Wissenschaftliche Tipps für den Alltag

Bonner Uni räumt mit Mythen im Haushalt auf

BONN. Verbraucher sind verunsichert, im Internet lauern Halbwahrheiten: Eine Studie der Universität Bonn gibt wissenschaftlich fundierte Tipps für den Haushalt, mit denen man viel Geld sparen kann.

Sie gehört zu den großen Mythen in der Küche: die Fünf-Sekunden-Regel. Sie besagt: Etwas, das länger als fünf Sekunden auf dem Boden gelegen hat, darf nicht mehr gegessen werden. Doch wie so oft im Leben, ist es so einfach nicht, Differenzierung tut Not. „Wenn es nicht gerade ein alter dreckiger Teppich ist, sondern ein glatter, sauberer Boden, kommt es bei trockenen Lebensmitteln nicht auf die Sekunde an“, sagt Dr. Jasmin Geppert von der Sektion Haushaltstechnik am Institut für Landtechnik der Universität Bonn.

Einem Keks schadet es also nicht mehr oder weniger, ob er nun fünf oder zehn Sekunden auf dem Boden gelegen hat – er bleibt in der Regel essbar. Anders sieht das bei Lebensmitteln aus, die viel Wasser enthalten, also nass sind. Denn solche Lebensmittel sind viel schneller mit Keimen kontaminiert. „Bei einer Melone ist auch eine Sekunde schon zu viel“, sagt Geppert. Die Fünf-Sekunden-Regel ist also eher Mythos als sinnvolle Methode, um zu entscheiden, ob ein Lebensmittel noch zum Verzehr geeignet ist oder nicht.

Gemeinsam mit Professor Rainer Stamminger und weiteren Mitarbeitern seines Lehrstuhls sowie der Verbraucherzentrale NRW und dem Netzwerk Haushalt hat Geppert über die vergangenen zweieinhalb Jahre ein von der Bundesstiftung Umwelt mit 100.000 Euro gefördertes Projekt durchgeführt: „Küche mit Köpfchen“. Das Ziel: Die Öffentlichkeit wissenschaftlich fundiert über das bestmögliche Verhalten in der Küche und den idealen Umgang mit Lebensmitteln zu informieren.

Halbwissen, wohin man schaut

„Wir haben festgestellt, dass es eine große Unsicherheit seitens der Verbraucher gibt“, sagt Geppert. In Internetforen suchen viele Menschen Hilfe zu Fragen rund um die Küche, vor allem zu viel zitierten Mythen wie etwa der Fünf-Sekunden-Regel – verlässliche Antworten sind allerdings rar gesät. Das liegt auch an dem Phänomen, dass viele ihre eigene Perspektive auf Probleme oder Fragen wiedergeben, ohne dass dies auf gesicherten Fakten beruht – Halbwissen, wohin man schaut. So zeigt sich, dass nicht nur die großen Fragen der Politik im Internet kontrovers und mit vielen Halbwahrheiten behandelt werden, sondern dass sich dieses Phänomen auch in Subthemen fortsetzt.

 

Mit der Studie wollen Geppert und ihre Kollegen gegensteuern und „den Verbrauchern auf breiter Front wissenschaftlich fundierte Tipps geben, die alle Themenfelder abdecken. Denn die Flut von verschiedenen Informationen kann schnell verunsichern.“ Es ist jedoch nicht so, dass Geppert und Co. bei Null angefangen haben. In der ersten Projektphase ging es vor allem um das Zusammentragen und Ordnen von bereits vorhandenem Wissen. „Wir wussten etwa schon aus früheren Forschungsergebnissen, dass Kühlschränke in Deutschland zu warm eingestellt sind und Salat nur unzureichend gewaschen wird“, sagt Geppert.

„Wenn Sie nach der richtigen Kühlschranktemperatur im Internet suchen, bekommen Sie eine Spanne von mehreren Grad als Antwort. Wir wollten wissen, was tatsächlich richtig ist und das auch begründet an die Öffentlichkeit tragen, um so auch die Akzeptanz unserer Forschung zu erhöhen.“ Daher habe sich das Team auch daran orientiert, was seitens der Verbraucher häufig nachgefragt werde, sagt Geppert. Dafür seien sowohl das Internet als auch frühere Verbraucherstudien nützlich gewesen.

Am Herd kann viel Energie gespart werden

Doch es geht natürlich nicht nur um Kekse oder die richtige Kühlschranktemperatur. Die Themenblöcke heißen Lagerung, Zubereitung, Hygiene und Lebensmittelverschwendung. Dazu kommen Aspekte wie Energieeffizienz, Vitamin- und Nährstofferhaltung und Kosteneffizienz. „Wir haben das Rad nicht neu erfunden“, sagt Geppert. Doch Untersuchungen etwa zum Thema Backofenvorheizen sind bisher noch nicht wissenschaftlich dokumentiert worden.

„Hier haben wir herausgefunden, dass Vorheizen nur in sehr wenigen Fällen Sinn ergibt, etwa bei Flammkuchen, die sehr dünn sind und schnell cross werden sollen.“ In der Regel können man auf das Vorheizen aber verzichten und den Backofen auch ein paar Minuten früher ausmachen, um die Restwärme zu nutzen. „So kann man bis zu 20 Prozent Energie sparen“, sagt Geppert. Und damit am Ende auch Geld.

Die Ergebnisse sind auf einer Internetseite aufbereitet und frei zugänglich. Recht sachlich in Ton und Darstellung, gibt es dort eine Vielzahl an Tipps, die in jedem Haushalt leicht umzusetzen sind. Weitere Infos auch unter www.mitkoepfchen.uni-bonn.de.