Technik des Fraunhofer-Instituts

Diese Software soll Pützchens Markt sicherer machen

Noch zeigt die Live-Lagekarte nicht Pützchens Markt, sondern das Fraunhofer-Institut. Hardware-Entwickler Julian Quandt hält den mobilen Tracker mit integriertem Panikknopf in den Händen.

Noch zeigt die Live-Lagekarte nicht Pützchens Markt, sondern das Fraunhofer-Institut. Hardware-Entwickler Julian Quandt hält den mobilen Tracker mit integriertem Panikknopf in den Händen.

Bonn. Mehr Sicherheit auf Pützchens Markt: Das Fraunhofer-Institut FIT hat eine Technik entwickelt, die Rettungskräfte auf einer Lagekarte sichtbar macht. Außerdem gibt es einen Panik-Knopf.

Bunte Fahrgeschäfte, treibende Musik und über eine Million Besucher. Am 6. September startet der diesjährige Pützchens Markt, eines der größten Volksfeste im Rheinland. Bei all dem Rummel den Überblick zu behalten, ist aber nicht leicht. Eine neue Technik des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik (FIT) soll dies aber möglich machen.

Das Forscherteam um Leiter Markus Eisenhauer entwickelte dafür ein spezielles Tracking-System, das in einer Art Feldversuch schon im Mai bei „Rhein in Flammen“ getestet wurde. Dabei werden die Positionen der beteiligten Feuerwehr-, Rettungs- und Ordnungskräfte auf einer digitalen Lagekarte in Echtzeit sichtbar gemacht. „Unser System macht Großevents wie Pützchens Markt sicherer“, sagt Julian Quandt. Er hat die gesamte Hardware für das System entwickelt. Die Software schrieb sein Kollege Philip Schell.

Auch die Stadt Bonn sieht einen deutlichen Vorteil in der Nutzung der Tracker-Systeme: Mithilfe der Technik sei es möglich, Sicherheitskräfte „schneller zu Verletzten oder Streitfällen zu lenken“, so Pressesprecher Markus Schmitz. Außerdem dienen sie auch dem Schutz der Sicherheitskräfte selbst, „da sie schneller und unkomplizierter Unterstützung erhalten können“.

Bisherige Systeme sind umständlich und weniger effizient

Bisher existieren insgesamt 45 Tracker, die am Wochenende an die beteiligten Einsatzkräfte verteilt werden. Alle fünf Sekunden wird dann der Standort der Träger per GPS an die digitale Lagekarte übertragen. Im Tracker ist auch ein sogenannter Panik-Knopf integriert. Bei einem Notfall kann er gedrückt werden, und ein Signal erscheint auf der Karte. So können die Sicherheitskräfte schneller handeln. Es gibt bereits vergleichbare Systeme, die aber meist über Apps und Mobilfunknetz laufen. Das Herunterladen der Apps sei für Nutzer aber recht lästig und die Übertragung sei bei diesen Systemen auch weniger effizient.

„Das Mobilfunknetz ist bei Großevents oft überlastet. Deshalb arbeiten wir unabhängig davon“, so Quandt. Zur Datenübertragung nutzt das System das Funkprotokoll LoRa (Long Range). Dadurch ist die Verbindung sehr viel stabiler, und die Übertragung verläuft schneller. Durch die Empfänger Gateway 1 und 2 wird das Signal in die Netzwerksprache umgewandelt. „Ein Server erstellt daraus dann die digitale Lagekarte, welche über eine verschlüsselte Website für die Beteiligten abrufbar ist“, erklärt Software-Entwickler Philip Schell. Zum Schutz der Nutzer werden keine Daten gespeichert.

Auf Pützchens Markt wird die Marktschule eine Kommandozentrale darstellen, wo die Lagekarte auf einem großen Bildschirm sichtbar ist. Ein Gateway-Empfänger wird auf dem Dach der Marktschule angebracht. Der andere wird sich in einem Auto befinden. „Zum ersten Mal wollen wir so eine mobile Version testen“, sagt Schell. Er ist selbst ehrenamtlich beim Technischen Hilfswerk tätig und sieht dort regelmäßig, dass der Bedarf nach solchen Systemen da ist.