Telekom prüft rechtliche Schritte

Vodafone verspricht Schub nach Unitymedia-Fusion

Firmenzentrale von Unitymedia in Köln.

Firmenzentrale von Unitymedia in Köln.

Bonn. Nach der Genehmigung der EU-Kommission für die Unitymedia-Übernahme durch Vodafone ist das deutsche Kabelnetz wieder in einer Hand. Das sorgt teilweise für Kritik. Die Telekom prüft rechtliche Schritte.

Der deutsche Telekommunikationsmarkt steht vor einer einschneidenden Veränderung. Der Kabelnetzbetreiber Unitymedia gehört künftig zum britischen Telekommunikationskonzern Vodafone. Am Donnerstag hat die EU-Kommission die Übernahme unter Auflagen erlaubt. Das zeigt das Ausmaß der Bedenken. Insgesamt 272 Tage prüfte die EU-Kommission die geplante Übernahme.

„Der Zugang zu bezahlbaren und hochwertigen Breitband- und TV-Diensten ist in unserer modernen Gesellschaft fast genauso gefragt wie der Zugang zu fließendem Wasser“, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Die Auflagen sollten sicherstellen, dass Kunden weiterhin von fairen Preisen, hochwertigen Dienstleistungen und innovativen Produkten profitieren könnten. Insgesamt 18,4 Milliarden Euro zahlt Vodafone für die Übernahme der Kabelnetze in Deutschland, Tschechien, Ungarn und Rumänien, die derzeit noch von der Unitymedia-Muttergesellschaft Liberty Global gehalten werden. Unitymedia ist in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen tätig, Vodafone in den übrigen 13 Bundesländern.

Vodafone muss laut Vestager einem dritten Unternehmen Zugang zum Kabelnetz gewähren, um den Wettbewerbsdruck zu sichern. Im Vorfeld der Entscheidung hat Vodafone darüber bereits eine Einigung mit dem Konkurrenten Telefónica Deutschland erzielt. Auf diese Weise soll ein weiterer nationaler Kabelwettbewerber entstehen. Zudem dürften die Gebühren für frei empfangbare Fernsehsender, die ihre Programme über das Kabelnetz von Vodafone in Deutschland übertragen, nicht erhöht werden.

Vodafone-Chef verspricht "Infrastruktur-Schub"

„Mit der Übernahme schaffen wir für Deutschland einen noch nie dagewesenen Infrastruktur-Schub“, sagte Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter. In den nächsten drei Jahren will das Unternehmen insgesamt 25 Millionen deutsche Haushalte mit Gigabit-Geschwindigkeit versorgen. Mit der Übernahme werde nach fast zwei Jahrzehnten wieder ein vereinigtes Kabelnetz in Deutschland geschaffen. Auch könne man „Deutschland von einem der langsamsten zu einem der schnellsten Digitalstaaten auf dem Kontinent machen“, so Ametsreiter.

Vorerst keine Änderungen für Kunden

Mit dem Zukauf stärkt Vodafone seine Position am deutschen Telekommunikationsmarkt wesentlich. Die Zahl der TV-Kunden steigt von 7,7 auf 14 Millionen, die Zahl der Internetkunden von 6,5 auf zehn Millionen. Sogenannte Bündelprodukte aus Internet, Telefonie, Fernsehen plus Mobilfunk gelten in der Telekommunikation als besonders lukrativ. Bei Unitymedia mit Hauptsitz in Köln wird es Branchenkreisen zufolge voraussichtlich zum Stellenabbau kommen, betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden. Mittelfristig soll Unitymedia als Markenname auslaufen. Wie Vodafone betont, ändert sich im ersten Schritt für Kunden nichts. „Alle Verträge, Tarife und Ansprechpartner im Service bleiben bis auf Weiteres bestehen.“

Deutsche Telekom übt Kritik

Die Deutsche Telekom lehnt den Zusammenschluss trotz Auflagen ab: „Fast die gesamte Branche hat gegenüber der EU-Kommission deutlich gemacht, dass die Fusion den ohnehin schon schwierigen Glasfaserausbau in Deutschland nicht voranbringt, sondern im Gegenteil noch erschwert“, sagte Telekom-Sprecher Andreas Middel. Durch diese Fusion werde kein einziger zusätzlicher Breitbandanschluss geschaffen, schon gar nicht im ländlichen Raum. „Wir sind überzeugt, dass die Auflagen nicht ausreichen, negative Auswirkungen im Bereich der Medien- und Programmvielfalt abzuwenden“, so Middel. Die Telekom prüfe Rechtsschritte gegen die Entscheidung.

Netz hat an Bedeutung gewonnen

Vor etwa zwei Jahrzehnten hatte die Telekom das TV-Kabelnetz, das in den 80er Jahren mit Staatsmitteln gebaut wurde, auf Druck der EU-Kommission abgegeben und es an regionale Anbieter veräußert. Bei diesen kam es nach und nach zu Zusammenschlüssen und Übernahmen. Mittlerweile spielen die Kabelnetze eine entscheidende Rolle beim schnellen Festnetz-Internet und sind wirtschaftlich interessanter als vor einigen Jahren.

Der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko), der die Interessen von 300 Unternehmen mit eigener Infrastruktur vertritt, sieht eine erhebliche Einschränkung des Wettbewerbs. Auf dem Kabelfernsehmarkt könne der Zusammenschluss negative Auswirkungen mit Blick auf Verträge mit der Wohnungswirtschaft haben. Hier liege der Marktanteil von Vodafone künftig bei rund 75 Prozent. Dies werde ungeachtet des Netzzugangs für Telefónica in den meisten Fällen auch ein Monopol in Puncto Kabel-Internet bedeuten: Da in den Verträgen mit der gewerblichen Wohnungswirtschaft oft entsprechende Exklusivitätsvereinbarungen zugunsten der Kabelanbieter vorhanden seien, könne die Wohnungswirtschaft keine weiteren Verträge mit anderen Anbietern vereinbaren.