Hochschulen in der Region Das kostet ein Studium in Bonn und der Region

Studenten sitzen in einem Hörsaal.

Bonn. Sechs Semester bis zum Bachelorabschluss: Genug Zeit, um den Geldbeutel zu belasten. Was kostet ein Studium an einer der staatlichen oder privaten Hochschulen in Bonn und der Region? Ein Überblick über die finanziellen Unterschiede.

Man lernt nicht für die Schule, sondern fürs Leben. Wer kennt diesen Spruch nicht? Und nach dem Abi folgt in vielen Fällen ein Hochschulstudium. Neben dem häufig immensen Lerndruck denken viele Nicht-Studierende auch gleich an eine hohe Belastung der Geldbörse. Dass man an privaten Hochschulen teuer studiert, ist allgemein bekannt. Doch stimmt das Vorurteil, dass ein Regelstudium an einer staatlichen Hochschule ebenfalls viel kostet?

In Bonn und der Region gibt es mehrere Möglichkeiten, seinen Bachelor und Master zu machen. Vor wenigen Wochen haben mehr als 1000 Absolventen der Bonner Universität ihren Abschluss gefeiert - und das ohne extreme Ausbildungskosten. An staatlichen Hochschulen wird lediglich der Sozialbeitrag verlangt, der je nach Standort unterschiedlich ausfällt.

Gebühren plus Ausgaben für Lehrmaterial

In Bonn sind es unter anderem zehn Euro für die studentische Selbstverwaltung, 50 Cent für studentische Sozialeinrichtungen, rund 176 Euro für das Semesterticket inklusive NRW-Ticket, weniger als ein Euro für den Studierendensport und 1,75 Euro als Zuweisung für Fachschaften. Außerdem bekommt das Studierendenwerk noch 97 Euro. So ergibt sich eine Summe von 286,81 Euro pro Semester.

Ein Vollzeit-Bachelorstudent, der im Regelfall sechs Semester - also drei Jahre - studiert, zahlt der Bonner Uni für seinen ersten akademischen Abschluss also etwa 1720 Euro - das sind rund 570 Euro pro Jahr. Hinzu kommen in der Regel noch Ausgaben für Lehrmaterial. Angefangen von Büchern über Stifte bis hin zum Laptop.

Aufwendungen von der Steuer absetzen

Doch wer sich ein wenig über Steuererklärungen informiert, findet heraus, dass auch Studenten einige ihrer Aufwendungen absetzen können. Und selbst diese Kosten fallen nicht bei jedem Studium an. So gibt es einige Studiengänge, in denen die relevanten Bücher in hinreichender Anzahl in der Universitätsbibliothek vorhanden sind. Oder die Dozenten stellen ihr Lehrmaterial online zur Verfügung. Also: Kosten gespart.

Für Studierende, die eine eher praxisorientierte Fachhochschule der Universität vorziehen, bietet sich zum Beispiel die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg mit Standorten in Sankt Augustin, Hennef und Rheinbach an. Dort beträgt der Semesterbeitrag - nur eine andere Bezeichnung für den Sozialbeitrag - im kommenden Wintersemester 283,40 Euro.

Rhein-Ahr-Campus ist am günstigsten

Bei Einhaltung der allgemeinen Regelstudienzeit von sechs Semestern macht das 1700 Euro für den Bachelor. Dabei sind die Abgaben für das Ticket und das Studierendenwerk gleich hoch wie an der Uni Bonn. Nur der weitere Posten für die Studentenschaft fällt mit 10,30 Euro geringer aus.

Auch interessant ist der Rhein-Ahr-Campus der Hochschule Koblenz in Remagen: Dort beträgt der Semesterbeitrag sogar nur 235,76 Euro. Da Erstsemester einmalig 15 Euro für die Ausstellung des Studienausweises zahlen müssen, belaufen sich die Kosten für sechs Semester auf rund 1430 Euro. Damit ist dieses Studienangebot in Bonn und der Region das günstigste - wenn man alle sonstigen Kosten nicht betrachtet.

