Telekom-Tochter T-Mobile US

Sprint-Übernahme: US-Gewerkschaft sieht Jobs gefährdet

Großflächig wirbt T-Mobile US in New York für das eigene Mobilfunkangebot. Das Geschäft boomt dort für die Tochter des Bonner Konzerns.

Großflächig wirbt T-Mobile US in New York für das eigene Mobilfunkangebot. Das Geschäft boomt dort für die Tochter des Bonner Konzerns.

Bonn. Die geplante Übernahme von Sprint durch T-Mobile US zieht sich weiter hin. Inzwischen macht das US-Justizministerium Druck. Die amerikanische Gewerkschaft kritisert die Übernahme des Rivalen Sprint.

Das US-Justizministerium macht offenbar Druck auf die Telekom-Tochter T-Mobile US und den US-Rivalen Sprint, zügig zu Vereinbarungen über Details ihrer angestrebten Fusion zu kommen. Das US-Justizministerium fordere eine Lösung in der kommenden Woche, berichtete der US-Sender CNBC unter Berufung auf Insider. Sonst werde Klage gegen den Zusammenschluss erhoben. Es gebe kartellrechtliche Bedenken, die durch Veräußerungen von Geschäftsteilen an einen Wettbewerber ausgeräumt werden müssten.

T-Mobile und Sprint haben in Verhandlungen bereits zugestimmt, die Prepaid-Mobilfunkmarke Boost von Sprint zu verkaufen. Kaufgespräche mit dem US-Satellitenbetreiber Dish sind aber wohl ins Stocken geraten. Mit der Abgabe von Boost soll der Preiswettbewerb gesichert werden. Mit der Übernahme von Sprint durch T-Mobile US würde sich die Zahl der großen Mobilfunkunternehmen in den USA von vier auf drei reduzieren.

14 US-Bundesstaaten haben Klagen eingereicht

26 Milliarden Dollar (23 Milliarden Euro) will die US-Tochter der Deutschen Telekom für die Übernahme des Konkurrenten Sprint ausgeben, eine Tochter der japanischen Softbank. T-Mobile mit Chef John Legere an der Spitze und Sprint haben Zusagen gemacht, vor allem die ländlichen Gebiete besser zu bedienen und die Preise für mehrere Jahre nicht zu erhöhen.

Die geplante Fusion hat viele Gegner. Zu den schärfsten Kämpfern gegen den Zusammenschluss gehört die Gewerkschaft Communications Workers of America (CWA). CWA vertritt nach eigenen Angaben 700 000 Beschäftigte in den USA, Kanada und Puerto Rico. CWA wurde 1938 als National Federation of Telephone Workers gegründet. „Durch den Zusammenschluss entstünde eine gefährliche Marktkonzentration, die sowohl für die Arbeitnehmer als auch die Kunden von Nachteil sein wird“, sagt Jody Calemine, Leiter der Rechtsabteilung der US-Gewerkschaft, im Gespräch mit dem General-Anzeiger.

"Telekom hält sich auffallend zurück"

In den USA gebe es nach der Fusion das Risiko steigender Preise und des Verlustes von 30 000 Arbeitsplätzen vor allem im Einzelhandel. Das hätten Gutachten im Auftrag der Gewerkschaft ergeben. 14 US-Bundesstaaten würden die Bedenken der Gewerkschaft ernst nehmen und hätten Klage gegen den Zusammenschluss eingereicht.

„Der Mutterkonzern Deutsche Telekom hält sich bislang auffallend zurück und macht seinen Einfluss in einem der wichtigsten Märkte für den Konzern nicht geltend“, kritisiert Calemine. Das sei ein großer Fehler. Die Deutsche Telekom habe es versäumt, ihren Einfluss auf T-Mobile US zum Schutz der Arbeitnehmerrechte zu nutzen und habe auf die Bedenken der CWA und anderer Interessengruppen nicht reagiert.

„T-Mobile US unter seinem Chef John Legere verstößt seit Jahren gegen US-Arbeitsgesetze“, so Calemine. Insbesondere verhindere T-Mobile US, dass sich amerikanische Angestellte in der CWA organisieren und so für ihre Arbeitnehmerrechte eintreten können. Zu den Schikanen und der Einflussnahme zählten Befragungen von Mitarbeitern über ihre Gewerkschaftsaktivitäten, die Überwachung von Mitarbeitern, die sich organisieren, sowie die Isolierung von Mitarbeitern aufgrund ihrer Gewerkschaftsnähe. Das Unternehmen habe sogar Gewerkschaftsmitglieder entlassen. „Diese Einschüchterungsversuche und Drohungen müssen sofort gestoppt werden“, fordert Calemine. Hier seien auch die Deutsche Telekom und ihr Vorstandsvorsitzender Timotheus Höttges gefragt. „Er muss endlich aus seiner Deckung kommen und auf John Legere einwirken, unsere Forderungen ernst zu nehmen“, meint der US-Gewerkschafter. Denn anders als von Höttges behauptet, sei die CWA nicht bloß „eine Stimme in einem Konzert“, sondern ein entscheidender Player, wenn es zur Fusion mit Sprint kommen soll. Die CWA fordere von T-Mobile US eine Arbeitsplatzgarantie.

Die Deutsche Telekom berufe sich gerne auf ihre Unternehmenswerte. Sie sei ein verantwortungsbewusster Arbeitgeber, der sich an Gesetze halte und integer handle. Als Mehrheitsaktionär von T-Mobile US sei es für die Deutsche Telekom unerlässlich,Verantwortung zu übernehmen und das Verhalten ihrer Tochter zu ändern.

Im Mai hatte Höttges bei der Pressekonferenz über die Geschäftsentwicklung im ersten Quartal bereits einen Schulterschluss mit der CWA ausgeschlossen. „Ich halte nichts von einem Pakt“, sagte Höttges. Es gebe viele unterschiedliche Interessengruppen. Außerdem sei die Kritik der Gewerkschaft überzogen, die Fusion würde 30 000 Arbeitsplätze kosten. „Wir werden vom ersten Tag an neue Jobs schaffen“, sagte Höttges. Der Zusammenschluss werde die Position des Unternehmens stärken. Davon würden auch die Beschäftigten profitieren.

Die Telekom weist die seit vielen Jahren erhobenen Vorwürfe der CWA, T-Mobile US würde Gewerkschaftstätigkeit unterbinden, stets entschieden zurück. Der Konzern verfüge seit zehn Jahren über eine Sozialcharta, in der unter anderem das „Recht auf Kollektiv-Verhandlungen im Rahmen der nationalen Gesetzgebung“ verankert ist. In den USA etwa sehe der Gesetzgeber vor, dass eine Gewerkschaft ein Anerkennungsverfahren durchlaufen müsse, bevor sie für die Mitarbeiter mit dem Arbeitgeber verhandeln könne. An den Standorten, an denen sich die CWA als Vertreter der Mitarbeiter in diesem Verfahren erfolgreich legitimiert habe, sei sie selbstverständlich Ansprechpartner. Die CWA fordert den Abschluss eines „Neutralitätsabkommens“. Damit sei gemeint, dass sich das Unternehmen gegenüber den Bemühungen der Beschäftigten, sich zu organisieren, nicht einmischen soll.

Bei einer Anhörung in New York zur Klage der Bundesstaaten hatte der Richter im Juni festgestellt, dass der Fall „traditionelle kartellrechtliche Fragen zur Marktkonzentration“ aufwerfe. Ein Verhandlungstermin ist für den 7. Oktober anberaumt. Das sei völlig unabhängig von einer Einigung auf Details der Fusion, meint Calemine.