. Aber eine identische Reaktion im Hirn zeigte sich auch bei den Leuten, die zu ihren Lasten gespendet hatten und nun informiert wurden, dass es bei der Entscheidung bleibe.

 Hier ging es nicht mehr um den Akt des Gebens selbst, sondern nur noch um dessen Bestätigung, trotzdem flackerte die Hirnregion auf. Die Forscher schließen daraus, dass es den Spendern also tatsächlich uneigennützig um den guten Zweck ging und nicht um das eigene Wohlbefinden.