Verschiedene Förderprojekte

Künstliche Intelligenz im Alltag

Modell eines Roboters mit künstlicher Intelligenz.

Modell eines Roboters mit künstlicher Intelligenz.

Siegburg. Lernende Systeme können zum Beispiel Rollstuhlfahrern helfen.

Ein Roboterarm, der durch Kopfbewegung gesteuert wird, eine intelligente Brille, die unsere Route vor unser Auge projiziert und eine Sensormatte, die anhand unseres Ganges erkennt, ob wir gesund sind. Diese Technologien klingen nach Gadgets aus der Zukunft.

Doch sie wurden bereits entwickelt, gebaut, modifiziert - und jetzt auf der Abschlussveranstaltung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung mit dem Forschungsschwerpunkt "Adaptive, lernende Systeme" vorgestellt. Insgesamt zwölf Forschungsteams aus ganz Deutschland zeigten ihre Projekte im Parkhotel Kranz in Siegburg.

Die verschiedenen Systeme sind mit einer künstlichen Intelligenz ausgestattet. Das bedeutet: Sie können von dem Nutzer lernen, sich seine Gewohnheiten merken und selbst umsetzen. Diese Systeme können vor allem zur Alltagserleichterung von alten und behinderten Menschen beitragen.

RadAR+ ist ein adaptiv lernender Mobilitätsagent. Leichter gesagt eine Brille, die nicht nur einen vorgeschlagenen Reiseplan in das direkte und periphere Sichtfeld des Nutzers einblendet, sondern dabei auch diverse Störfaktoren einberechnen kann. Beispielsweise ist RadAR+ in der Lage zu erkennen, wenn der Nutzer Gepäck dabei hat und dadurch langsamer geht.

Das System passt automatisch die Dauer des Weges an und überprüft, ob die Zug-, Bus-, oder Bahnverbindung noch erreicht werden kann. "Es schlägt bei Wartezeiten außerdem vor, was der Nutzer unternehmen kann, um sich die Zeit zu vertreiben", so Dr. Falko Schmid.

Diese Empfehlungen basieren auf den individuellen Gewohnheiten, die das System erkannt und gespeichert hat. Für Rollstuhlfahrer hat die Brille den Vorteil, dass nur Routen und Wege ausgewählt werden, die barrierefrei sind.

Das Thema Sicherheit beschäftigt nicht nur die Bundesregierung. Besonders ältere Menschen sind um die äußere und innere Sicherheit besorgt. Genauer gesagt um Einbruchsschutz und Sturzdetektion. Das Projekt "LivingCare" erweitert vorhandene Smart Homes durch eine adaptive Lernfunktion und eine automatische Sturzerkennung.

Registrieren die Bett-Sensoren und die Bewegungsmelder nachts längere Zeit keine Bewegung, wird ein Notruf abgesetzt. Der Vorteil des Produkts: Die Kosten sollen auch für alleinstehende Rentner erschwinglich sein.

Alleine in Deutschland sind rund 6,7 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt. Bei dieser Krankheit ist es besonders wichtig, dass sich die Patienten richtig verhalten. "Um Folgeerkrankungen zu vermeiden, muss der Patient lernen, gut mit sich umzugehen", erklärt Professor Stephan Weibelzahl von der Privaten Hochschule Göttingen.

Gemeinsam mit dem Deutschen Diabetes-Zentrum und weiteren Partnern hat die Hochschule eine App entwickelt, die auf Basis des individuellen Krankheitsverlaufes vorhersagen kann, wann sich der Blutzuckerwert des Patienten verschlechtert. Die App GlycoRec spricht daraufhin Empfehlungen und Lob aus.

Auch wenn von der Forschung bis zur eigentlichen Zulassung oft Jahre vergehen, zeigen die verschiedenen Förderprojekte, was bereits heute möglich ist und wie unser Alltag in nicht allzu ferner Zukunft aussehen könnte.