Gartenbau-Professor Georg Noga

Ein Leben für das Obst

Der Mann, der die Pflanzen versteht: Professor Georg Noga von der Universität Bonn.

Der Mann, der die Pflanzen versteht: Professor Georg Noga von der Universität Bonn.

BONN. Der Gartenbau-Professor der Universität Bonn, Georg Noga, wird bald emeritiert. Sein Fach ist mittlerweile sexy geworden, sagt er. Die Nachfolge scheint gesichert.

Äpfel mit Sonnenbrand, Kirschen mit Hagelschäden, Tomaten mit Stress: Die Themen, mit denen sich die landwirtschaftlichen Institute der Universitäten derzeit beschäftigen, sind so vielfältig wie nie. Botanik und Genetik, Insektenkunde und Materialwissenschaften, Chemie und Technik sind eng miteinander verknüpft, um die Lebensmittelversorgung einer immer größer werdenden Gesellschaft und die steigenden Anforderungen an die Qualität der Erzeugnisse zu gewährleisten.

„Gartenbau ist inzwischen hoch attraktiv geworden, um nicht zu sagen sexy“, bestätigt Professor Georg Noga lachend. „Früher habe ich Vorlesungen mit sechs Studenten in meinem Dienstzimmer gehalten, jetzt bin ich mitunter gezwungen, in den größten Hörsaal der Universität auszuweichen.“

Eine Entwicklung, an der Noga selbst nicht ganz unbeteiligt ist. Mehr als 40 Jahre lang hat er sein Fach sowohl im Rheinland als auch international gehegt und gepflegt, seit 1998 als geschäftsführender Direktor des Instituts für Gartenbauwissenschaft an der Universität Bonn. Ende September wird er emeritiert – und stellt jetzt sicher, dass sein Werk auch in Zukunft fortgesetzt wird.

„Vor einiger Zeit hat die Universität mit dem Gedanken gespielt, den Lehrstuhl nicht wieder zu besetzen“, sagt Noga. „Ich habe nach der Hiobsbotschaft alle internationalen Ämter niedergelegt, um die nötige Zeit für Überzeugungs-arbeit und Gespräche zu haben. Inzwischen befindet sich das Berufungsverfahren im fortgeschrittenen Stadium, so dass ich hoffentlich noch in diesem Jahr den Stab an meinen Nachfolger weitergeben kann.“

Dieser erbt nicht nur das Institut, sondern steigt auch in das von Noga initiierte Kompetenzzentrum Gartenbau (KoGa) am Campus Klein-Altendorf ein, in dem Wissenschaft, Versuchswesen und Beratung unter einem Dach zusammengeführt werden – ein in Europa einzigartiges Konstrukt. „In der Region gab es vormals drei obstbauliche Forschungsstationen: Köln-Auweiler, Ahrweiler und eben Klein-Altendorf“, erklärt Noga.

„Diese haben früher bisweilen ähnlich gelagerte Versuchsfragen parallel bearbeitet, was nicht wirklich effizient war. Und dann kam auch noch eine große Sparwelle, die viele agrarwissenschaftliche Einrichtungen in ihrer Existenz bedrohte. Als die Universität Bonn mir schließlich eine Professur anbot, habe ich diese mit der Einrichtung des KoGa verknüpft, das in der Gründungsphase zunächst durch einen Kooperationsvertrag zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz besiegelt wurde.“

Später folgten das Forschungszentrum Jülich und die Landwirtschaftskammer NRW mit ihrem Beitritt in das KoGa. Was sich ausgezahlt hat: „Jüngst haben uns Vertreter der regionalen Obstbauern bestätigt, dass KoGa die Bedürfnisse der Praxis befriedigt und mit den zielführenden Ergebnissen unserer Forschungs- und Beratungsarbeit auch die Umsätze der hiesigen gartenbaulichen Unternehmen signifikant steigen. Das ist letztlich das beste Lob, was wir bekommen können.“

Einer der Forschungsschwerpunkte in Klein-Altendorf liegt auf der Erforschung der natürlichen Schutz- und Abwehrmechanismen bei Obst und Gemüse. „Der Klimawandel hat uns vor massive Probleme gestellt“, erklärt Noga. „So gehörte meine Gruppe in den 90ern zu den ersten, die sich mit Sonnenschäden bei Äpfeln beschäftigt haben – das kannte man vorher nicht. Oder nehmen Sie Hagelschäden bei Kirschen und anderen Obstkulturen: Die waren im Rheinland bis 1996 kaum zu verzeichnen und tauchen inzwischen fast jedes Jahr auf. Also haben wir zum Beispiel Süßkirschen selektiert, die so schwach-wachsend sind, dass man sie im Gewächshaus anbauen kann.“

Was zu Anfang nicht so ganz von Erfolg gekrönt war. „Zunächst waren Fruchtbestand und Ernte recht gering, obwohl wir wie sonst üblich Bienen zur Bestäubung einsetzten. Irgendwann erklärte dann ein Insektenexperte aus unserer Fakultät, dass die Tiere UV-Strahlung benötigen, um sich zu orientieren, und die herkömmlichen Glasdächer und Folien ließen davon nicht genug durch.

Zum Glück war zu diesem Zeitpunkt schon das Forschungszentrum Jülich an uns herangetreten – dort hatte man Glas mit hoher UV-Transparenz entwickelt und fragte uns jetzt, ob wir etwas damit anfangen könnten.“

Noga lacht. „Es war perfekt! Die Bienen waren glücklich. Wir auch, weil die Pflanzen so mehr Vitamine und Farbpigmente ausbildeten. Dieses Glas hat die Gewächshäuser revolutioniert. Dafür erhielten wir 2006 den Umweltpreis Gartenbau.“

Weitere Fragen kommen hinzu: Wie kann man die Bestäuber schützen? Was kann man gegen Schädlinge unternehmen? Oder wie kann man biologischen und integrierten Gartenanbau unter einen Hut bringen? Und was hat es mit Stress bei Pflanzen auf sich?

„Ebenso wie Menschen sind Pflanzen unter Druck effektiver, zumindest bis zu einem gewissen Punkt“, erklärt Noga.

„Wenn man Tomaten zum Beispiel Wasser vorenthält, bilden sich durch den leichten Stress freie Radikale, die wiederum die Abwehrmechanismen anregen und unter anderem zur Bildung von mehr Vitaminen führen. Daraus ergeben sich ganz neue Ansätze bezüglich der Qualität von Früchten und Gemüse.“

Trotz derartiger Erfolgsmeldungen hat Rheinland-Pfalz allerdings nun beschlossen, den Mietvertrag von Gebäuden und Versuchsflächen im KoGa ab 2024 nicht zu verlängern. „Das sollte man nicht dramatisieren“, winkt Noga ab.

„Wir haben schon größere Herausforderungen gemeistert. Die Wertschätzung, die wir aus der Praxis erfahren, ist uns Ansporn und Verpflichtung zugleich. Und die Aufgaben, denen wir uns in Zukunft stellen müssen, werden schließlich auch immer größer.“ Sein Nachfolger wird also alle Hände voll zu tun haben.

Und Noga? Freut sich schon darauf, sich seinem in der Vergangenheit arg vernachlässigten eigenen Garten widmen zu können. Daneben will er sich in der Internationalen Gartenbauwissenschaftlichen Gesellschaft (ISHS) engagieren, in der er bereits von 2010 bis 2014 als Mitglied des Vorstandes wirkte.