Krebs ist kein Todesurteil mehr

Kongress in Bonn über die Onkologie

Die Sängerin Paula Abdul posiert in einem Video, um auf Brustkrebsvorsorge aufmerksam zu machen.

Die Sängerin Paula Abdul posiert in einem Video, um auf Brustkrebsvorsorge aufmerksam zu machen.

BONN. Ein Kongress in Bonn thematisiert aktuelle Chancen und Herausforderungen der Onkologie. Die Zahl der Betroffenen wächst zwar, die Heilungschancen aber auch.

Vor dieser Diagnose fürchten sich fast alle: Krebs. Wuchernde, bösartige Zellen, die den in der eigenen Programmierung angelegten Tod schlichtweg ignorieren und sich radikal vermehren, dabei gesundes Gewebe zerstören oder die Funktionen von Organen beeinträchtigen. Doch enorme Fortschritte in der onkologischen Forschung, der Diagnostik und der Medikamentenentwicklung haben in den vergangenen Jahren viel bewirkt, wie unter anderem die Teilnehmer der 8. Mildred Scheel Cancer Conference im Bonner Maritim-Hotel immer wieder betonen.

„Vielen Betroffenen können wir inzwischen sehr gut helfen“, betont etwa Professorin Simone Fulda, Direktorin des von der Frankfurter Stiftung für krebskranke Kinder finanzierten „Instituts für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie“ und eine der Organisatorinnen des von der Deutschen Krebshilfe ausgerichteten Kongresses. „Noch vor 30 Jahren war zum Beispiel Leukämie bei Kindern quasi ein Todesurteil, heutzutage können wir rund 90 Prozent von ihnen heilen.“

Gleichzeitig steht außer Frage, dass die Zahl der Betroffenen wächst. „Die Menschen werden eben immer älter, und damit erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich Mutationen in Zellen anhäufen“, erklärt Fulda. Längst zählen Lungen- und Brustkrebs in Deutschland zu den zehn häufigsten Todesursachen, mehr als 225.000 Patienten sind nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Jahr 2015 an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Erschreckende Zahlen.

„Deshalb ist auch die Krebs-Prävention ein großes Thema“, so Fulda. „Damit meine ich nicht nur die Vorsorgeuntersuchungen, die ohnehin schon längst empfohlen werden – gegen manche Krebsarten können wir inzwischen ja sogar impfen. Wir wissen zum Beispiel, dass Gebärmutterhalskrebs durch eine virale Infektion ausgelöst wird, gegen die man im Vorfeld vorgehen kann. Deshalb empfehlen wir gerade jungen Mädchen, sich vor dem ersten Sexualkontakt impfen zu lassen.“

Krebs hat Vielzahl von potenziellen Ursachen

Etwa acht Prozent aller Krebserkrankungen gehen in den Industrienationen auf Infektionen mit Viren und Bakterien zurück. Und die anderen 92 Prozent? Sie haben eine Vielzahl von potenziellen Ursachen – und noch mehr Ausprägungen. In jedem Menschen kann Krebs unterschiedlich verlaufen, jeder Fall ist ein einzigartiges Zusammentreffen vielfältiger Faktoren.

„Nicht zuletzt deshalb setzen wir zunehmend auf die personalisierte Onkologie“, unterstreicht Fulda. Inzwischen stehe den Medizinern auch ein umfangreiches Instrumentarium zur Verfügung, aus dem die Maßnahmen für eine optimale Behandlung zusammengestellt werden könne. „Ein großes Thema ist momentan die Immun-Onkologie, bei der die körpereigenen Abwehrkräfte aktiviert werden sollen, um gegen Krebszellen vorzugehen. Dann wieder gibt es so genannte onkolytische Viren, die Tumorzellen zerstören können. Und natürlich greifen wir auch immer noch auf die Chemotherapie zurück, die bei vielen Krebsarten bis heute die Standardbehandlung ist.“

Häufig würde erst eine Kombination der verfügbaren Therapieformen zum optimalen Ergebnis führen – und zugleich zu einem, das nach Möglichkeit nicht noch Jahre später gesundheitliche Einschränkungen mit sich bringt. „Bei Kindern mit Leukämie wurde ja oft auch eine Schädelbestrahlung durchgeführt, die aber mit Spätfolgen verbunden ist“, erklärt Fulda.

Datenmenge stellt eine große Herausforderung dar

„Eine der zentralen Herausforderungen der kommenden Jahre wird es daher sein, die durch die neuen Technologien generierten immensen Datenmengen sinnvoll zu verarbeiten, um daraus die passende Therapiestrategie zu entwickeln. Wichtig ist dabei, dass neue Erkenntnisse möglichst schnell in die Praxis umgesetzt werden. Da passiert schon unglaublich viel, aber diese Translation kann immer noch weiter verbessert werden.“

Was wird die Zukunft bringen? Eine gute Frage, gesteht Fulda. „Wir werden es wahrscheinlich nie schaffen, Krebs vollständig auszurotten, so wie uns das mit bestimmten Infektionskrankheiten gelungen ist. Dafür sind die molekularen Aberrationen in Tumoren in der Regel zu komplex, zumal sich diese im Laufe der Zeit dynamisch verändern können. Daher arbeiten wir Krebsforscher auch eher daran, die Tumore, sofern wir sie nicht heilen können, zumindest in eine chronische Krankheit umzuwandeln, die man behandeln und mit der man gut leben kann. Wenn uns das gelingt, hätten wir unglaublich viel erreicht.“

Spendenkonten Stiftung Deutsche Krebshilfe: Kreissparkasse Köln, IBAN: DE65 3705 0299 0000 9191 91; Kinderkrebsstiftung Frankfurt: Frankfurter Sparkasse, IBAN: DE33 5005 0201 0000 8870 00.