Reaktion auf Schul-Massaker in Florida

US-Banken drehen Waffenherstellern den Geldhahn zu

Waffen-Kult in den USA: Ein Befürworter bei einer Demo.

Waffen-Kult in den USA: Ein Befürworter bei einer Demo.

Washington. Nach dem Tod von 17 Menschen beim Schul-Massaker in Parkland wollen amerikanische Geldinstitute bestimmten Waffenherstellern keine Kredite mehr geben. Befürworter schärferer Gesetze loben den Schritt.

Weil der Kongress in Washington permanent bei dem Versuch versagt, den Waffenkult in Amerika gesetzlich schärfer zu regulieren, erhöhen nach dem Schul-Massaker in Florida Banken und Investmentfonds den Druck. Nach der Citibank hat nun auch das zweitgrößte Geldhaus der USA, die „Bank of America“ angekündigt, Herstellern bestimmter Waffen, wie sie häufig bei Amokläufen und Massenschießereien eingesetzt werden, den Geldhahn abzudrehen. Konkret sollen Firmen wie Colt oder Sturm Ruger, die das unter Zivilisten mit Abstand beliebteste Schmellfeuergewehr vom Typ AR-15 produzieren, dafür keine Kredite mehr bekommen. Damit, so Vize-Vorstand Anne Finucane im US-Wirtschaftssender Bloomberg TV, „wollen wir einen Beitrag leisten, damit diese Massenschießereien gestoppt werden“.

Die Bank-Chefin bezog sich ausdrücklich auf die Tragödie am Valentinstag an einer Highschool in Parkland/Florida, bei der 17 Menschen, die meisten darunter Schüler, von dem 19-jährigen Nicolas Cruz mit einem Sturmgewehr getötet worden waren. Zuvor hatte sich bereits Ed Skyler, Vizepräsident der Citigroup, dazu bekannt, gemeinsam mit anderen Kreditinstituten den Druck auf „alle zu erhöhen, die Waffen herstellen“. Konkret sollen die finanziellen Bande mit Händlern gekappt werden, die AR-15-Gewehre weiter anbieten und Waffen an Kunden unter 21 verkaufen. Skyler arbeitete zuvor in der New Yorker Stadtverwaltung zu Zeiten des Waffen-kritischen Bürgermeisters Michael Bloomberg.

Während die Waffen-Lobby „National Rifle Association“ (NRA) Alarm schlägt und von einer „Einschränkung“ des verfassungsmäßig geschützten Rechts auf Waffenbesitz spricht, klatschen Advokaten schärferer Gesetze Beifall. „Wir freuen uns, dass sich Bank of America zu den Unternehmen gesellt, die dafür sorgen wollen, dass Amerika sicher bleibt“, erklärte Avery Gardiner von der „Brady Campaign to Prevent Gun Violence“. Andere Wortführer der Anti-Waffen-Bewegung sehen im Verhalten der Großbanken einen ersten Versuch, „sozialer Verantwortung gerecht zu werden“.

Keine Beteiligung von Wells Fargo

Einen ähnlichen Weg will der weltweit größte Vermögensverwalter Blackrock einschlagen. Das Unternehmen, das 6000 Milliarden Dollar für seine Anleger betreut und unter anderem Großaktionär bei Waffenschmieden wie Sturm Ruger ist, hatte bereits kurz nach dem Massaker von Parkland reagiert: Waffenproduzenten, in die man investiert, sollten mehr Aufmerksamkeit auf das Thema Sicherheit legen, hieß es. Wer sich dem entzieht, muss damit rechnen, von Fonds ausgeschlossen zu werden, erklärte das Unternehmen auf seiner Internetseite.

Erst vor kurzem hatte Blackrock für die Zielgruppe der großen Pensionsfonds zwei neue Indexfonds (ETFs) angeboten, die gezielt Hersteller und Händler ignorieren, die Schnellfeuerwaffen produzieren oder verkaufen. Blackrocks Konkurrent „State Street“ hat als Großaktionär Waffenherstellern wie Sturm Ruger, Vista und American Outdoor Brands gedrängt neue Überlegungen anzustellen, „wie sie die Sicherheit und den verantwortungsvollen Gebrauch ihrer Produkte unterstützen“ wollen.

Dagegen will sich das Bankhaus Wells Fargo, eng mit der NRA verbunden, nicht an diesen Maßnahmen beteiligen. Finanzvorstand John Shrewberry erklärte, hier sei allein der Gesetzgeber in der Pflicht. „Wir glauben nicht, dass die amerikanische Bevölkerung befürwortet, dass Banken darüber entscheiden, welche legalen Produkte Konsumenten kaufen dürfen und welche nicht.“ Wells Fargo hat in ländlichen Regionen, wo traditionell eine hohe Zustimmung zum Waffen-Kult besteht, relevante Marktanteile.