Kommentar zu Tui

Vernünftige Entscheidung

Tui-Vorstandschef Friedrich Joussen (l.) und Dieter Zetsche, Vorstandschef der Daimler AG, vor der Hauptversammlung von Tui.

Tui-Vorstandschef Friedrich Joussen (l.) und Dieter Zetsche, Vorstandschef der Daimler AG, vor der Hauptversammlung von Tui.

Daimler-Chef Dieter Zetsche vorerst nicht an die Spitze des Aufsichtsrates von Tui zu berufen, ist eine kluge Entscheidung, findet GA-Autorin Brigitte Scholtes.

Gelegentlich zeigen die Manager doch Einsicht. Dass nun Daimler-Chef Dieter Zetsche nicht schon im Oktober Klaus Mangold an der Spitze des Kontrollgremiums von Tui nachfolgt, ist eine gute Nachricht. Auch wenn Zetsche sicher ein herausragender Manager ist – das Pensum als Chef eines großen Dax-Konzerns und als oberster Kontrolleur des weltgrößten Reisekonzerns ist dann doch etwas zu viel für einen Einzelnen. Man kann Krisen nie ausschließen, in denen die volle Arbeitskraft der Manager gefordert ist.

Und auch wenn Tui inzwischen gut aufgestellt ist: Gerade Reisekonzerne sind vor den Auswirkungen politischer Krisen nie gefeit, wie man an den einbrechenden Buchungszahlen bei Türkeireisen noch 2016 ablesen konnte. Deshalb hat das Unternehmen gut daran getan, sich breiter aufzustellen und sich zudem stärker als Eigentümer und Investor zu engagieren. So hat ein Reiseunternehmen viel stärkeren Einfluss auf die Qualität seiner Produkte, seien es Hotels oder Kreuzfahrtschiffe. Die Digitalisierung weiß Tui für sich zu nutzen, die Blockchain-Technologie soll es ermöglichen, freie Hotelkapazitäten dort anzubieten, wo die Urlaubsgäste bereit sind, die höchsten Preise für die Unterkünfte zu bezahlen.

Weiterer Vorteil aus Sicht von Tui: Mit den Daten über die Kunden kann man diesen maßgeschneiderte Produkte anbieten und sie auch vor Ort besser betreuen. So könnte Tui vielleicht diejenigen für eine Reise gewinnen, die am reinen Massentourismus keinen Gefallen finden.