Die Nachwehen der Dieselkrise

Weniger Umsatzwachstum, weniger Gewinn für deutsche Autohersteller

Im Kopf-an-Kopf-Rennen der Automarken verlieren Daimler und BMW an Schwung, Toyota und Suzuki legen zu. FOTO: DPA

Im Kopf-an-Kopf-Rennen der Automarken verlieren Daimler und BMW an Schwung, Toyota und Suzuki legen zu. FOTO: DPA

Frankfurt am Main. Deutsche Autobauer verlieren an Schwung. Japaner und Franzosen hingegen legen zu und der Gegenwind dürfte anhalten.

Der Schwung lässt nach bei den drei großen deutschen Autoherstellern. Das machen die Zahlen zum zweiten Quartal deutlich. Auch für die zweite Jahreshälfte ist keine Besserung zu erwarten. Das zeigt eine Studie der Unternehmensberatung EY am Dienstag.

So setzten BMW, Daimler und Volkswagen zwischen April und Juni nur noch vier Prozent mehr ab als im ersten Quartal, als sie gegenüber dem Vorquartal noch ein Plus von sechs Prozent verzeichnet hatten. Entsprechend schrumpfte das Umsatzwachstum von 1,7 auf 0,6 Prozent. Der Gewinn ging gar um 17 Prozent gegenüber dem ersten Vierteljahr zurück, als das Minus nur sechs Prozent ausmachte.

Die Autohersteller litten zum einen unter Sondereffekten – VW unter den Nachwehen der Dieselkrise, Daimler unter der Beilegung des Toll-Collect-Rechtsstreits. Außerdem drückte der schwächere Euro den Gewinn, aber auch der Handelskonflikt zwischen den USA und China. Denn für in den USA gefertigte Fahrzeuge hat sich der Einfuhrzoll in China erhöht.

Andererseits sind zum Juli in China die Importzölle für Autos aus dem Rest der Welt von 25 auf 15 Prozent gesunken. Chinesische Kunden haben deshalb ihre Kaufentscheidung in die zweite Jahreshälfte vertagt – oder sie fordern Preisabschläge. Davon konnten vor allem die japanischen Wettbewerber profitieren, sie steigerten ihren Gewinn um elf Prozent. Auch die französischen Autobauer legten beim Gewinn zu – sogar um 28 Prozent. Nur die Wettbewerber aus den USA schnitten mit einem Gewinneinbruch um ein Drittel schlechter ab als die deutschen.

Dennoch bleibt Volkswagen Weltmeister bei Umsatz und Absatz. Beim Gewinn jedoch schob sich Suzuki vor BMW: Die Japaner erzielten eine Marge von 11,8 Prozent, die Münchner 11,4 Prozent.

Der Gegenwind für die drei großen deutschen Autobauer dürfte aus diesen Gründen aber auch in der zweiten Jahreshälfte anhalten, vermutet Peter Fuß, Partner bei EY: „Die operative Situation ist insgesamt so gut, dass auch ein vermutlich ebenfalls schwieriges zweites Halbjahr gut überstanden werden kann.“

Schwierig dürfte die zweite Jahreshälfte auch wegen der Umstellung auf den WLTP-Prüfzyklus werden. Denn diese Abgastests sind von September an verbindlich, dazu sind neue Typgenehmigungen nötig. Die Prüfverfahren können aber nicht alle rechtzeitig absolviert werden. Deshalb ist mit Lieferengpässen bei bestimmten Modellen zu rechnen.

„2018 wird sicher kein Rekordjahr“, vermutet EY-Partner Fuß. Es werde eher ein Jahr des Übergangs – wegen der weiteren Abarbeitung der Dieselkrise und wegen der handelspolitischen Konflikte. Denn die könnten auch die Lieferketten der Autohersteller stören.

Und schließlich verweist Fuß noch auf den technologischen Wandel. In den nächsten Jahren klettern die Investitionen weiter – 14 Milliarden Euro haben die drei großen deutschen Autokonzerne allein in den ersten sechs Monaten des Jahres dafür ausgegeben. Denn sie müssen sich auf die Digitalisierung vorbereiten, in Elektromobilität und autonomes Fahren investieren. Diese Investitionen werden aus dem Cash-Flow bezahlt. „Daher dürften die goldenen Jahre beim Gewinn vorerst vorbei sein“, prognostiziert Fuß. Die Ausgaben seien aber wichtig, damit die deutsche Autoindustrie auch künftig vorn mitspielen könne.