Richard Wielebinski

Große Auszeichnung für Bonner Radioastronom

BONN. Der Bonner Radioastronom Richard Wielebinski blickt auf ein bewegtes Leben zurück, in dem er auf vielen Erdteilen unterwegs war. Am Dienstag erhält er die bedeutende Schwarzschild-Medaille in Göttingen.

„Machen Sie es nicht zu blumig“, sagt Richard Wielebinski zum Abschied. Zuvor hatte der 81-Jährige in seinem kleinen Büro im Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn (MPIfR) gesessen und keine Zweifel daran gelassen, dass man seinen Lebensweg zwar ausschmücken, aber keinesfalls blumig erzählen kann.

Einmal in der Woche kommt der Ausnahme-Wissenschaftler noch hierher – Kontakt halten, den Stand der aktuellen Forschung beobachten, arbeiten. Mittlerweile forscht er zur Geschichte der Astronomie. Heute wird er dafür allerdings keine Zeit haben: Wielebinski wird in Göttingen mit der höchsten Auszeichnung im Bereich Astronomie und Astrophysik geehrt, die man in Deutschland erhalten kann, der Karl-Schwarzschild-Medaille der Astronomischen Gesellschaft.

Wielebinski hat in seinem Leben viele sehr bedeutende Auszeichnungen erhalten. Dennoch freut er sich ungemein: „Anerkennung ist jedem Menschen wichtig. Dieser Preis ist der Beweis, dass ich mit meiner Arbeit nicht nur in meinem Feld, sondern bei allen Astro-nomen angekommen bin.“ Sein Feld, das ist die Welt der Magnetfelder und Pulsare.

Insbesondere mit seiner Arbeit zu galaktischen und intergalaktischen Magnetfeldern „leistete Professor Wielebinski hervorragende Beiträge, die wesentlich zu unserem Verständnis der physikalischen Eigenschaften verschiedenster Objekte und Strukturen im Universum beigetragen haben“, sagt der Präsident der Astronomischen Gesellschaft, Professor Matthias Steinmetz.

Bahnbrechende Forschungsergebnisse

Dabei musste Wielebinski zu Beginn seiner Karriere viel Überzeugungsarbeit leisten, dass seine Forschung wichtig dafür ist, die Theorie des Weltalls weiterzuentwickeln. „In den 60ern gab es weltweit nur drei Institute, die sich mit Magnetfeldern beschäftigt haben. Heute kommen zu Tagungen 500 Wissenschaftler.“ Doch seine Forschung hat gezeigt, dass es überall im Weltall Magnetfelder gibt – für die Resultate interessierten sich dann schnell auch die optischen Astronomen.

Doch bevor Wielebinski überhaupt Wissenschaftler werden konnte, sollte einiges passieren: 1936 in einem Ort bei Posen in Westpolen geboren, wurde er schnell von seiner Familie getrennt, „als die lieben Deutschen kamen“, wie er mit ironischem Unterton sagt. Die Kriegszeit verbrachte er bei Verwandten in Kiew, um dann 1945 in der britischen Zone in Münster als „Displaced Person“ wieder zu seiner Familie zu finden.

Ein ausgewanderter Onkel sorgte dann dafür, dass die Wielebinskis von Italien aus nach Australien einwandern konnten – und der 14-jährige Richard besuchte zum ersten Mal in seinem Leben eine Schule. Englisch lernte er schnell, nach dem Schulabschluss landete er während des Studiums in Hobart eher zufällig bei einem der weltweit ersten Radioastronomen – die Disziplin, bei der astronomische Objekte mittels der von ihnen ausgesandten Radiowellen untersucht werden, wurde erst 1932 begründet.

Eine Art Initialzündung für Wielebinski, der als junges Talent Anfang der 60er Jahre nach Cambridge ans Cavendish-Laboratorium kam, wo er unter dem späteren Nobelpreisträger Martin Ryle promovierte. Als Ingenieur hatte er zuvor die Frage zu lösen, wie Magnetfelder durch Messungen nachzuweisen sind. Es gelang ihm in kurzer Zeit. Seine Ingenieursfertigkeiten und das Wissen, wie man die entsprechenden Messinstrumente baut, sollten ihm gepaart mit Empfehlungsschreiben von Ryle viele Türen öffnen.

Mehr Macher als Theoretiker

Zunächst arbeitete er ab 1963 wieder in Australien an der University of Sydney, bevor er – auch wegen Kontakten zu Bonner Wissenschaftlern, die er in Sydney kennengelernt hatte – 1969 im Alter von nur 33 Jahren Direktor am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn wurde. Dort entstand gerade das Radioteleskop in Effelsberg, und Wielebinski baute mit „einer unglaublich guten und effizienten“ Forschungsgruppe die neue, hochsensible Technik auf, die intensive Messungen von Magnetfeldern und damit herausragende Ergebnisse möglich machte. Noch heute läuft Wielebinski, der mehr Macher als Theoretiker ist, mit dem Schraubenzieher durchs Institut.

Er pflegt Verbindungen in die ganze Welt, viele seiner Studenten sind heute angesehene Professoren. Einer von ihnen ist sogar Direktor am MPIfR, Professor Michael Kramer. Was Wielebinski, den es in Bonn wegen der „tollen Arbeitsbedingungen und Kollegen“ gehalten hat, besonders wichtig ist, sind die internationalen Kontakte, insbesondere nach China, durch die „wir viel gewonnen haben“. Und einen Blick in die Zukunft wagt er auch: „Die Magnetfelder im All könnten eine endlose Energiequelle für die Menschheit darstellen. Aber das ist eine ferne Idee.“