Sicherheitsforschung an der Hochschule

Forscher arbeiten an berührungsloser Personenkontrolle

Sicherheitsforschung in der Praxis: Projektleiter Stephan Maurer testet die Schleuse. Sie soll flüchtige Substanzen erkennen, die von Sprengstoffen oder Drogen herrühren.

Sicherheitsforschung in der Praxis: Projektleiter Stephan Maurer testet die Schleuse. Sie soll flüchtige Substanzen erkennen, die von Sprengstoffen oder Drogen herrühren.

Sankt Augustin / Rheinbach. Wissenschaftler der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg tüfteln an einer Sicherheitsschleuse für Bahnhöfe. Die Besonderheit: Die Schleuse soll auf bestimmte chemische Substanzen in der Luft reagieren, die gefährlich sein könnten – ohne dass jeder Reisende einzeln hindurchgehen müsste.

Wer mit dem Flugzeug verreist, muss Zeit einplanen: Gepäck aufgeben, die Bordkarte abholen und dann auch noch durch die Sicherheitsschleuse. Der Aufwand ist groß, Taschen und Rucksäcke, sogar manche Schuhe werden durchleuchtet, und man selbst kommt nicht um die Schleuse oder den Körperscanner herum. Am Bahnhof sieht es anders aus: Ohne Kon-trollen kann jeder den Bahnsteig betreten – ob er ein gültiges Ticket besitzt oder nicht, spielt keine Rolle.

Doch sicher ist das Reisen mit dem Zug nicht unbedingt. Traurige Belege sind beispielsweise die Bombenanschläge von Madrid (2004) und London (2005). Zur Sicherheit alle Fahrgäste und deren Gepäck vor dem Gleis einzeln zu durchleuchten, wäre aber sehr aufwendig. „Bahnhöfe sind ein weitgehend ungesicherter Bereich“, sagt Stephan Maurer von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS). „Dieses und ähnliche Probleme hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung in seinem Aufruf »Forschung für die zivile Sicherheit 2012-2017« auf-genommen und an Forschung und Wissenschaft adressiert.“

In Zusammenarbeit mit der Universität der Bundeswehr in München erforschten Maurer und sein Kollege Professor Peter Kaul im deutsch-französischen Projekt Re(h)strain (Resilience of the Franco-German High Speed Train Network), wie eine Sicherheitsschleuse aussehen könnte, die am Bahnhof eingesetzt werden könnte. Die Besonderheit: Sie soll auf bestimmte chemische Substanzen in der Luft reagieren, die gefährlich sein könnten – ohne dass jeder Reisende einzeln hindurchgehen müsste. „Die größte Herausforderung und wichtigste Anforderung der Infrastrukturbetreiber ist die Kontrolle ohne größere Beeinflussung von Personenströmen. Dies leitet sich auch anschaulich aus der Personenzahl ab, die zu Stoßzeiten beispielsweise am Kölner Hauptbahnhof anzutreffen ist“, sagt Maurer.

Im Rahmen einer deutsch-französische Zusammenarbeit haben die Wissenschaftler der H-BRS versucht, am Beispiel des deutsch-französischen Hochgeschwindigkeitsnetzes von TGV- und ICE-Zügen ein Muster zur berührungslosen Personenkontrolle zu entwickeln – eine Sicherheitsschleuse. Wenn jemand da durchgeht, wird zwischen zwei Lüftern ein Luftvorhang erzeugt, der über eine dritte Einheit (den Sensor) geleitet wird und so die bei den Reisenden nachgewiesenen chemischen Substanzen ermittelt. „Eine Expertise des Instituts für Sicherheitsforschung der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg liegt in dem Nachweis von volatilen chemischen Komponenten in der Umgebungsluft“, so Maurer. „Daher wurde im Projekt vorgeschlagen, Personen berührungslos auf die Emission von eventuell vorhandenen explosivstoff-relevanten Kom-ponenten zu untersuchen.“ Welche das im Einzelnen sind, verrät Maurer nicht.

Auf der Hannover-Messe, der weltweit wichtigsten Industriemesse, war die H-BRS mit einem Stand vertreten, um aktuelle Projekte und Erkenntnisse aus dem Bereich der Sicherheitsforschung vorzustellen – so auch die Re(h)strain-Schleuse. „Der Versuchsaufbau konnte, auch aufgrund der kurzen Laufzeit des Projekts, realitätsnah bisher nur im Eingangsbereich der Mensa Rheinbach in seiner endgültigen Zusammenstellung getestet werden“, sagt Maurer.

Damit soll die Forschungsarbeit aber nicht enden: „Auf Basis der gewonnenen Ergebnisse wird im Moment ein EU-Antrag im Rahmen des Förderprogramms Horizont 2020 vorbereitet“, so Maurer. „Hier finden sich Mitglieder des deutsch-französischen Konsortiums mit weiteren europäischen Partnern zusammen, um die Arbeit in Re(h)strain fortzuführen und von technischer Seite einen Prototypen zu entwickeln.“