Neuer Studiengang "Global Health" in Bonn

Globales Problem, globale Lösung

Arbeiter versprühen chemische Stoffe in einem südkoreanischen Theater, um die Gefahr der Ausbreitung des MERS-Virus einzudämmen.

Arbeiter versprühen chemische Stoffe in einem südkoreanischen Theater, um die Gefahr der Ausbreitung des MERS-Virus einzudämmen.

Bonn. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe präsentiert den neuen Studiengang „Global Health“ der Uni Bonn. Gröhe ist davon überzeugt, dass von dessen Ansatz die gesamte Weltgemeinschaft profitiert.

Nur gemeinsames globales Handeln könne die gesundheitliche Versorgung der Menschen insgesamt verbessern, sagt Hermann Gröhe und blickt in die Gesichter der im Hörsaal des Biomedizinischen Zentrums versammelten Menschen. Der Saal ist rappelvoll, rund 150 Interessierte sind gekommen. Auch einige Studenten sowie Fernseharzt Eckart von Hirschhausen sind dabei. Am Thema der Veranstaltung – oder zumindest am Bundesgesundheitsminister – besteht offenbar großes Interesse.

Gröhe ist hier, um den neuen Master-Studiengang „Global Health“ vorzustellen. Dabei sollen Studenten auf den Umgang mit grenzüberschreitenden Gesundheitsgefahren, Epidemien etwa oder Antibiotika-Resistenzen, vorbereitet werden. Zum Wintersemester des kommenden Jahres soll der englischsprachige Studiengang starten, im ersten Jahr werden rund 20 internationale Studierende erwartet.

„Der Weckruf Ebola vor zwei Jahren hat gezeigt, wie wichtig internationale Partnerschaften im Bereich Gesundheit sind“, sagt Gröhe. Würden diese vernachlässigt, drohten dramatische Konsequenzen. Der neue Studiengang gehe somit genau den richtigen Weg. Denn er richtet sich vornehmlich an Studenten aus ärmeren Staaten. Die Studierenden sollen ihren Heimatländern nicht abgeworben werden, sondern vielmehr das nötige Wissen erlangen, um dort den Aufbau von effektiven Gesundheitssystemen voranzubringen.

Gröhe ist davon überzeugt, dass hiervon letztlich die gesamte Weltgemeinschaft profitiere. Denn schlechte hygienische oder gesundheitliche Zustände in vielen Ländern bedrohten nicht nur die regionale Gesundheit, sondern hätten globale Auswirkungen. Nicht zuletzt sei unzureichende medizinische Versorgung auch eine Fluchtursache.

Bonn mit seinen vielen internationalen Organisationen und Ministerien sei als Standort für den Studiengang „Global Health“ perfekt geeignet, da sind sich Gröhe wie auch Martin Exner, Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit am Bonner Uniklinikum, einig. Für Exner, der ebenfalls eine Rede anlässlich des neuen Studiengangs hält, ist die besonders international ausgerichtete Bonner Uniklinik gar einzigartig, die hier vorhandene Expertise zu nutzen schlichtweg naheliegend.

Zumal man in Bonn eben auch auf die Zusammenarbeit mit Organisationen wie der United Nations University, der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit oder der Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzen kann. Ebenso wie die Bundesministerien für Gesundheit und internationale Zusammenarbeit unterhalten diese Organisationen Büros in Bonn.

Potenzial für einen Studiengang mit viel Praxisbezug besteht also. Und Exner sieht auch einen Bedarf dafür. Denn trotz der enormen medizinischen Fortschritte der vergangenen beiden Jahrhunderte bleibe immer noch viel zu tun. „Die Thematik Global Health wird in den nächsten Jahren bestimmend für die ganze Welt werden“, glaubt der Mediziner. Dabei gehe es nicht nur um gesundheitliche Krisen in Entwicklungsländern.

Auch in den USA sei 2015 beispielsweise die Lebenserwartung erstmals in der Geschichte gesunken. Ursache sind wohl vor allem zunehmende Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Bundesgesundheitsminister Gröhe möchte das Thema globale Gesundheit zukünftig auch politisch in den Mittelpunkt rücken. So etwa beim kommenden G20-Gipfel in Hamburg, bei dem es auf deutsche Initiative hin zum ersten Mal eine eigene Gesundheitsministerkonferenz geben wird. Zwar gehe es bei den G20-Gipfeln traditionell eher um wirtschaftliche und sicherheitspolitische Fragen.

„Auch beim Thema Gesundheit ist es an der Zeit, die nationale Brille abzulegen“, meint jedoch Gröhe. Denn mit der internationalen Gesundheitspolitik sei es wie mit dem Klimawandel. „Die Folgen sehen wir erst, wenn es zu spät ist.“ Es gelte, rechtzeitig gegenzusteuern. Insbesondere, da die Folgen – anders als beim Klimawandel – nicht erst die nächste Generation treffen würden.

Deswegen hofft Gröhe, dass kein Staat die gemeinsamen gesundheitlichen Ziele vergesse. Gerade um das Weiße Haus müsse man sich diesbezüglich Sorgen machen. „Doch Krankheit macht nicht vor Grenzen halt“, mahnt der Minister. „Gute Gesundheitsvorsorge zu Hause ist nur möglich, wenn wir global mehr Verantwortung übernehmen.“