Von 0 bis mehr als 16.000 Euro

Ganz anders sieht es an privaten Hochschulen aus. Da gibt es beispielsweise die Internationale Hochschule Bad Honnef (IUBH) oder die Alanus-Hochschule in Alfter. Der günstigste Studiengang an der staatlich anerkannten Hochschule für Kunst und Gesellschaft ist der BWL-Studiengang "Wirtschaft neu denken" mit Praxispartnern. Die Studierenden sammeln bis zu ihrem Abschluss 60 Wochen Berufserfahrung bei einem von rund 30 Praxispartnern - darunter Alnatura, Weleda oder dm-Markt. Da die Kooperationsunternehmen die Studiengebühren komplett übernehmen, ist dieser Studiengang kostenfrei.

"Gleichzeitig ist der BWL-Studiengang ohne Praxispartner der teuerste", erklärt ein Sprecher der Alanus-Hochschule. Rechnet man die 461 Euro Studiengebühren pro Monat hoch auf die Regelstudienzeit von sechs Semestern, kommt man auf eine Summe von 16.596 Euro. Die Studiengebühren machen etwa ein Drittel des Hochschulhaushaltes in Alfter aus. Denn obwohl alle Studiengänge staatlich anerkannt sind, wird die Alanus-Hochschule nicht mit staatlichen Mitteln gefördert.

Ein 41.000-Euro-Bachelor

An der IUBH in Bad Honnef sind Internationales Hotel-management und Internationales Tourismusmanagement die beiden teuersten Bachelorstudiengänge. Insgesamt mehr als 41.000 Euro - davon allein 5390 Euro Studiengebühren pro Halbjahr - kosten die sieben Semester, von denen die meisten Studierenden drei im Ausland verbringen und so einen Doppelabschluss machen.

 

Tim Kaltenborn, Leiter der Studienberatung an der IUBH, erklärt auf Anfrage, dass es aber vielleicht noch teurer kommen kann. Denn nicht alle Kooperationshochschulen böten beim Auslandsaufenthalt einen "Eins-zu-Eins-Austausch" an, und deshalb könnten die Kosten steigen. Er nennt ein Beispiel: "Das International College of Management in Sydney mit Blick auf die Bucht ist schon reizvoll, muss aber auch extra bezahlt werden."

Entscheidend sind die Lebenshaltungskosten

Günstiger kommt es, wenn man Internationales Management studiert. Dann zahlt man für sechs Semester, davon nur eines im Ausland, rund 35.500 Euro. Doch wer möchte, kann hierbei ein Semester länger ins Ausland gehen - und somit die Studienkosten erhöhen. Diese Entscheidung ist aber jedem Studierenden selbst überlassen.

Fest steht also: An staatlichen Hochschulen ist das Studieren deutlich günstiger als an privaten. Doch trotz der dort gering ausfallenden Semesterbeiträge sollte man die Lebenshaltungskosten bei einer Kostenrechnung für die Studienzeit nicht außer Acht lassen. Je nach Studienort können diese sehr weit auseinander liegen.

Unterschiedliche Mietpreise

Laut Mietspiegel 2016 kostet die durchschnittliche Kaltmiete in der Bundesstadt rund 350 Euro im Monat. Damit ist Bonn auf Platz 14 im Bundesvergleich. Wer also nicht mehr im Elternhaus wohnt, für den kommen diese Ausgaben noch hinzu. Genauso wie monatlich etwa 150 Euro für Lebensmittel, 50 Euro für Kleidung und außerdem variable Kosten für Strom, Internet, den Sportverein und sonstige Freizeitaktivitäten.

Diese Ausgaben kann jeder Studierende jedoch selber beeinflussen. Sei es durch die Wahl des Studienortes, die Größe der Wohnung oder den eigenen luxuriösen beziehungsweise spartanischen Lebensstil. Zu den Fixkosten einer akademischen Ausbildung zählen sie aber nicht.

Zur Startseite