Protest gegen Kissinger-Professur

100 Wissenschaftler wenden sich gegen den geplanten Lehrstuhl

BONN. Der Protest gegen die geplante Stiftungsprofessur zu Ehren des ehemaligen US-Außenministers und Friedensnobelpreisträgers Henry Kissinger an der Bonner Universität zieht immer weitere Kreise.

Am Montag wandten sich mehr als 100 Wissenschaftler in einem offenen Brief gegen die geplante Professur, darunter der französische Politologe Alfred Grosser und der Soziologe Oskar Negt. Rund 50 der Erstunterzeichner gehören dem wissenschaftlichen Beirat des globalisierungskritischen Netzwerks Attac an; auf der Liste steht lediglich ein Bonner: Dr. Oliver Pye vom Institut für Orient- und Asienwissenschaften.

Henry Kissinger ist Mitglied der US-Republikaner und wird dort zu den "Realpolitikern" gezählt. Im Mai 2013, wenige Tage vor Kissingers 90. Geburtstag, hatten der damalige Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) und der damalige Außenminister Guido Westerwelle (FDP) ihre Pläne bekannt gegeben, eine Professur in Bonn zu finanzieren. Die "Henry-Kissinger-Professur für Internationale Beziehungen und Völkerrechtsordnung unter besonderer Berücksichtigung sicherheitspolitischer Aspekte" ist auf fünf Jahre angelegt.

Im Sommer 2013 regte sich erster Widerstand. Die Grüne Hochschulgruppe Bonn wies darauf hin, Kissinger habe im Hintergrund des Militärputschs in Chile 1973 gestanden, die argentinische Militärjunta in den 1970ern unterstützt und die indonesische Invasion Ost-Timors 1975 toleriert. Der Allgemeine Studentenausschuss (Asta) und eine "Initiative Zivile Uni Bonn" schlossen sich an.

Auch der jetzige Vorstoß wird an der Einrichtung der Professur zum kommenden Wintersemester und ihrer Finanzierung durch die Bundesregierung wohl nichts ändern. Das Berufungsverfahren steht kurz vor dem Abschluss. "Ich vermute, dass sich die Gemüter beruhigen werden", sagte gestern Unisprecher Andreas Archut.