Start-up Investor aus "Die Höhle der Löwen"

Frank Thelen kritisiert Informatikstudium in Bonn

Bonn. Der aus "Die Höhle der Löwen" bekannte Start-up-Investor Frank Thelen bewertet das Informatikstudium an der Universität Bonn als zu wenig praktisch. Heiko Röglin, Bonner Professor der Computerwissenschaften, widerspricht.

Bei einer Büchervorstellung in Bonn kritisierte Start-up-Investor Frank Thelen jüngst das Informatikstudium an der hiesigen Uni. „Die Uni Bonn ist zu theoretisch“, sagte der auch aus der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ bekannte Unternehmer bei seinem Auftritt. „Man sollte sich gut überlegen, ob man in Bonn ein Informatikstudium beginnt“, meinte er.

Die einzig wichtige Frage für einen Informatiker sei: „Kannst du einen Code schreiben?“ Als ein Bonner Informatikstudent im Publikum auf diese Frage hin nur halbherzig mit dem Kopf nickte, sagte Thelen: „Es tut mir leid, aber dann hast du eine Menge Zeit verschwendet.“ Im Beruf gehe es allein um die Praxis. „Aber hat man ohne Abschluss in Deutschland überhaupt eine Chance?“, fragte ein junger Zuhörer aus dem Publikum. Thelens Antwort: Wer unter Beweis stellen könne, dass er „coden“ kann, verdiene gut – mit und ohne Abschluss.

„Das Informatikstudium ist an der Uni Bonn nicht theoretischer als an anderen deutschen Universitäten“, stellt Heiko Röglin, Professor der Computerwissenschaften in Bonn, auf GA-Nachfrage klar. Ob das Studium generell zu theoretisch sei, hänge von den angestrebten beruflichen Zielen ab. In der IT-Branche gebe es derzeit sicherlich eine hohe Nachfrage nach Routinetätigkeiten im Bereich der Wartung und Entwicklung von Software. Hierfür sei ein akademischer Abschluss oft nicht notwendig. „Für die Entwicklung neuer und innovativer Technologien und den Entwurf komplexer Software-architekturen ist das Grundlagenwissen, das im Studium neben den praktischen Fähigkeiten vermittelt wird, jedoch unverzichtbar“, positioniert sich Röglin.

Thelen sieht das anders: Wer bei der exponentiellen Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz mitspielen wolle, der müsse „den Hintern hoch bekommen“ und die Technik verstehen lernen, die die Welt verändern werde. Statt eines Studiums empfahl Thelen dazu jedoch, sich noch am selben Abend hinzusetzen und mit dem Programmieren zu beginnen. Im Internet bekomme man alle Informationen, die man dazu brauche.

Röglin hat darauf eine klare Antwort: „Informatik“ und „Programmieren“ seien nicht das Gleiche. Nicht jeder Programmierer sei ein guter Informatiker, und viele Informatiker würden in ihrem Berufsalltag nur selten programmieren.

Informatiker finden Lösungen für komplexe Probleme. Sie entwerfen beispielsweise große Softwarearchitekturen, neue Verfahren zur Datenanalyse oder sichere IT-Systeme, so der Professor. „Ohne grundlegendes Fachwissen unterlaufen schnell Fehler, die später oft nur noch mit großem Aufwand korrigiert werden können“, erklärt der Bonner Professor. Wer also im Bereich der Künstlichen Intelligenz mitspielen wolle, brauche neben den notwendigen praktischen Fähigkeiten auch ein solides Verständnis für die mathematischen und algorithmischen Grundlagen. Außerdem helfe geschichtliches Wissen, um nicht bereits begangene Fehler zu wiederholen.

Wem die praktischen Erfahrungen an der Uni nicht ausreichen, hat außerdem die Möglichkeit, durch die enge Kooperation mit den beiden Fraunhofer-Instituten IAIS und FKIE früh mit echten Projekten im Bereich der Datenanalyse und der IT-Sicherheit in Kontakt zu kommen. Röglin glaubt, dass grundlegende Änderungen nicht notwendig seien und die Uni den Studenten die richtige Mischung von theoretischen und praktischen Kompetenzen vermittle.

Am 24. November ist der Bonner Hochschultag „Naturwissenschaften und Medizin“ am Campus Poppelsdorf, bei dem sich Schüler über ein Studium an der Uni Bonn informieren können. Neben einem allgemeinen Vortrag über das Informatikstudium am Vormittag wird es auch ein umfangreiches Nachmittagsprogramm geben, bei dem die Schwerpunkte der Bonner Informatik in Vorführungen und an Informationsständen vorgestellt werden.