Kommentar zu Brüssels Plänen für britische Banken

Verbales Säbelrasseln

Der Finanzplatz London wird nach dem Brexit an Bedeutung verlieren.

Der Finanzplatz London wird nach dem Brexit an Bedeutung verlieren.

Brüssel. Die EU will die Geldhäuser auf der Insel auch nach dem Brexit kontrollieren.

Das war zu befürchten. Auf europäischer Seite werden die Forderungen kurz vor den Brexit-Verhandlungen hochgeschraubt. Brüssel schnürt ein möglichst umfassendes Verhandlungspaket, das man Londons Vertretern vorlegen wird. Ob man nun 60 oder 100 Milliarden Euro fordert, ist letztlich nicht von Bedeutung. Beide Beträge wird es am Ende nicht geben.

Diese Phase von Verhandlungen hat vielmehr einen innenpolitischen Zweck: Die EU bastelt an einem gemeinsamen Feindbild, um die eigenen Reihen geschlossen zu halten – und möglich Zweifler unter den 27 verbleibenden Mitgliedern abzuschrecken. Die sollen erst gar nicht auf den Gedanken kommen, den britischen Weg nachzuahmen. Insofern sollte sich die europäische Öffentlichkeit schon mal auf zwei Verhandlungsjahre einstellen, in denen viel schmutzige Wäsche gewaschen wird.

Am Ende stehen jedoch Kompromisse, die beide Seiten irgendwie als Sieg verkaufen müssen und Gesichtsverluste verhindern. Denn man wird sich entgegenkommen und manchen Kuhhandel abschließen: Gibt die eine Seite beim Thema A nach, kommt die andere Seite ihr beim Thema B entgegen. London und Brüssel müssen auch künftig miteinander Beziehungen pflegen, die ersprießlich sind, sonst bleiben beide beschädigt zurück.