Bonner Forscher im Interview

Armin Falk: "Schenken ist von großer Bedeutung"

Forscht mit Medizinern und Psychologen: Armin Falk. Repro: GA

Der Bonner Ökonomieprofessor Armin Falk zur Theorie und zu Praxisprojekten wie dem Festspielhaus. Im Bonner Center for Economics and Neuroscience erforschen Wirtschaftswissenschaftler, Mediziner und Psychologen, wie sich Menschen in wirtschaftlichen Situationen verhalten.

Wie sind Sie auf das Thema Schenken gekommen?
Armin Falk: Schenken ist von großer gesellschaftlicher Bedeutung. Etwa, wenn Menschen für gute Zwecke spenden. Für karitative Organisationen, aber auch für Kultur, Sport, Wissenschaft. Unternehmen spenden, aber auch Privatleute. Das ist ökonomisch sehr relevant, es kommen Milliarden zusammen, in anderen Ländern noch mehr als hier.

Auf der anderen Seite ist das Schenken interessant, weil es dem Bild widerspricht, Menschen würden nur auf ihre eigenen Vorteile achten. Das wiederum muss allerdings nicht heißen, das Schenken völlig uneigennützig ist. Genau diese Spannung macht das Phänomen psychologisch und verhaltensökonomisch interessant.

Was haben Sie herausgefunden? Warum schenken Menschen?
Falk: Man unterscheidet verschiedene Motive: Manche fühlen sich einfach gut, wenn sie etwas Gutes tun. Das ist dann ein sogenanntes intrinsisches Motiv. Oder man hat Freude daran, was mit dem Geld passiert. Das wäre dann eine ergebnisorientierte Perspektive. Wir haben in Versuchen festgestellt, dass im Gehirn des Schenkenden tatsächlich etwas passiert, dass ein Gefühl der Befriedigung eintritt, wenn etwa eine Spende einen bedürftigen Empfänger erreicht.

Das dritte Motiv ist Reputation und soziale Anerkennung. Das spielt etwa beim Firmensponsoring eine große Rolle. Schließlich gibt es noch die Menschen, die in ihrem Leben wirtschaftlich sehr erfolgreich waren und den Wunsch haben, etwas an die Gesellschaft zurückzugeben.

Mit Spenden werden weltweit bedeutende Infrastruktureinrichtungen finanziert. Hat Deutschland da Nachholbedarf?
Falk: Geld ist eine entscheidende Größe, um Qualität zu kaufen. In Deutschland gelingt es hier noch nicht in dem Maße wie etwa in den USA, private Mittel für Bildung und Kultur zu mobilisieren.

Man kann sich wirklich fragen, ob die Idee, ein Stück Harvard nach Deutschland zu holen, nicht auch in Bonn realisiert werden könnte. Dafür wäre viel Geld nötig, damit könnte man aber international an die Spitze kommen. Für die Wirtschaftswissenschaften hier halte ich das durchaus für realistisch. Das hätte Signalwirkung.

Wer soll das Geld geben?
Falk: Etwa große Unternehmen, die in der Region ihren Sitz haben, aber auch Privatleute. Wenn wir wollen, dass mehr Private für Bildung Geld geben, genügt es aber nicht abzuwarten, sondern wir müssen auch ein professionelles Fundraising aufbauen.

In Bonn läuft eines der bundesweit größten Spendenprojekte. Es soll 25 Millionen Euro zur Finanzierung eines Beethoven-Festspielhauses einbringen. Wie beurteilen Sie die Chancen?
Falk: Das ist ein sportliches Ziel. Solche Kampagnen können aber so strukturiert werden, dass sie zum Erfolg führen. Denkbar wäre ein Wettbewerb um den Rang des spendabelsten Stadtteils. Es gibt viele andere Tricks, deren Wirkungsweise wissenschaftlich erwiesen ist: Ein größerer Spender erklärt sich bereit, für jeden bis dann und dann gespendeten Euro einen Euro draufzulegen. Das erhöht die Bereitschaft, weil man durch die eigene Spende einen größeren Hebel bekommt.

Es gibt andere Verfahren, etwa die Gesamtsumme in konkrete Einzelziele wie zum Beispiel die Heizung aufzuteilen. Es ist nachgewiesen, dass auch das die Spendenbereitschaft erhöht. Es können sich auch Spendergruppen zusammentun, die dann behaupten können: Die Eingangstüren, die sind von uns. Das sind alles psychologische Tricks, die aber gut funktionieren. Wenn sie klug genutzt werden, sehe ich durchaus eine Chance für das Festspielhaus-Projekt.