Menschen an der Uni Bonn So sieht der Alltag des Bonner Universitätspredigers aus

Professor Eberhard Hauschildt appelliert an die besondere Verantwortung der Kanzelredner. Einer seiner Lieblingsorte ist die Schlosskirche.

Bonn. Der evangelische Bonner Universitätsprediger Professor Eberhard Hauschildt will Einsichten ermöglichen

Was für ihn persönlich der Reiz der Schlosskirche ist? Dieses Gotteshaus, das sich, für viele Bonner unbekannt, unter dem Ostturm im Universitätshauptgebäude öffnet? „Dem Reiz der Schlosskirche kann sich keiner entziehen“, sagt Professor Eberhard Hauschildt. Der Bonner Universitätsprediger blickt hoch zu den hellen stuckverzierten Wänden des spätbarocken Kirchenschiffs.

Auf der einen Seite sei das einstige Gotteshaus der ersten evangelischen Gemeinde des linksrheinischen Bonns ja reich ausgeschmückt. „Und auf der anderen Seite ist sie in ihrer weißgelben festlichen Farbgebung fast puristisch zu nennen“, erläutert der 59-Jährige. Wer also hier durch die Kirchentür trete, dem eröffne sich zu seiner großen Überraschung plötzlich eine andere Welt.

Und was ist in dieser „anderen Welt“ die Aufgabe eines Universitätspredigers? Hauschildt, der als Professor für Praktische Theologie an der Evangelischen Fakultät lehrt und zusätzlich die Predigeraufgabe vor zwei Jahren von Professor Reinhard Schmidt-Rost übernahm, antwortet, das Amt sei sozusagen historisch gewachsen, und die Schaffung gehe sogar auf die Gründerzeit zurück. Bei zwei theologischen Fakultäten seien also auch zwei Prediger anwesend, ein evangelischer und ein katholischer.

Deren Aufgabe bestehe darin, „etwas Zeitgemäßes aus dem Auftrag zu machen“, sagt Hauschildt. Beide Universitätsprediger verantworten je einen Semestereröffnungsgottesdienst. In der Schosskirche gebe es darüber hinaus in der Vorlesungszeit sonntäglich um 11 Uhr einen akademischen Gottesdienst.

„Ich selbst bin für das Programm verantwortlich und hole auch gerne Kollegen aus anderen Fakultäten, etwa auch aus der Medizin, auf die Kanzel“, berichtet Hauschildt. Er schöpfe also die besonderen Möglichkeiten dieses Ortes aus. „Wir befinden uns ja als Theologen in einer Gesamtuniversität. Das spiegeln wir mit unserem Programm.“

Übrigens kämen durchaus nicht nur Uniangehörige zur Feier. „Wir laden aber in einer bestimmten Weise zu Akademikergottesdiensten, wo man Professorenpredigten und gediegene Orgelmusik hört“, berichtet Hauschildt. Die „ganz großen Gottesdienstexperimente“ fänden eher nicht statt. Gleichwohl wehe durchaus mehr frischer Wind, wenn sich die Studierendengemeinde beteilige. Und der Altersdurchschnitt sinke gleich mit. Der Uniprediger lächelt.

„Ich habe mich zwar von den Eltern emanzipiert, aber von Gott wollte ich mich nicht abgrenzen“

Er selbst kommt aus einem evangelischen Pfarrhaus und entwickelte sich durch seine Schulfächerwahl irgendwann dann auch in Richtung Theologiestudium. „Ich habe mich zwar von den Eltern emanzipiert, aber von Gott wollte ich mich nicht abgrenzen“, erläutert Hauschildt. Der Liebe wegen studierte er auch in den USA, kam wieder zurück nach München, promovierte dann über Predigten und habilitierte sich mit einer Arbeit über Alltagsseelsorge, bevor er 1997 den Lehrstuhl in Bonn übernahm.

Ja, beides seien Herzensanliegen: das Engagement im diakonischen Bereich und fürs Predigen, sagt Hauschildt, der verheiratet ist und drei Kinder hat. Seine Professur für Praktische Theologie beinhaltet die Bereiche Seelsorge, Diakonie und Gemeindeaufbau. Hauschildt ist zudem seit 1998 nicht zufällig Mitglied im Vorstand der Telefonseelsorge Bonn/Rhein-Sieg.

Und er steht eben mit Leib und Seele auf der Kanzel. Was zeichnet denn heute eine gute Predigt aus? „Die erreicht, ganz schlicht gesagt, dass den Hörern in irgendeiner Hinsicht ein Licht aufgeht“, antwortet Hauschildt: Sie nähmen eine Einsicht mit nach Hause, die ihren Blickwinkel verändern könne. In der kreativen Spannung zwischen einem Bibeltext aus alter Zeit und dem Nachdenken über die Gegenwart entwickle eine gute Predigt gemeinsam mit Liturgie und Musik einen überraschenden Mehrgewinn.

Wobei ihm selbst eine seiner ersten Predigten vor vielen Jahren durchaus misslungen sei. „Ich wollte nicht einen sozusagen nur schokoladigen Weihnachtsgottesdienst und habe das Baby in der Krippe als ganz und gar menschlich beschreiben wollen, auch als pissend und kackend.“ Hauschildt lacht. Natürlich sei sofort der Vorwurf gekommen, er nutze Fäkalsprache. Und das zurecht. Denn er habe sich durch diesen Effekt als Prediger letztlich selbst im Wege gestanden.

Auf der Kanzel habe man mit Verantwortung zu sprechen, dürfe also keineswegs polarisieren, ergänzt Hauschildt dann mit Blick auch auf aktuelle Fälle politischer islamfeindlicher Provokationen im Gottesdienst, wie etwa in Bremen geschehen. „Ein Prediger darf seine Verantwortung nicht hinter dem Wortlaut des Bibeltextes verstecken, sondern muss für eine saubere Übertragung in den Kontext der Gegenwart sorgen.“

GA-Serie: Die Universität Bonn und das Uniklinikum Bonn zählen zusammen rund 11 000 Beschäftigte. Elf von ihnen stellt der General-Anzeiger im Jubiläumsjahr zum 200. Geburtstag der Uni Bonn beispielhaft vor. Die Porträts erscheinen an dieser Stelle in unregelmäßigen Abständen.

Zur Startseite