Auszeit zwischen Exoten

Eine "Botanische Mittagspause" in Bonn

Während der Botanischen Mittagspause folgen die Besucher dem Auszubildenden Frederic Bögli (rechts) ins Gewächshaus.

Während der Botanischen Mittagspause folgen die Besucher dem Auszubildenden Frederic Bögli (rechts) ins Gewächshaus.

BONN. Mitarbeiter der Botanischen Gärten der Universität Bonn zeigen Besuchern an jedem ersten Donnerstag im Monat bei der „Botanischen Mittagspause“ ihre Lieblingspflanzen. Ein Besuch.

Er ist immergrün und pflegeleicht, liebt steinige Böden. Und es gibt von ihm sehr viele; weltweit sind es rund 700 Arten. Der aus dem Griechischen stammende Gattungsname „Asplenium“ besagt, dass die Pflanze vor allem gegen Milzbeschwerden helfen soll. Und von dem auf Felsen und Mauern wachsenden braunstieligen „Asplenium trichomanes“ beispielsweise heißt es, er helfe gegen Husten und Verstopfung, bringe den Kreislauf in Schwung.

Obwohl der Streifenfarn auf den ersten Blick auch im Botanischen Garten am Poppelsdorfer Schloss keinen allzu spektakulären Eindruck macht, bietet solche Vielseitigkeit allein schon gute Gründe, mit Asplenium auch mal eine „Botanische Mittagspause“ zu verbringen. So heißt die Reihe, zu der die Botanischen Gärten der Universität Bonn regelmäßig während der warmen Monate einladen; jeweils an jedem ersten Donnerstag von 12.30 bis 13 Uhr. Gärtner zeigen dort interessierten Besuchern ihre Lieblingspflanzen.

Und bei Sonnenschein und 16 Grad sind das diesmal rund 30. Genug, um die Gruppe zu teilen, so dass Kustodin Dr. Cornelia Löhne eine Hälfte mit sich in einen anderen Teil des Gartens führt. Wer jedoch mehr über Streifenfarne wissen möchte, bleibt einfach bei Frederic Bögli und Michael Roth. Der eine, 19 Jahre alt, wird in diesem Sommer nach drei Jahren seine Ausbildung zum Gärtner abschließen. Der andere, 32, ist Junggärtner. Und beide sind mit dieser Mittagspause zum ersten Mal an der Reihe. Von Nervosität allerdings keine Spur, nicht die geringste. Was ja womöglich auch ihren bodenständigen Favoriten zuzuschreiben ist.

Wie also sorgt der Streifenfarn für sein Fortbestehen? Was sind das da an der Unterseite der Wedel für schwarze Punkte, die man mit Blattläusen verwechseln könnte, wären sie von der Natur nicht in so schöner Regelmäßigkeit angeordnet? Und worin besteht der Unterschied zwischen Sporen und Samen? Auf diese und weitere Fragen haben Bögli und Roth die passenden Antworten.

Mittagspause im Gewächshaus

Zweite Station der Mittagspause ist das Gewächshaus, das kurz daran erinnert, was im Rheinland unter Sommer zu verstehen ist. Aber der Nestfarn alias „Asplenium nidus“ – mit den bis zu 1,5 Meter langen Wedeln der größte seiner Gattung – mag es nun mal schwül-warm. Dasselbe gilt für den aus Australien und Neuseeland stammenden lebendgebärenden „Asplenium bulbiferum“. Auf seinen Wedeln bildet er aus sogenannten Bulben (das sind verdickte Triebteile, die als Speicherorgane für Wasser und Nährstoffe dienen) die Adventivpflänzchen aus („adventiv: wildwachsend, nachtreibend), die auf den Boden fallen und wachsen.

Mit diesem Exoten endet dann auch die Botanische Mittagspause. Während einige Besucher sich noch mit den Gärtnern über farnspezifische Details austauschen, wenden sich andere wieder ins Freie. So wie Agnes Völker, die schon vor fünf Jahren bei der ersten Mittagspause mit dabei war und wie sie sagt, „gern kommt, wenn's passt. Das ist immer wieder eine spannende Sache und ein guter Grund für einen Spaziergang zum Poppelsdorfer Schloss.“ Zu den regelmäßigen Besuchern gehört auch Antje Potratz, seit 15 Jahren selbst Mitglied im Freundeskreis Botanische Gärten. Sie mag an der Mittagspause vor allem „wie die netten jungen Leute das alles erklären, so wie heute“.

Für Michael Roth mit familiären Wurzeln in Wolgograd eine ganz natürliche Sache: „Schon meine Großmutter hat sich mit Heilpflanzen ausgekannt und zum Beispiel aus Brennnesseln eine wunderbare Suppe gekocht. Und auch ich konnte mir mit der Ausbildung eine wunderschöne Welt erschließen.“ Draußen in der Natur aktiv zu sein, ist auch das, was sein junger Kollege schon immer am meisten mochte. Früher im Garten zu Hause, bevor er bei einem Praktikum im Botanischen Garten in Bochum vollends auf den Geschmack kam.

Und die eigene Lieblingspflanze? Unter den vielen, die da in Frage kommen, ist die Auswahl alles andere als leicht: Frederic entscheidet sich schließlich für Akeleien aus der Familie der Hahnenfußgewächse, „eine schöne blau blühende Gartenpflanze.“ Michaels Favorit heißt „Alyssum montanum“. Am gelb blühenden Berg-Steinkraut beeindruckt ihn vor allem seine Zähigkeit. Und das erinnert schon wieder an den Farn des Tages.

Die nächste Botanische Mittagspause: Donnerstag, 6. Juni, Thema: „Moderne Pflanzenjäger – Pflanzen sammeln für den Botanischen Garten“. Anett Krämer und Michael Neumann stellen Pflanzen vor, die sie selbst auf Reisen gesammelt und für den Botanischen Garten mitgebracht haben. Botanische Gärten der Universität, Haupteingang, Remise am Poppelsdorfer Schloss, Meckenheimer Allee 169, ab 12.30 Uhr, Infos unter Tel. 02 28 / 73 55 23.