Abwürfe über Hiroshima und Nagasaki

Bonner Studenten zeigen Ausstellung zu Atomangriffen

Dr. Naoko Tamura (rechts), ihre Dozenten-Kollegen und Studenten haben die Plakat-Ausstellung konzipiert.

Dr. Naoko Tamura (rechts), ihre Dozenten-Kollegen und Studenten haben die Plakat-Ausstellung konzipiert.

Bonn. Bonner Studenten übertragen Zeitzeugenberichte aus Hiroshima und Nagasaki und gestalten eine Plakatausstellung. Sie ist noch bis Ende März im Uni-Hauptgebäude zu sehen.

Es ist eine Zeichnung zum Atemanhalten. Angefertigt von einem Überlebenden. Eine Mutter trägt ihr Kind auf dem Rücken. In einem umgebundenen Tuch. Das Kleine lebt nicht mehr, es ist ein Todesopfer der Atombombe. Die Frau sucht nach einem Platz, an dem sie das Liebste, was sie hat, kremieren kann. In der Hand trägt sie eine Art Stahlhelm, vielleicht, um darin später die Asche ihres Kindes aufzubewahren. Laut Dokumentation des Bildes hat der Augenzeuge Kazuo Matsumuro die Situation einen Tag nach dem Abwurf der Bombe auf Hiroshima am 6. August 1945 beobachtet. Die Entfernung zum Ground Zero betrug gerade mal 800 Meter. Die Zeichnung angefertigt hat der Überlebende erst sehr viel später, 29 Jahre nach der Katastrophe.

Die eindrucksvolle Darstellung des Schreckens gehört zu der Plakatausstellung, die derzeit im Uni-Hauptgebäude, genauer an den Wänden des Flures zwischen dem „Café unique“ und dem Kaiserplatzflügel, zu sehen ist. Sie besteht aus Schenkungen der Nationalen Friedensgedächtnishallen in Hiroshima und Nagasaki (blauer Hintergrund) und von Bonner Studenten erarbeiteten Informtations-Postern (weiß).

Blick auf koreanische Atombombenopfer

Seit dem Sommersemester 2014 übersetzen Master-Studenten des Instituts für Orient- und Asienwissenschaften im Auftrag der beiden Friedensgedächtnishallen Zeitzeugenberichte von Atombombenopfern, die sie auf Videoaufnahmen sehen, vom Japanische ins Deutsche. Zusammen mit ihrer Dozentin, Dr. Naoko Tamura, erarbeiten sie jedes Jahr eine neue Ausstellung mit anderen Schwerpunkten. Diesmal richtet sich ihr Blick zum ersten Mal auch auf die koreanischen Atombombenopfer. „Von ihnen gab es viele, denn Korea befand sich damals unter der Herrschaft Japans, und zahlreiche Koreaner lebten zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in Japan“, erklärt Tamura. Wie viele koreanische Opfer es gab, kann bis heute nicht nachvollzogen werden. Denn oft waren sie bis zur Unkenntlichkeit verbrannt und hatten keine Verwandten in der Nähe, die sie als vermisst melden konnten.

Seit dem Wintersemester 2017/18 übersetzen Studenten des Schwerpunkts „Arabische Sprache und Translation“ die neu entstandenen deutschen Texte weiter ins Arabische. Auch so will die Organisation „Dolmetscherverbund zur weltweiten Verbreitung der Zeugnisse von Atombombenopfern“ (NET-GATS) zur Information über die Bombenabwürfe und deren Folgen beitragen. Laut Tamura ist die Bonner Uni prädestiniert dafür. „Wir haben hier Fachleute für diverse asiatische sowie orientalische Sprachen unter einem Dach, das macht es einfacher.“

Betroffene finden Gehör

Die Überlebenden der Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki heißen in Japan „Hibakusha“ (Explosionsopfer). Viele leiden an körperlichen und seelischen Spätfolgen. Zugleich werden sie (und selbst noch ihre Kinder) mitunter diskriminiert. Der Grund: Viele Japaner denken, die Strahlenkrankheit sei erblich. Erst seit 1957 steht den Bombenopfern laut Tamura unentgeltliche medizinische Betreuung in Japan zu. Das gelte zwar mittlerweile auch für die koreanischen Opfer, die inzwischen wieder in ihrem Heimatland lebten. Jedoch mussten sie die teure Anreise zu den japanischen Krankenhäusern lange Zeit selbst bezahlen, so Tamura. „Also blieben viele von ihnen jahrelang ohne Hilfe. Weil sie ihre Stimmen erhoben haben, bekommen sie heute auch Unterstützung. Das Ziel unseres Projektes ist es, den Betroffenen in vielen Sprachen Gehör zu verschaffen.“

Rund 250 (noch unveröffentlichte) Sätze haben Studenten in diesem Semester vom Deutschen ins Arabische übersetzt. Manchmal, wenn ihnen der deutsche Text etwas unklar erschien, griffen sie aufs japanische Original zurück. In den Fällen kam Dr. Tamura den Übersetzern zur Hilfe, wies auf die eine oder andere Besonderheit der japanischen Sprache hin. Wie zum Beispiel auf die verschiedenen Höflichkeitsformen in ihrer Muttersprache, die im Deutschen verloren gegangen waren. Was die jungen Leute bei ihrer Arbeit am meisten beeindruckt hat, bringt eine der Studentinnen, Nora Mohamad, auf den Punkt: „Ich bewundere den Überlebenswillen der Opfer – trotz der Traumata.

Die Ausstellung (nahe des Uni-Museums, Hauptgebäude) ist noch bis 31. März zu sehen. Übersetzungen der Studenten: https://www.global-peace.go.jp/OTHER/ot_index.php