Nach EuGH-Urteil

Warten auf die Maut-Rechnung - Eventim kalkuliert Ansprüche

Mautbrücke auf der Autobahn A9.

Mautbrücke auf der Autobahn A9.

22.08.2019 Bremen. Die Pkw-Maut ist in Deutschland Geschichte, doch die Folgekosten kommen noch. Eventim, einer der beiden gekündigten Betreiber, rechnet noch an seinen Forderungen an den Bund. Es könnte teuer werden.

Für gute Geschäftszahlen braucht der Ticket- und Eventkonzern CTS Eventim die Einnahmen aus der gescheiterten Pkw-Maut sicher nicht.

Sattes Wachstum bei Umsatz und Gewinn, Aktienkurs auf Rekordhöhe und gute Aufstiegschancen in den MDax der mittelgroßen Börsenwerte - die Bilanz für das erste Halbjahr 2019 konnte sich am Donnerstag sehen lassen. Die Maut könnte letztlich sogar für ein Zusatzgeschäft sorgen, obwohl sie im Juni vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) gestoppt wurde. Derzeit kalkuliert Eventim seine Ansprüche an den Bund, also den Steuerzahler.

Eventim-Chef Klaus-Peter Schulenberg sieht die Gesamtlage gelassen. "Die Maut war immer schon ein völlig separates Thema und zudem für CTS Eventim auch nie als Kerngeschäft gedacht", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Die Maut sollte Eventim im Joint Venture mit der österreichischen Firma Kapsch erheben und kontrollieren. Am 18. Juni kippte der EuGH das Projekt von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der dann die Verträge mit den Betreibern kündigte.

Jetzt wird gerechnet, wir hoch die Schadenersatzansprüche ausfallen. "Wir sind noch dabei, das zu ermitteln, und das wird auch noch einige Wochen dauern", so Schulenberg, der in einem Brief an die Aktionäre klar machte, dass wohl frühestens im Oktober mit Zahlen zu rechnen ist. "Zurzeit laufen die Verträge noch und eine komplette Forderungsaufstellung wird erst nach Vertragsende und Bewertung aller Ansprüche möglich sein", schrieb er. Die Vertragskündigung wird am 30. September wirksam.

Die Gelassenheit rührt auch daher, dass die Verträge Schutzbestimmungen enthalten für den Fall, dass die Maut nicht eingeführt wird. "Wenn das EuGH-Urteil anders ausgefallen wäre, hätte der Bund die Kooperation mit den Betreibern laut Herrn Scheuer fortgesetzt", betonte Schulenberg. "Dies zeigt, dass der Vertrag nicht aufgrund der Leistung der Betreibergesellschaft gekündigt wurde. Mit diesem Statement hat Herr Scheuer einen erheblichen Beitrag zur Transparenz geleistet."

Was genau in die Kalkulation für die Forderungen einfließt, wird sich zeigen. Nach einem Bericht des Wirtschaftsmagazins "Capital" entgehen den Betreibern der gescheiterten Pkw-Maut über die Vertragslaufzeit von zwölf Jahren Nettogewinne in Gesamthöhe von einer Viertelmilliarde Euro. "Jede Zahl ist Spekulation", winkt Schulenberg nur ab.

Keine Spekulation sind dagegen die Halbjahreszahlen des Unternehmens, das mit einem Netz aus 26 Veranstaltern in zehn Ländern ein Schwergewicht am Live-Entertainment-Markt ist. Es sind 27 Festivals, 5000 Live-Events, zehn Millionen Besucher im Jahr. Auch das Ticket-Geschäft lieferte mit 23,7 Millionen Online-Eintrittskarten im ersten Halbjahr eine Bestmarke. Der Konzernumsatz stieg um 14,8 Prozent auf 696,6 Millionen Euro. Der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) legte um 18,7 Prozent auf 111,8 Millionen Euro zu.

Wachstumschancen sieht das Unternehmen in den USA, aber dort noch im Moment noch keine passende Investitionsmöglichkeit, sowie in der Weiterentwicklung zu einem Freizeitportal. Dort sollen perspektivisch neben Eintrittskarten unter anderem Übernachtungen und Transportmöglichkeiten angeboten werden.

Der Bremer Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Peer Koch, vertritt die Interessen der kleinen und institutionellen Anleger und sieht das Unternehmen gut aufgestellt. "Eventim gehört auf jeden Fall nicht zu den Gesellschaften, die ständig Luftnummern produzieren, um den Aktienkurs anzuheizen", sagte er. Am 4. September wird turnusmäßig die Neubewertung der Börsenindizes bekanntgeben. Entscheidend sind Marktkapitalisierung und Börsenumsatz. Eventim wird nach acht Monaten im Kleinwerteindex SDax als aussichtsreicher Aufstiegskandidat in den MDax gehandelt. (dpa)