Verhandelt wie die Profis

Bonner Nachwuchs-Juristen werden zweite bei Anwalts-Wettbewerb

Finale: Benedikt Bungarten und Monika Wildfeuer vom Bonner Team in der simulierten, entscheidenden Verhandlung.

Finale: Benedikt Bungarten und Monika Wildfeuer vom Bonner Team in der simulierten, entscheidenden Verhandlung.

Bonn. Bei einem bundesweiten Anwalts-Wettbewerb belegen Bonner Studenten den zweiten Platz. Ausgerechnet hatten sie sich bestenfalls eine Viertelfinalteilnahme.

Obwohl sie noch Jahre von ihrem Berufsleben entfernt sind, probten Studenten der Bonner Universität am Wochenende bereits den Ernstfall: Beim „Soldan Moot Court“ in Hannover, einer simulierten Gerichtsverhandlung, stritten die Studierenden mit Kommilitonen aus der gesamten Bundesrepublik in einem fiktiven Fall – und waren erfolgreich.

Unter 29 Teams setzten die Bonner sich durch und zogen bis ins Finale ein. Dort mussten sie sich jedoch Studenten aus Hamburg geschlagen geben. „Natürlich war es schade, den ersten Platz so knapp zu verpassen“, sagt Monika Wildfeuer, die in der Finalrunde für Bonn verhandelt hat. „Wir haben uns aber trotzdem sehr gefreut, vermutlich sogar mehr als die Gewinner.“

Denn das Hamburger Team ist seit Jahren regelmäßig ganz vorn mit dabei – die Uni Bonn nimmt dagegen erst zum zweiten Mal teil. Die Bonner hatten sich deshalb höchstens einen Platz im Viertelfinale ausgemalt. Als Außenseiter gegen die privatfinanzierte Bucerius Law School waren ihnen in der Schlussrunde so zumindest die Sympathien der anderen Teilnehmer sicher.

Moot Courts wie dieser dienen der Vorbereitung von Rechtsstudenten auf die spätere Berufspraxis. Denn diese findet im Studienalltag kaum Berücksichtigung. Zwar wird in Klausuren das Wissen der Studenten geprüft, nicht aber die Fähigkeit, es überzeugend vorzutragen. So war es für das Bonner Team die größte Herausforderung, selbstbewusst aufzutreten und sich nicht verunsichern zu lassen, auch wenn die Gegenseite oder die Richter sie mit kritischen Nachfragen löcherten.

Zumal bei alledem Spontaneität gefragt war: Nicht selten lagen nur fünf Minuten zwischen der Auslosung der Teilnehmer und dem Beginn einer Verhandlung. „Natürlich waren wir eigentlich seit Wochen auf diesen Moment vorbereitet – und andererseits waren wir es überhaupt nicht“, sagt Elaine Schäfer, die ebenfalls für Bonn angetreten ist. „Im Studium muss man einfach nicht so auf Zack sein“, erklärt Wildfeuer. „Das ist wirklich komplett anders.“

Dabei sind rhetorische Fähigkeiten für Juristen unerlässlich, auch schon in der mündlichen Examensprüfung. „Fiese“ Juroren sind deshalb am wertvollsten, findet Schäfer: „Die stellen auch schon mal Nachfragen, die man so gar nicht auf dem Schirm hatte. Daran kann man üben, standhaft zu bleiben, während die eigene Position gezielt angegriffen wird.“

Und das ohne Fallhöhe: Denn die Atmosphäre beim Moot Court sei sehr solidarisch, sagt Schäfer. Abseits der Verhandlungen entstünden auch private Kontakte, und beim gemeinsamen Grillabend ließ sich sogar noch persönliches Feedback der Juroren einholen. Den ersten Platz mögen die Bonner Studenten verfehlt haben, im Hinblick auf ihre juristische Laufbahn haben sie so jedoch viel gewonnen.