Qualifikation für Fachlehrer

Uni Bonn hilft Ausbildern bei der Kommunikation mit Migranten

Angekommen in der Arbeitswelt: Nach seiner Flucht aus Eritrea hat Tedros Gebru (links) eine Ausbildung beim Stuttgarter Kabelhersteller Lapp absolviert. Das neue Qualifizierungsprogramm der Uni Bonn richtet sich an Ausbilder der Geflüchteten in solchen Betrieben.

Angekommen in der Arbeitswelt: Nach seiner Flucht aus Eritrea hat Tedros Gebru (links) eine Ausbildung beim Stuttgarter Kabelhersteller Lapp absolviert. Das neue Qualifizierungsprogramm der Uni Bonn richtet sich an Ausbilder der Geflüchteten in solchen Betrieben.

Bonn. Ausbilder und Fachlehrer von Geflüchteten können sich an der Uni Bonn fortbilden lassen. Nächster Kurs startet im September.

Ein Imperativ drückt deutlich aus, was gewünscht ist. Klar, direkt, unmittelbar. „Gib mir den Hammer!“ Ausrufezeichen. Im Alltag klingt dieser Satz mitunter hart, fast schon unfreundlich. Doch gerade dann, wenn das Sprachverständnis wie etwa bei Flüchtlingen und anderen Zugewanderten begrenzt ist, ist er weitaus verständlicher als etwa ein Konjunktiv.

„Die meisten Deutschen sagen eher so etwas wie »Würden Sie mir mal bitte den Hammer geben« – aber dann steht das Verb am Schluss“, erläutert Veronika Vössing. Sie ist Koordinatorin des Programms „Per-spektive Integration – Sprach-sensibles Lehren und Ausbilden für den Beruf“ (PIB) an der Universität Bonn. „Wir empfinden diese Formulierung als höflicher, machen es aber jenen mit begrenzten Deutschkenntnissen unnötig schwer. Je einfacher wir formu-lieren, um so eher werden wir verstanden. Gerade bei der Ausbildung von Menschen mit Migrationshintergrund ist dieser Aspekt besonders wichtig.“

Die von Vössing organisierten Seminare, die von der Abteilung „Interkulturelle Kommunikation und Mehrsprachigkeitsforschung mit SLZ (Sprachlernzentrum)“ am Institut für Sprach-, Medien- und Kulturwissenschaft angeboten werden, richten sich im Gegensatz zu gängigen „Deutsch als Fremdsprache“-Programmen (DaF) weniger an Lehrer als vielmehr an Handwerksmeister und andere Ausbilder, die versuchen, die neuen Immigranten in das Berufsleben zu integrieren. „Im vergangenen Jahr waren rund 300 Flüchtlinge in der Region in einer Ausbildung, Tendenz steigend“, sagt Cornelia Böhm, Gesamtkoordinatorin für die weiterbildenden Studienangebote am Institut.

„Dabei gibt es immer wieder dieselben Probleme: Neben kulturellen Unterschieden und den Traumata, unter denen viele Flüchtlinge leiden, sorgen vor allem falsch oder gar nicht verstandene Arbeitsanweisungen für Differenzen. Dabei lässt sich vor allem Letzteres mit ein bisschen Sprachsensibilität beheben, etwa indem man auf besagten Imperativ zurückgreift oder Anweisungen an Bilder koppelt.“ Sie zeigt auf eine Tafel, auf der verschiedene Zangen und ihre Verwendung abgebildet sind: „Rohrzange, Kneifzange, Seitenschneider ... So etwas kann ich in jedem Betrieb aufhängen und gebe den Auszubildenden damit ein wichtiges Werkzeug an die Hand, mit dem sie lernen können.“

In den PIB-Kursen mit insgesamt 60 Unterrichtsstunden an acht Samstagen wollen Vössing und ihre Kollegen den Ausbildern derartige Methoden nahebringen. „Häufig stellen unsere Teilnehmer auch fest, dass sie eigentlich viel zu viel reden und Anweisungen doppelt und dreifach geben“, sagt Vössing lachend. „Sie glauben, dass sie damit den Flüchtlingen helfen, aber häufig verwirren sie sie nur. Wenn wir die Ausbilder und Fachlehrer damit in Szenarien konfrontieren und sie selbst in so eine Situation bringen, geht ihnen in der Regel ein Licht auf. Vieles lässt sich nämlich weitaus einfacher ausdrücken, als wir das normalerweise tun. Man muss nur daran denken.“

Parallel zu PIB bietet das Institut für Sprach-, Medien- und Kulturwissenschaft ein weiteres Qualifizierungsangebot an, das sich gezielt an Lehrkräfte für Seiteneinsteigerklassen an weiterführenden Schulen richtet. „In der Regel werden dafür ja Deutschlehrer eingesetzt, die aber oft mit der Situation überfordert sind“, führt Böhm aus. „Wer sonst Kinder unterrichtet, die mit der deutschen Sprache aufgewachsen sind, und auf einmal auf Flüchtlinge trifft, die zum Teil noch nicht einmal in ihrer eigenen Sprache lesen und schreiben können, muss sich ziemlich umstellen. Dem wollen wir mit unserer Fortbildung Rechnung tragen.“

Beide Programme werden durch das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW gefördert und sind für die Teilnehmenden gebührenfrei.

Die nächsten PIB-Kurse beginnen im September, die Bewerbungsfrist endet allerdings bereits am 12. Juli. Weitere Informationen dazu sowie zu den anderen Angeboten sind zu finden unter www.daf.uni-bonn.de