Hochschule-Bonn-Rhein-Sieg

Hochschul-Blog fördert Frauen in der Technik

Nurah Al-Haj Mustafa absolviert seit September 2016 ein kooperatives Studium Maschinenbau an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Nurah Al-Haj Mustafa absolviert seit September 2016 ein kooperatives Studium Maschinenbau an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Sankt Augustin. Frauen sind in der Technik unterrepräsentiert. Ein Blog der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg arbeitet dagegen an. Die junge Muslima Nurah Al-Haj Mustafa, die dort Maschinenbau studiert, spricht im Interview Klartext.

Das Interview im Forschungsblog „gender2technik“ der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg („praktische Beispiele“ anklicken) überrascht gleich doppelt. Erst einmal steht mit der Studentin Nurah Al-Haj Mustafa eine Frau, zumal eine Muslima mit Kopftuch, im Mittelpunkt, die Maschinenbau studiert. Ihre mit dem Studium verzahnte Ausbildung als Industriemechanikerin beim Autobauer Ford hat sie bereits abgeschlossen.

Und dann wird die zukünftige Ingenieurin zu ihrem Studienfach auch noch von einer Frau interviewt: von Dilara Bayrak, die an der Hochschule Technikjournalismus studiert. Und die, während sie die Kommilitonin filmend in der Bibliothek begleitet, genau die richtigen Fragen stellt: Mit was haben die Eltern die kleine Nurah spielen lassen, zum Beispiel? „Ich hatte mir ein Piratenschiff gewünscht und es auch bekommen“, erzählt die kommende Maschinenbauerin bereitwillig. Ihre Eltern hätten von früh an gewusst: Unsere Tochter interessiert sich für Technik. Warum auch nicht, fragt die junge Frau im Interview entwaffnend zurück. Ihr habe dann auch in der Schule der Leistungskurs Mathematik besonderen Spaß gemacht.

Das ist wahrlich nicht selbstverständlich. Mädchen und junge Frauen sind immer noch stark unterrepräsentiert in Berufen, die von Technik oder Informatik bestimmt sind, wie Professorin Susanne Keil vom Fachbereich Elektrotechnik, Maschinenbau und Technikjournalismus der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg erklärt. Als eine Ursache dafür hat sie die entsprechende Berichterstattung ausgemacht. Denn der Anteil an Leserinnen ausgewiesener Technikjournale bewege sich lediglich zwischen drei und neun Prozent. „Das bedeutet: Technikberichterstattung erreicht überwiegend Männer“, so Keil. Um dem weiterhin gegenzusteuern und eine andere Art der Berichterstattung zu fördern, hat sie 2015 den Forschungsblog „gender2technik“ aufgebaut und nun nach einem Relaunch wieder online gestellt. Er ist jetzt auch mit Forschungsergebnissen und technikjournalistischen Best-Practice-Beispielen ausgestattet – wie dem Interview mit der muslimischen Maschinenbaustudentin.

Was bedeute es etwa, dass weder die Google-Suche noch das Rechtschreibprogramm von Microsoft das Wort „Maschinenbauerin“ kenne und stattdessen frage: „Meintest du Maschinenbauer?“, sagt Keil. Und man müsse weiterfragen: „Welche Vorstellungen von Gesellschaft werden transportiert, wenn in der Elek-tronik von Master- und Slave-Netzschaltern gesprochen wird?“ Das vordringliche Ziel sei für ihren Forschungsbereich also, Mädchen und Frauen für Technik zu begeistern und sie so verstärkt für ingenieurwissenschaftliche Studiengänge zu gewinnen. „Das fängt damit an, dass wir sogenannte Role-Models vorstellen und zeigen, wie auch der Beruf der Ingenieurin mit einem erfüllten Familienleben verbunden werden kann“, so Keil. Der Blog verbreite also Bilder und Videos, die Frauen bei der Entwicklung und Nutzung von Technik zeigten, und reiche bis zur Analyse der Sprache.

Die junge Muslima Nurah Al-Haj Mustafa, die an der Hochschule Maschinenbau studiert und das in eine Ausbildung als Industriemechanikerin integriert hat, spricht im Interview mit der Technikjournalismus-Studentin Dilara Bayrak jedenfalls Klartext. Es sei bezeichnend, dass in ihrem Studium nur sieben Frauen, aber rund 70 Männer seien, sagt sie bedauernd. Doch wer so ehrgeizig sei wie sie, könne auch in der Technik jeden Abschluss schaffen. Ob sie denn noch nicht in der Praxis benachteiligt wurde, hakt Bayrak nach. „Ich habe noch keinen dummen Spruch gehört, obwohl ich auch noch eine Frau mit Kopftuch bin“, kontert Nurah selbstbewusst. Mädchen sollten keine Angst haben, eine vielleicht falsche Berufswahl zu treffen, nur wenn sie sich für Technik interessierten. „Auch als Frau bei Ford fand ich es überhaupt nicht schwierig, sondern inspirierend.“