Klimawandel

Wie kann ein Preis für CO2 aussehen?

Ein brennendes Problem: Ein mit Gas gespeister Schriftzug lodert am 17.11.2008 nahe dem Kohlekraftwerk Staudinger während einer Aktion der Umweltschutzorganisation Greenpeace.

Ein brennendes Problem: Ein mit Gas gespeister Schriftzug lodert am 17.11.2008 nahe dem Kohlekraftwerk Staudinger während einer Aktion der Umweltschutzorganisation Greenpeace.

BONN. Wer der Umwelt schadet, soll zur Kasse gebeten werden. Aber wie? Deutschland sucht zurzeit noch nach einer Lösung, wie die nationale CO2-Bepreisung aussehen soll. Andere Länder sind da weiter.

Mit einer CO2-Steuer oder durch den Handel mit Zertifikaten, wie ihn die EU bereits vormacht, könnte der Druck auf Unternehmen und Verbraucher steigen, sparsamer mit Energieträgern wie Sprit, Heizöl oder Gas umzugehen. Das ist der Grundgedanke hinter der Diskussion um CO2-Bepreisung.

Wie sieht der Status Quo bei der Energiebesteuerung aus?

Auch heute werden Energieträger besteuert, allerdings unabhängig davon, wie viel CO2 bei ihrer Verbrennung entsteht. Leichtes Heizöl kommt beispielsweise steuerlich besser weg, als das klimafreundlichere Gas. Besonders gering besteuert wird die Kohle.

Wie könnte eine Energiesteuer funktionieren?

Als Modell für eine CO2-Steuer schlägt die Berliner Denkfabrik Agora Energiewende eine Neuberechnung der Energiesteuern anhand des CO2-Ausstoßes vor. Besteuert würde also nicht mehr der Liter Treibstoff, sondern das Kohlendioxid, das bei seiner Verbrennung entsteht. Der Preis pro Tonne CO2 – der Verein CO2-Abgabe schlägt beispielsweise einen Startpreis von 40 Euro vor, Agora Energiewende sogar 50 Euro – würde dann auf die verschiedenen Energieträger umgelegt. Der Preis steigt nach den Vorstellungen des Vereins jährlich um fünf Euro bis zu einem Endstand von 190 Euro pro Tonne.

Wie geht das andere Modell, der Handel mit Zertifikaten?

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) scheint dagegen mit Zertifikaten zu liebäugeln, wie es sie in der EU bereits seit 2005 gibt. „Mein Ansatz ist, über Zertifikate zu gehen“, machte Merkel bei einem Auftritt am Raffineriestandort Schwedt deutlich. Die Grundidee dabei ist, dass auf einem definierten Markt alle Unternehmen zusammen eine festgelegte Menge CO2 ausstoßen dürfen. Wie viel jede einzelne Firma ausstoßen darf, hängt davon ab, ob sie die entsprechende Menge Zertifikate erwirbt. Die Emissionsrechte sind handelbar, ihr Preis schwankt, basierende auf Angebot und Nachhfrage.

 

Wie gehen andere Länder mit dem Thema um?

Nach dem Statusreport 2019 der International Carbon Action Partnership (ICAP) existieren derzeit 20 Emissionshandelssysteme rund um den Globus, die sich allerdings nur auf acht Prozent der weltweiten Emissionen beziehen. Tendenz steigend. Auch China hat Pläne bestätigt, einen nationalen CO2-Markt ins Leben zu rufen. Seit 2013 gibt es dort bereits Emission Trading Systems (ETS), so der englische Begriff, in sieben Großstädten, darunter Peking und Shanghai.

Und wie sieht die Regelung der Europäischen Union aus?

In 28 EU-Ländern, Island, Lichtenstein und Norwegen müssen rund 11 000 energieintensive Kraftwerke und Unternehmen sowie Fluggesellschaften mit den Zertifikaten handeln. Deren Gesamtausstoß an Kohlendioxid hat die EU 2013 auf rund zwei Milliarden Tonnen begrenzt und genauso viele Zertifikate durch Zuteilung oder Versteigerung in Umlauf gebracht. Jahr für Jahr sinkt die Höchstmenge, die an Kohlendioxid ausgestoßen werden darf, und damit auch die Zahl der Zertifikate mit Verschmutzungsrechten. Derzeit reduziert die Europäische Union die Höchstmenge um 1,74 Prozent jährlich, sodass bis 2020 insgesamt 20 Prozent weniger CO2 ausgestoßen werden darf als im Jahr 2005.

Würde das genauso in Deutschland funktionieren?

Der Handel mit Zertifikaten lässt sich auf Deutschland übertragen, indem eine nationale Obergrenze für den CO2-Ausstoß anhand der Klimaziele festgelegt wird. Tankstellen, Mineralölhändler und Gasanbieter müssten dann die entsprechenden Zertifikate erwerben.

Wie geht es weiter?

Derzeit prüft das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung im Auftrag der Bundesregierung die verschiedenen Möglichkeiten der nationalen CO2-Bepreisung, die es in Ländern wie der Schweiz, Großbritannien, Frankreich und Schweden bereits gibt.

Was reagieren die Bürger in anderen Ländern?

Wie die Co2-Bepreisung von den Menschen aufgenommen wird, hat eine Menge damit zu tun, was mit den Einnahmen passiert. In Frankreich zum Beispiel entzündeten sich die Proteste der Gelbwesten an den höheren Energiepreisen, die Pendler und Geringverdiener besonders hart treffen. Politiker und Experten diskutieren deshalb darüber, auf welchem Weg die Einnahmen an die Bürger zurückgegeben werden können. Die nicht gerade des Kommunismus verdächtige Schweiz macht es vor: Sie schüttet den CO2-Aufschlag 1:1 an die Bürger aus – 67 Euro pro Kopf im vergangenen Jahr. Kein wunder also, dass 83 Prozent der Schweizer eine höhere CO2-Steuer befürworten. Dem Klima zuliebe.