"Café Abraham" in Bonn

Religionen an einem Tisch

„Religion ist Teil unserer Institution“, sagte Uni-Rektor Michael Hoch beim „Café Abraham“, das im Café Sahneweiß stattfand.

„Religion ist Teil unserer Institution“, sagte Uni-Rektor Michael Hoch beim „Café Abraham“, das im Café Sahneweiß stattfand.

BONN. Das „Café Abraham“ organisiert Treffen für Studierende aller Konfessionen. Uni-Rektor Professor Michael Hoch ist bei der Premiere sehr erfreut. Nur eine Sache hätten sich die Beteiligten noch gewünscht.

„Welche Rolle spielt Religion in deinem Leben?“ – Und schon geht die Diskussion los. Mehr als 30 junge Studierende ganz unterschiedlicher Konfessionen haben sich nun im Café Sahneweiß getroffen, um sich über Religion auszutauschen. Das Treffen trägt den Namen der Initiative „Café Abraham“, die es bereits in anderen deutschen Hochschulstädten gibt.

„Für die meisten meiner Kommilitonen spielt Religion einfach gar keine Rolle“, ist sich ein Student sicher. „Die Schlosskirche kennt auch kaum jemand – noch nicht einmal alle Theologiestudenten“, ergänzt eine Politikstudentin. Das beobachten auch Lea K. von der jüdischen Hochschulgruppe und Hanane H. von der islamischen Hochschulvereinigung. Beide wollen ihren kompletten Namen nicht in der Zeitung stehen haben. „Viele glauben, man braucht Religion in einer fortschrittlichen Zeit nicht mehr.“

Dass das nicht für alle zutrifft, zeigt schon die Anzahl der religiösen Hochschulgruppen in Bonn: Neben der jüdischen und der islamischen Hochschulgruppe haben sich am „Café Abraham“ auch die Katholische Hochschulgemeinde und die Evangelische Studierendengemeinschaft beteiligt. Die Idee, regelmäßig Treffen für Studenten unterschiedlicher Religionen anzubieten und in einer Kaffeehaus-Atmosphäre miteinander ins Gespräch zu kommen, hat Hanane H. überzeugt.

Auf Facebook und mit Plakaten hatten sie und ihre Mitstreiter für die Veranstaltung geworben. „Das Interesse ist da. Die verschiedenen Religionen sind ganz unterschiedlich stark vertreten.“ Um interessante Gesprächsrunden zu ermöglichen, ordnen sich alle Besucher am Eingang selbst einer Konfession zu – oder eben keiner. An den Tischen achten die Organisatoren dann darauf, dass die Gruppen möglichst gemischt sind. Nach jeder Gesprächsrunde treffen die Teilnehmer an einem anderen Tisch auf neue Gesprächspartner.

Thema des ersten Treffens: Religion an der Universität. Zur Unterstützung ist auch Universitäts-Rektor Professor Michael Hoch gekommen. „Ich habe mich sehr gefreut, als ich von der Initiative gehört habe“, sagt er. „Religion ist Teil unserer Institution, wenn sie zu den Menschen gehört, die an der Uni tätig sind. Das ist nicht trennbar.“

Mit dem Start sind Lea K., Hanane H. und die Mitglieder der anderen Hochschulgruppen sehr zufrieden. An den Tischen wurde eifrig diskutiert. Ein großer Minuspunkt: zu wenig Zeit. Alle wünschten sich, dass die einzelnen Gesprächsrunden länger als zehn Minuten dauern. Über mangelnden Input konnten sich die Organisatoren nicht beschweren: Gemeinsame Ausflüge wünschte sich ein Student, Gespräche über Gotteserfahrungen ein anderer.

„Das »Café Abraham« soll einen Dialog schaffen“, sagt Lea K. „Das ist besonders wichtig in Zeiten, in denen Religion missbraucht wird.“ Hanane H. betont: „Wir wollen dazu beitragen, dass es mehr Verständnis untereinander gibt und wünschen uns für die Zukunft, auch Fremdenfeindlichkeit abzubauen.“ Geplant ist, sich alle vier Wochen zu treffen und fernab jeder Seminar-Atmosphäre zu Themen ins Gespräch zu kommen, die in einem weitgehend religionsfreien Alltag oft zu kurz kommen.