Verbrauchs- und Abgaswerte

Wie der neue Abgastest die Kfz-Steuer in die Höhe treibt

Der CO2-Ausstoß fließt in die Berechnung der Kfz-Steuer ein.

Der CO2-Ausstoß fließt in die Berechnung der Kfz-Steuer ein.

KÖLN. Der neue WLTP-Test, der ab September gilt, hat erheblichen Einfluss auf die Höhe der Kfz-Steuer, die ein Nutzer zahlen muss. Wie der ADAC ermittelt hat, ist das in den meisten Fällen mehr als bisher.

86 Euro Kfz-Steuer werden für einen VW up GTI fällig, der am 1. September erstmals zugelassen wird. Kommt das gleiche Fahrzeug noch am Freitag, dem 31. August, neu auf die Straße, sind es nur 50 Euro. Diesen Unterschied von 70 Prozent hat der ADAC ermittelt. Bei einem bestimmten Peugeot 508 mit 1,6 Litern Hubraum hat der Automobilclub gar einen Unterschied von 73,9 Prozent ermittelt.

Grund ist ein neuer Abgastest. Ab dem 1. September werden die Emissionswerte, die im Rahmen der Typgenehmigung ermittelt werden, für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge nach dem sogenannten WLTP-Test ermittelt. Und dessen Ergebnisse unterscheiden sich erheblich von dem bisherigen Verfahren. Dabei ermittelte Verbrauchs- und Abgaswerte hatten mit dem späteren Verbrauch auf der Straße wenig zu tun.

Zwar werden auch die neuen Tests auf einem Prüfstand durchgeführt. Stichprobenartige Überprüfungen auf der Straße sollen folgen. Der neue Test dauert aber 30 statt bislang 20 Minuten. Die simulierte Höchstgeschwindigkeit beträgt 130 statt 120 Stundenkilometer. Und es werden nicht mehr mager ausgestattete Fahrzeuge geprüft, sondern Autos mit Annehmlichkeiten wie elektrisch verstellbaren Sitzen, Klimaanlagen und viel anderer Zusatzausstattung, die die Kunden heute ordern. Das macht die Fahrzeuge schwerer und lässt den Verbrauch ebenso steigen wie höhere Testgeschwindigkeit oder anspruchsvollere Beschleunigungsphasen, wie der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen in einer aktuellen Studie schreibt.

Dudenhöffer jedenfalls geht von einem durchschnittlichen Mehrverbrauch von 20 Prozent aus. Und das treibt die Kfz-Steuer. Die berechnet sich nämlich zum einen nach dem Hubraum der Fahrzeuge. Bei Ottomotoren sind zwei Euro je angefangene 100 Kubikzentimeter Hubraum zu zahlen, bei Dieselmotoren 9,50 Euro. Dazu kommt ein CO2-abhängiger Betrag. Oberhalb des steuerfreien Grenzwertes von 95 Gramm pro Kilometer werden zwei Euro pro Gramm CO2 fällig. Besonders deutlich sollten die Auswirkungen deshalb bei Kleinwagen ausfallen, deren CO2-Ausstoß nahe an dem Grenzwert von 95 Gramm liegt.

Nur bei einem Subaru sinkt die Steuer

In der Regel steigt die Kfz-Steuer offenbar. Der ADAC hat aber auch einen Subaru entdeckt, bei dem die Kfz-Steuer ab dem 1. September sinkt. Bei allen anderen Modellen erhöhen sich die Steuern mindestens um 20,5 Prozent. Dudenhöffer kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Für einen Kia Picanto mit einem Liter Hubraum und 69 PS nennt er einen Aufschlag von 75 Prozent auf 56 Euro pro Jahr. Ein Toyota Auris mit 116-PS-Benzinmotor wird 38 Prozent teurer und kostet 80 Euro. Und für einen Land Rover Discovery mit Dieselmotor werden statt 336 demnächst 390 Euro fällig, 16 Prozent mehr.

Großer Gewinner, so Dudenhöffer, sei der Bundesfinanzminister. Für 2019 könne er durch die Testumstellung Mehreinnahmen von 173 Millionen erzielen. Werde die Kfz-Steuer zukünftig nicht verändert, wären wegen des steigenden Anteils an neu zugelassenen Fahrzeugen später Jahr für Jahr höhere Mehreinnahmen drin. Denn noch ist sei nicht ausgemacht ob die Kfz-Steuer verändert werde, so Dudenhöffer.

Verlässliche Aussagen über die Auswirkungen des neuen Testverfahrens auf die Kfz-Steuern seien noch nicht möglich, teilte das Bundesfinanzministerium vor gut einem Jahr noch mit. Sie sollen daher zwölf Monate nach Inkraftwerden des neuen Testverfahrens geprüft werden. Der Finanzausschuss des Bundestages werde über das Ergebnis unterrichtet, heißt es in einer Mitteilung. „Also wie und wann dann Steuererstattungen kommen, weiß bis heute nicht einmal der liebe Gott'“, kritisiert Dudenhöffer.