Bonner Konzern

Postbank-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs

Die Postbank-Zentrale in Bonn.

Die Postbank-Zentrale in Bonn.

Frankfurt/Bonn. Die Reintegration in die Deutsche Bank wird auch Arbeitsplätze kosten, sagt ihr Chef Cryan. Die Gewerkschaften Verdi und DPVKOM wollen betriebsbedingte Kündigungen verhindern.

Die Umbaupläne der Deutschen Bank haben die Postbank-Mitarbeiter in Bonn allenfalls vom Zeitpunkt her überrumpelt – denn überrascht hat die neue Marschrichtung für die Postbank die meisten Beobachter nicht. „Wir respektieren die Entscheidung unseres Gesellschafters“, lautete am Montag die trockene Reaktion in der Bonner Zentrale. Weiter wollte man sich angesichts der kurzen Frist seit Bekanntgabe der Entscheidung am Sonntag nicht äußern.

Nun soll die Postbank also doch nicht verkauft werden. Kaum überraschend ist dies, weil die Deutsche Bank den Preis von sechs Milliarden Euro, den der frühere Vorstandschef Josef Ackermann 2010 für die Postbank bezahlt hatte, auf absehbare Zeit nicht mehr hätte erzielen können. So hat sie sich nun entschieden, die gelbe Bank zu behalten und in das Privat- und Firmenkundengeschäft der Mutter einzugliedern.

Das spart Kosten, weil Verwaltung und Technik zusammengelegt werden, genauer: wieder zusammengelegt werden, denn seitdem sich die Bank vor knapp zwei Jahren, damals unter dem Vorstandsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen, entschlossen hatte, die Postbank zu verkaufen, musste sie mühsam entflochten werden.

Verkauft werden sollte sie damals, weil sie das Eigenkapital der Mutter zu sehr belastet hatte. Die Deutsche Bank hatte beim Kauf erhofft, dass sie die hohen Einlagen der Postbank zur Refinanzierung des eigenen Geschäfts werde nutzen können. Das aber sei nach der Gesetzeslage nicht im erhofften Maße möglich gewesen. „Da zeichnet sich inzwischen eine Änderung ab“, erklärt Markus Rießelmann, Analyst von Independent Research. Das könnte ein weiterer Grund sein, warum die Bank nun ihren Strategieschwenk vollzieht.

Dass die 14 Millionen Kunden der Postbank durchaus Potenzial für den Mutterkonzern bieten, glaubt Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft an der Universität Hohenheim. Unter diesen Kunden seien zwar wahrscheinlich viele, die sich nur für einfache Sparprodukte interessierten. „Aber aus einem Studenten, der ein Konto bei der Postbank hat, wird später vielleicht ein Anwalt oder Unternehmer. Und solche Kunden könnten für das Kerngeschäft der Deutschen Bank doch interessant werden, weil sie dann vielfältigere Ansprüche an ihre Bankverbindung haben“, sagt Burghof.

„Es wird sicherlich einige Jobverluste in Deutschland geben“, sagte Deutsche-Bank-Chef John Cryan am Montag dem Wirtschaftssender Bloomberg TV, um gleich hinterherzuschieben: „Wir machen es auf die deutsche Art. Wir wollen zu einer Übereinkunft kommen.“ Diese „Jobverluste“ kommen nun zusätzlich zu der schon angekündigten Streichung von 9000 der insgesamt 99 700 Arbeitsplätze weltweit, die bis 2018 abgeschlossen sein soll. 4000 Stellen davon sollen allein in Deutschland entfallen. Gut 18 000 Mitarbeiter zählt die Postbank.

Cryans Umbaupläne betreffen zudem das Investmentbankgeschäft: Das hatte er erst vor anderthalb Jahren aufgespalten in das reine Investmentbanking und das Handelsgeschäft. Beide werden nun wieder zusammengeführt, die Leitung dieser Säule sollen der bisherige Leiter des Handelsgeschäfts, Garth Ritchie, zusammen mit dem Noch-Finanzvorstand Markus Schenck übernehmen. Schenck ist ein großer Gewinner des Umbaus – neben Christian Sewing, der im Vorstand für das Privat- und Firmenkundengeschäft zuständig ist. Beide sind mit sofortiger Wirkung zu stellvertretenden Co-Vorstandsvorsitzenden ernannt worden, eine Position, die es so bisher nicht gab.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi begrüßte die Maßnahmen als „grundsätzlich positiv“, weil sie ein Bekenntnis zum deutschen Markt seien. In diesem Sinne bewertete sie auch die Personalien Schenck und Sewing. Verdi ebenso wie die Kommunikationsgewerkschaft DPVKOM kündigten an, nun für den tariflichen Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen kämpfen zu wollen. Der laufende Beschäftigungspakt im Postbank-Konzern gilt nur bis 30. Juni 2017.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber sieht gute Chancen für den Standort Bonn mit seinen rund 3500 Postbank-Mitarbeitern. „Eine Verlagerung nach Frankfurt würde das Risiko für das Unternehmen mit sich bringen, entscheidende Mitarbeiter zu verlieren“, erklärte Kelber.

Die Börsianer reagierten mit Kursabschlägen auf die Pläne der Deutschen Bank. Das dürfte jedoch nicht unbedingt als Unmut über die Strategie zu werten sein, sondern vielmehr eine technische Reaktion auf die angekündigte Kapitalerhöhung um acht Milliarden Euro sein, erklärte ein Analyst. Um den Umbau zu finanzieren, benötigt das Institut frisches Geld, das es sich so beschaffen will.