Vorsorge im Alter

Viele Soloselbstständige verdienen zu wenig

Die Zahl der Solounternehmer ist stark gestiegen.

Die Zahl der Solounternehmer ist stark gestiegen.

Berlin. Laut einer Verdi-Umfrage haben viele Alleinunternehmer weniger als 1000 Euro brutto im Monat. Das hat Folgen für die Altersvorsorge.

Viele sogenannte Soloselbstständige müssen mit niedrigen Verdiensten zurechtkommen. Gut 22 Prozent dieser Beschäftigten erzielen weniger als 1000 Euro brutto pro Monat, obwohl sie Vollzeit arbeiten. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Gewerkschaft Verdi und des Arbeitssoziologen Hans Pongratz (Universität München), die dieser Zeitung vorliegt.

Soloselbstständige bieten ihre Dienst alleine an – sie haben keine Angestellten oder Mitarbeiter. Während die Zahl beispielsweise der Handwerker, Architekten oder Anwälte, die Arbeitnehmer beschäftigen, bei etwa 1,8 Millionen relativ konstant bleibt, hat sich die Menge der Alleinunternehmer während der vergangenen 25 Jahre fast verdoppelt. Sie liegt bei rund 2,2 Millionen Personen. Wegen der guten Wirtschaftsentwicklung ging sie in den letzten Jahren leicht zurück. Ein neues Phänomen liegt jedoch in der zunehmenden Zahl der sogenannten Crowdworker. Das sind Soloselbstständige, die ihre Tätigkeiten über Vermittlungsplattformen verkaufen.

1500 Euro Netto im Durchschnitt

Von rund 30 000 selbstständigen Verdi-Mitgliedern haben an der Onlineumfrage 834 Personen teilgenommen, etwa 40 Prozent Frauen, 60 Prozent Männer. 37,5 Prozent von ihnen waren im Journalismus tätig, 16 Prozent gingen einer künstlerischen Arbeit nach. Jeweils etwa zehn Prozent stammen aus den Branchen Grafik/ Design, Gesundheit/ Pflege, Bildung/ Beratung, Handel/ Transport und Übersetzung. Neben den 22 Prozent mit einem Verdienst unter 1000 Euro brutto gaben weitere 32 Prozent an, zwischen 1000 und 2000 Euro brutto monatlich zu erwirtschaften. 22 Prozent lagen zwischen 2000 und 3000 Euro, 19 Prozent darüber. Einige machten keine Angaben.

Die Industriegewerkschaft Metall nannte für 2014 knapp 1500 Euro monatlich als durchschnittliches Nettoeinkommen von Soloselbstständigen. Allerdings gibt es auch eine relativ schmale Schicht von Alleinuternehmern, die zwischen 5000 und 10 000 Euro oder mehr verdienen, unter anderem selbstständige Unternehmensberater.

Arbeitszufriedenheit ist hoch

In der Verdi-Umfrage sagte ein Drittel der Teilnehmer, dass sie ihre selbstständige Beschäftigung mit einer Angestelltentätigkeiten kombinierten. Dies lässt verschiedene Rückschlüsse zu. Eine Motivation könnten die geringen Verdienste beim freiberuflichen Arbeiten sein. Andererseits stützen sich manche Beschäftigte auf einen festen Job, damit sie sich Kreativität, Freiheit und Sinnstiftung beim selbstständigen Arbeiten leisten können. Dazu passt, dass die „bekundete Arbeitszufriedenheit erstaunlich hoch“ sei, wie Pongratz schreibt.

Verdi wollte mit der Umfrage erfahren, was Freiberuflern unter den Nägeln brennt. Fast 60 Prozent sagten, dass ihr größtes Problem darin liege, „regelmäßige und ausreichende Einnahmen zu erzielen“. 45 Prozent fanden es schwierig, sich für „Krankheit, Alter und Auftragslosigkeit abzusichern“. Die Befragten wünschten sich, dass die Gewerkschaft aktiv werden solle, um politische Verbesserungen zu erreichen.

Erstens geht es dabei um eine höhere Bezahlung. Heute können Selbstständige den gesetzlichen Mindestlohn nicht einklagen, weil dieser nur für Arbeitnehmer gilt. Verdi und IG Metall diskutieren deshalb darüber, ob es auch gesetzliche Mindesthonorare geben und wo diese liegen sollten.