Leichteres Leben für viele Studenten

Noch ein Schritt mehr zur digitalen Hochschule

Die grüne Aufmachung von Niclas Weisls App hat auch inhaltliche Gründe. Darüber sollen gebrauchte Lehrbücher verkauft werden.

Die grüne Aufmachung von Niclas Weisls App hat auch inhaltliche Gründe. Darüber sollen gebrauchte Lehrbücher verkauft werden.

BONN. Niclas Weisl bringt die App Campusnxt an den Start - für den Anfang dient sie dem Verkauf von Skripten und Lehrbüchern.

Studenten verfolgen Vorlesungen über Livestream, laden Skripte bequem aus dem Internet herunter und leihen Literatur nur noch aus der digitalen Bibliothek aus. Für Niclas Weisl spielt sich das Studium der Zukunft nicht mehr im Hörsaal, sondern online ab.

Bald will der 20-Jährige eine App auf den Markt bringen, die das Leben vieler Studenten erleichtern soll. Auf "Campusnxt" können Studenten der Universität Bonn ihre gebrauchten Bücher verkaufen, Nachhilfe anbieten und ihre Zusammenfassungen der Vorlesungen weitergeben.

Den Preis legen die Studenten selbst fest, Weisl und seine beiden Kollegen erhalten eine Provision. Über ein Fünf-Sterne-System können die Studenten nach dem Kauf bewerten, wie hilfreich die jeweilige Zusammenfassung ist.

"Es gibt gute und schlechtere Studenten. Die guten können bei uns ihr Budget aufstocken, die schlechteren ihr Wissen erweitern", so Weisl. Der junge Mann studiert an der Alanus Hochschule in Alfter im dritten Semester BWL und ist nebenbei für eine Unternehmensberatung tätig. Ursprünglich kommt der Student aus Tutzing, einer kleinen Gemeinde in der Nähe von München.

In seiner Freizeit betreibt Weisl den Blog "Greenseconds", auf dem er sich mit Themen rund um Umwelt, Nachhaltigkeit und Klimaschutz beschäftigt. Das grüne Layout seiner App ist daher kein Zufall, das Thema Nachhaltigkeit spielt für ihn eine große Rolle: "Wenn alle knapp 40.000 Studenten der Uni Bonn »Campusnxt« nutzen würden, könnten etwa 930.000 Kilo CO2 eingespart werden. Das entspricht einem Auto, das über vier Jahre lang nonstop durchfährt", meint Weisl.

Mit "Campusnxt" will er dafür sorgen, dass Lehrbücher wiederverwendet werden. Auch der finanzielle Aspekt spielt dabei eine Rolle. Weisl selbst hat im ersten Semester neue Lehrbücher im Wert von über 100 Euro kaufen müssen. Eine enorme Summe für Studenten, die meist ein kleines Budget hätten.

Ein wenig Wasser in den Wein gießt der Diplom-Kaufmann Frank Maikranz: Er lehrt an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und ist Gründungsdirektor des Centrums für Entrepreneurship, Innovation und Mittelstand (Centim). Noch eine App für den Austausch von gebrauchten Lehrbüchern brauchen Studenten nicht, sagt er: Davon gebe es online schon genug.

Anders hingegen der Markt für Mitschriften und Skripte: Der sehe nicht so gut aus. "Gerade, wenn man mal einen Blick über die eigene Hochschule hinauswerfen möchte, könnte eine derartige Plattform ganz interessant sein", erklärt der Experte für Unternehmungsgründungen. Wichtig für "Campusnxt" sei jetzt vor allem, Nutzer auf die Plattform zu holen.

Darin sieht auch Weisl die größte Herausforderung. Von den 1500 Euro, die er und die Mitgründer in das Start-up investiert haben, sei das meiste Geld in die Werbung geflossen: "Wir sind davon überzeugt, dass die Idee gut ankommt. Wir sind ja selbst Studenten und wissen, was die Kommilitonen wollen", so Weisl.

Und was sagen die so? Für Mitschriften würde er kein Geld ausgeben, sagt etwa Florian Kreten (23), Bachelorstudent der Mathematik an der Uni Bonn. "Die Vorlesungen sind für das Verständnis wichtig, davon sollte man in Mathe nur einzelne verpassen." Eine Plattform für den Austausch von gebrauchten Lehrbüchern und Nachhilfeangeboten hält er dagegen für sinnvoll. So sei die Hürde, den passenden Lehrer zu finden, gleich viel geringer.

Ab Mitte Mai soll "Campusnxt" an den Start gehen - für Android und iOS und als Website. Dass die Hörsäle leer bleiben, sobald die Studenten gebrauchte Skripte kaufen können, glaubt Weisl übrigens nicht: "Wenn eine Veranstaltung spannend ist, dann gehen die Studenten trotzdem hin." Das könnte dem Jungunternehmer zufolge dann für die Dozenten ein Anreiz sein, die Lerninhalte noch ansprechender zu gestalten.