100 Bienenvölker

Dete Papendiec ist der Herr der Bienen an der Uni Bonn

Für Dete Papendieck, den Imkermeister der Uni Bonn, haben die Honig
bienen auch in zwei Jahrzehnten Arbeit mit ihnen nichts von ihrer Faszination verloren.

Für Dete Papendieck, den Imkermeister der Uni Bonn, haben die Honig
bienen auch in zwei Jahrzehnten Arbeit mit ihnen nichts von ihrer Faszination verloren.

Bonn. Rund 11.000 Beschäftigte zählen die Universität und das Uniklinikum zusammen. Einer von ihnen ist der Imkermeister Dete Papendieck, der sich im Melbtal um die 100 uni-eigenen Bienenvölker kümmert.

Geht es nach Köpfen, so ist Dete Papendieck fraglos der größte Arbeitgeber in Bonn. Rund 40 Millionen Mitarbeiterinnen schwärmen derzeit für den 50-Jährigen durch Melbtal und Kottenforst und andere Naturräume der Gegend. „Aber so sollte man das natürlich nicht sehen“, findet der gelernte Imkermeister augenzwinkernd und schiebt sich die Wuschelhaare aus der Stirn. Jedes Bienenvolk sei an sich ein Superorganismus – und ein sehr praktischer noch dazu.

Um zu zeigen, was er damit meint, simuliert Papendieck im blühenden Garten der landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn ein Stück östlich des Melbbades mit ein paar Drücken auf sein Rauchgerät einen kleinen Waldbrand – und das direkt vor dem Einflugloch eines jungen Bienenvolkes. „Die Arbeiterinnen beginnen dann zu fressen, weil sie eine Evakuierung fürchten“, erklärt er.

Satt und zufrieden lassen die Insekten sich anschließend ohne Gegenwehr auf ihren Wabenrahmen aus dem hölzernen Bienenkorb ziehen. Einen Schleier braucht man nicht. Mittendrin und mit einem roten Punkt markiert, sitzt die blutjunge Königin. Die hat erst einen Tag zuvor die ersten Eier abgelegt. 150 000 weitere werden bis zu ihrem „Dienstende“ im Herbst folgen: Ein neuer Bienenstaat entsteht.

Ohne den Menschen können die Bienen nicht mehr existieren

Für Dete Papendieck haben die Honigbienen auch in zwei Jahrzehnten Arbeit mit ihnen nichts von ihrer Faszination verloren. Die Schwarminsekten können ohne den Menschen auf Dauer nicht existieren. Er gibt ihnen ein Dach über dem Kopf und schützt sie heute unter anderem mit Ameisen- und Oxalsäure – das ist nach biologischen Anbaumethoden zulässig – vor den invasiven Varroamilben.

„Trotzdem sind es immer noch Wildtiere – und nach ein paar Generationen in freier Wildbahn nimmt auch die Sanftmut ab und die Stechneigung wieder zu“, erklärt der Imker.

Zu seiner Berufung fand der gebürtige Essener – ein echtes Stadtkind – erst nach dem Zivildienst und einer einjährigen Radtour. Ohne festen Plan zog er zu Freunden aufs Land in Niedersachsen, baute Dachstühle aus, machte Kleinkunst und plante neue Reisen. Dann beschloss er, ein paar Bienenvölker zu halten, und rutschte recht schnell in eine Ausbildung beim bundesweit führenden Institut für Bienenkunde in Celle.

Noch bevor er den Gesellenbrief in der Tasche hatte, erreichte ihn 1995 ein Hilferuf aus Bonn, wo die Bienenvölker der Agrarwissenschaftler damals von einer studentischen Hilfskraft nicht zum Besten betreut wurden.

Statt der geplanten Weltreise gab's einen Imker-Meisterkurs

„Bonn kannte ich doch nur aus der Tagesschau“, sagt Papendieck und verzieht den Mund. Aber im Melbtal, wo die Imkerei in einem schönen alten Haus ohne Nachbarn an einem sonnigen Hang mitten im Wald liegt – da war es um ihn geschehen. Selbst die Weltreisepläne legte der Imker ad acta und begann stattdessen in Mayen mit dem Meisterkurs.

Die Vorzüge des akademischen Betriebs weiß Dete Papendieck heute sehr zu schätzen. Im Unterschied zu seinen Berufskollegen arbeitet er nicht mit bis zu 1000 Völkern, Lkw, Gabelstapler und einer automatischen Schleuderstraße und ist auch nicht auf Honigernte, Königinnenzucht oder Vermarktung spezialisiert.

Jetzt im Sommer wieder gemeinsam mit einem Auszubildenden kümmert er sich um alles zusammen und übernimmt außerdem die praktische Unterweisung der Studenten bei ihren Praktika und Forschungsarbeiten.

An manchen Tagen ist das eine ganze Menge Arbeit. Etwa im Mai, als die heuer besonders üppige Frühjahrstracht in sehr kurzer Zeit geerntet und verarbeitet werden musste, bevor die Bienen zu den Lindenblüten ausschwärmten und das nächste Gewitter aufzog.

Die Nachfrage nach Führungen ist groß, aber die Zeit fehlt

Gleichzeitig standen die Zucht der Königinnen und die Teilung der Völker an. Vieles muss dann in festen Abständen erledigt werden. An solchen Tagen ist der Imkermeister der Uni froh, dass er gleich nebenan wohnen darf und auch über den Acht-Stunden-Tag hinaus bienenfleißig erledigen kann, was getan werden muss.

Gerne würde Papendieck auch Schulklassen oder die Öffentlichkeit mit Führungen über seine Arbeit aufklären, sie mit in den Garten nehmen und ihnen die Angst vor den Tieren nehmen. Die Nachfrage ist riesig, aber die Zeit fehlt.

Mit dem Trend zur „Stadtbienenhaltung“ haben die Imkervereine seit einigen Jahren wieder viel Zulauf zu ihren Kursen, auch wenn nur ein Bruchteil der Teilnehmer auf Dauer bei der Stange bleibt. Anders als die Berufsimker mit vielen Völkern sind Private meist auf das Blütenangebot an ihrem Standort angewiesen. Und da machen ihnen vielerorts Monokulturen (etwa von Energiemais) und Pestizide das Leben schwer.

Im Melbtal dagegen finden die emsigen Nektar- und Pollensammlerinnen bis in den Herbst hinein einen reich gedeckten Tisch, bis die letzten Generationen des Jahres dann keine neue Brut mehr versorgen müssen und für ein halbes Jahr überwintern. In den kalten Monaten hat Papendieck vielleicht nur noch 500.000 Beschäftigte, um die er sich kümmern muss. Aber auch dann wird es dem Imker der Uni nie langweilig.

Wer probieren möchte: Honigverkauf ist jeweils mittwochs von 15 bis 16.30 Uhr am Melbweg 11, 53127 Bonn. E-Mail: imkerei@uni-bonn.de