Alanus Hochschule in Alfter

Teile vom Dach der Beethovenhalle werden zu Kunst

Alfter/ Bonn. Studierende der Alanus Hochschule in Alfter arbeiten mit Teilen des Kupferdachs der Beethovenhalle. Der ersten Präsentation im Bonner Opern-Foyer soll eine zweite folgen.

Der Meister blickt versonnen auf ein grau aufgewühltes Meer – Michael Gatzke hat Ludwig van Beethoven in der Art des Romantikers Caspar David Friedrich gemalt. Eine wunderschöne Frau blickt sich geheimnisvoll um, fixiert den Betrachter. Auf dem Gemälde von Judika Schön fasziniert nicht nur das zarte Modell, sondern auch der lindgrüne, helle Hintergrund. Der wirkt wie Grünspan, was gar nicht so abwegig ist. Denn Gatzke, seine Kommilitonin Schön und zwei Dutzend weitere Studenten der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft haben Kupferblech mit der charakteristischen grünen Patina zur Grundlage ihrer Kunst genommen – und mehr noch: Seit zwei Jahren widmen sie sich intensiv einem Stück der Originalbedachung der Bonner Beethovenhalle.

Kein Wunder, dass Beethoven, der Geist seiner Musik und vermutlich eine der Frauen, die er möglicherweise verehrt hat, als Motive in den Arbeiten der Studenten auftauchen. Das Alanus-Projekt zum künstlerischen Re-cycling hat den Arbeitstitel „Beethovens Kupfer“. 1959 wurde die Beethovenhalle eröffnet. Aus dieser Zeit stammt das Kupferblech, das einst die Künstlergarderobe bedeckte. 94 Platten des Daches, jeweils einen Quadratmeter groß, kamen im Zuge der Sanierung der Beethovenhalle über den Verein ProBeethovenhalle in die Alanus Hochschule, in deren Campus I auf dem Alfterer Johannishof junge Bildhauer und Maler ans Werk gingen.

Martin Lunyszyn etwa ist ganz fasziniert von den Spuren, die Wind und Wetter in Jahrzehnten auf dem Metall hinterlassen haben. „Manche Platte war stark gewellt, manche so plan, dass man damit Radierungen herstellen kann“, sagt der Künstler. „Dieses Material ist von der Geschichte aufgeladen, das hat uns geflasht“, meint Lunyszyn begeistert.

Präsentation der Kupferblech-Objekte

Er habe die Schwingungen des Ortes und des Materials aufgenommen, erzählt er, und passend dazu in Kupferblech eine Violine nachempfunden: ein elegant geschwungenes Edelinstrument von Giuseppe Guarnieri del Gesù, der im 18. Jahrhundert im italienischen Cremona eine berühmte Geigenbauerwerkstatt hatte. Lunyszyn hat sich von Guarneris Modell „Ex Kreisler“ inspirieren lassen. Die wollte er nicht einfach in Kupfer nachbauen, sondern künstlerisch interpretieren: „Ich bin noch dabei, das Werk in die richtige Bewegung zu bringen“, sagt er im Atelier auf dem Johannishof. „Ich bin offen für das, was in diesem Prozess passiert – und habe einen großen Respekt vor dem Material.“

Die Bandbreite der Kupferblech-Arbeiten ist immens. Professorin Ulrika Eller-Rüter zeigt einige Stücke: Filigranes Flechtwerk und Radierungen sind entstanden, Kupfer wurde getrieben, geglättet, modelliert. Es gab, so Eller-Rüter, „malerische Eingriffe“, es entstanden Leuchtobjekte, eine Soundinstallation und interessante Werke wie „Für Elise“ in Kunstharz gegossen. Großen Raum nehmen Gemälde und Druckgrafiken ein, die nicht unbedingt mit Beethoven zu tun haben müssen. Mit Totenmasken und einem Hörrohr wurde aber auch explizit auf die Biografie des Komponisten eingegangen.

Eine erste Präsentation hatten die Studenten des Fachbereichs Bildende Kunst bereits mit ihren Kupferblech-Objekten, Grafiken und Gemälden kurz vor Weihnachten im Foyer der Bonner Oper. Eine weitere Vorstellung ist geplant.