Interview mit Expertin Sandra Schramm

Zwei von drei Studenten gehen nebenbei arbeiten

Bei manchen Studiengängen ist ein Praktikum Pflicht. Mit den Anforderungen sollten sich die jungen Menschen schon früh auseinandersetzen.

Rund zwei Drittel der Studierenden gehen neben ihrem Studium arbeiten.

Bonn. Sandra Schramm von der Zentralen Studienberatung in Bonn erklärt im GA-Interview, welche Möglichkeit der Finanzierung sich für Studenten anbieten.

Geld ist einer der Faktoren, die Studierende bei ihrer Grundsatzentscheidung für oder gegen ein Studium mit einbeziehen. Sandra Schramm leitet die Zentrale Studienberatung der Universität Bonn und kennt sich mit den möglichen Finanzierungswegen für Studierende aus. Mit ihr sprach Britta Röös.

Frau Schramm, wie finanzieren sich Studierende ihre Ausbildung?

Sandra Schramm: Meistens werden sie von ihren Eltern finanziert, denn diese haben eine Unterhaltspflicht. Wenn das nicht möglich ist, gibt es zum Beispiel das Bafög.

Was ist Bafög?

Schramm: Bafög nennt man die Förderung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz. Die Höhe dieser Leistung ist abhängig vom Einkommen der Eltern, dem eigenen Vermögen oder dem des Ehepartners und von der Geschwisteranzahl in Ausbildung. Der Höchstsatz liegt bei 735 Euro im Monat. Beantragt wird das Bafög beim Studierendenwerk.

Welche Alternativen gibt es?

Schramm: Ungefähr zwei Drittel der Studierenden gehen nebenbei arbeiten. Meist 7,5 Stunden pro Woche. Bei einem Job auf 450-Euro-Basis ist das unproblematisch. Verdient man mehr, könnte man zum Beispiel von der Familienkrankenversicherung ausgeschlossen werden.

Wie sieht es mit Stipendien aus?

Schramm: Stipendien sind auch eine gute Finanzierungsmöglichkeit. Studierende, die kein Bafög bekommen, können über ein Stipendium ebenfalls einen Höchstsatz von 735 Euro pro Monat erhalten. Zusätzlich gibt es einen Betrag von monatlich bis zu 300 Euro, das früher sogenannte Büchergeld. Neben der finanziellen Förderung gibt es bei Stipendien auch die individuelle Förderung durch Sommerakademien, Vertrauensprofessoren und einer insgesamt starken Netzwerkbildung.

Welche Stipendien gibt es?

Schramm: 13 große Begabtenförderwerke werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Das bekannteste Förderwerk ist wohl die Studienstiftung des deutschen Volkes. Außerdem werden Förderungen auch von kirchlichen oder parteilichen Stiftungen angeboten sowie von wirtschaftlichen oder gewerkschaftlichen Trägern. Einen guten Überblick gibt die Internetseite stipendiumplus.

Wie sieht es mit Krediten aus?

Schramm: Von der Bundesregierung gibt es zum Beispiel den Bildungskredit. Auch gibt es den KfW-Studienkredit, der unterschiedliche Förderungen und einen geringen Zinssatz anbietet. Für Studierende in akuter finanzieller Notlage gibt es zum Beispiel das zinslose Daka-Darlehen.

Wie läuft die Rückzahlung ab?

Schramm: Ich empfehle, die Rückzahlungspläne mit dem Kreditinstitut abzusprechen. Die meisten sind am Bafög orientiert. Da ist es so, dass die Studierende das Geld nicht sofort nach ihrem Studienabschluss zurückzahlen, sondern erst fünf Jahre nach Ende der Förderungshöchstdauer damit beginnen müssen. Außerdem müssen sie nur die Hälfte von dem zurückzahlen, was sie bekommen haben. Diese Summe ist bei 10 000 Euro gedeckelt. Und die Rückzahlung ist zinslos.

Was ist die verbreitetste Finanzierungsmöglichkeit?

Schramm: Die meisten Studierenden werden wie gesagt von den Eltern finanziert. Außerdem ist das Bafög so bekannt, dass die Studierenden, deren Eltern die Unterhaltspflicht nicht erbringen können, den Bafög-Antrag rechtzeitig einreichen. Eine Hemmschwelle gibt es allerdings bei den Stipendien. Man braucht nicht zwangsläufig ein exorbitant gutes Abitur, um eines zu bekommen. Außerdem lohnt es, sich auch noch während des Studiums über Förderungen zu informieren.