Professorin an der Alanus Hochschule

Gabriele Oberreuter geht in den Ruhestand

Die Alanus-Professorin Gabriele Oberreuter möchte ihre Studenten für die Kunstgeschichte begeistern.

Die Alanus-Professorin Gabriele Oberreuter möchte ihre Studenten für die Kunstgeschichte begeistern.

Alfter. Zwölf Jahre lehrte Gabriele Oberreuter an der Hochschule für Kunst in Alfter Kunstgeschichte. Jetzt geht die beliebte Professorin in den Ruhestand.

Wenn Gabriele Oberreuter von jungen Leuten umgeben ist, dann fühlt sie sich wohl. „Es ist für mich die größte Freude herauszufinden, wo die Kompetenzen der Studenten liegen, und sie zu animieren, ihren Weg weiter zu gehen“, sagt die Professorin für Kunstgeschichte. Und bei ihrem Job kann sie genau das tun. Seit gut zwölf Jahren lehrt sie an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft ihr Fach.

In ihren Vorlesungen und Seminaren sitzen aber nicht nur die Studenten, die sich hauptberuflich dafür interessieren, sondern potenziell alle, die sich in Alfter ausbilden lassen. Angehende Architekten, Wirtschaftswissenschaftler, Schauspieler, Maler, Bildhauer, Therapeuten und Pädagogen – jeder belegt gemäß dem Grundgedanken der Hochschule Kurse im fach- und jahrgangsübergreifenden Studium Generale, zu dem auch die Kunstgeschichte gehört.

„Bei all den Studienangeboten hier bilden wir den geisteswissenschaftlichen Knotenpunkt in der Mitte“, erklärt Oberreuter. Da sie selbst aus einer Lehrerfamilie stammt, ist ihr die Unterrichtssituation durchaus sympathisch. Sie bezeichnet die Kunstgeschichte als „große Schatztruhe“, die sie gerne für die Studenten öffnet, um sie für das Schöne zu begeistern. Das scheint zu funktionieren. Denn ihre Seminare besuchen die jungen Leute offenbar besonders gern – kein Wunder, rangiert sie doch auf der (natürlich völlig inoffiziellen) Beliebtheitsskala der Lehrenden ganz weit oben.

Obwohl sie das gar nicht so gerne hört und bescheiden abwinkt, lässt sich im Gespräch nachvollziehen, warum sie von vielen Studenten als offen, interessiert und herzlich beschrieben wird. „Ich lerne in meinen Seminaren auch unheimlich viel von den jungen Leuten“, sagt sie. „Sie sind sehr kreativ, offen fürs Tun und haben keine Scheu, etwas umzusetzen und sich vor einer Gruppe zu präsentieren.“ Manchmal sei sie sogar ein bisschen neidisch auf die heutigen Studenten. „Ich war mit 19 oder 20 Jahren noch nicht so mutig“, meint die erfahrene Professorin kurz vor ihrem Ruhestand.

„Auf meinen Streifzügen gebe ich mich einem Kunstrausch hin“

Bevor sie 2005 ihren ersten Lehrauftrag an der Alanus Hochschule und dort kurze Zeit später eine ordentliche Professur bekam, reihte sich für sie eine Vertretungsstelle an einer deutschen Universität an die andere. Fast hätte sie ihre Hochschulkarriere zugunsten des eigenen künstlerischen Schaffens – vor allem mit Steinen – ruhen lassen. Dann schickte sie eine Initiativbewerbung nach Alfter. „Kurze Zeit später bin ich hier angekommen“, erzählt die Wahl-Rheinbacherin.

Die 66-jährige Professorin liebt die Antike, spaziert stundenlang durch mittelalterliche Städte, bestaunt barocke Schlösser, romanische Kirchen und die Bestände zahlreicher Museen der Moderne. Sie lässt sich gerne von der dargebotenen Schönheit begeistern. „Auf meinen Streifzügen gebe ich mich regelrecht einem Kunstrausch hin“, erzählt sie. Ihr derzeitiges Überblicksseminar zu der Zeitspanne von 1750 bis etwa 1970/80 ist Oberreuters letztes an der Alanus Hochschule. Mit dem Ende des Semesters geht sie in den Ruhestand.

Zum Finale ihres Kurses möchte sie thematisch bei Joseph Beuys landen. Das passe sehr gut zu ihrem Werdegang und ihrem Weg durch die Kunstgeschichte, erzählt sie. Ihre Dissertation „Der Tod des Philosophen – Zum Sinngehalt eines Sterbebildtypus in der französischen Malerei des 18. Jahrhunderts“ (1982) beschäftigte sich mit der Epoche der Aufklärung. Und nachdem Oberreuter in ihrer Habilitation (1998 durch die Goethe-Universität Frankfurt) „Jacques-Louis David und Rom 1775-1785 – Krise und Durchbruch zum eigenen Stil“ analysiert hatte, bekam sie Lust, „auch in der Kunst in der heutigen Zeit anzukommen“.

Geblieben ist ihre Vorliebe für Künstler mit biografischen Brüchen, die auch offen mit ihren seelischen Verwundungen umgehen. Heute ziehen sie die Werke der Bildhauerin Louise Bourgeois und der Performance-Künstlerin Marina Abramovic immer wieder besonders an. Die der Serbin gewidmete Retrospektive in der Bundeskunsthalle hat sie natürlich schon besucht. Denn: „Ich glaube, wir brauchen die Kunst zur Linderung all unserer Wunden, die wir im Leben erfahren“, sagt Oberreuter.