Kommentar zu gesetzlichen Krankenkassen

Patient als Kontrolleur

Auch wegen teurer Behandlungen steigen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen.

Auch wegen teurer Behandlungen steigen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen.

Patienten müssten die Arztrechnungen einsehen können. Das sei die beste Kostenkontrolle, meint unsere Autorin.

Der Anstieg der Pro-Kopf-Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hat sich vom Anstieg der Einkommen der Beitragszahler entkoppelt. Der Befund von Wirtschaftsforschern macht deutlich, dass die GKV ohne weitere Beitragssatzsteigerungen in ein Finanzierungsproblem hineingeraten wird, noch bevor weitere Zusatzbelastungen durch das Ausscheiden der Babyboomer-Generation aus dem Erwerbsleben Ende dieses Jahrzehnts überhaupt auftreten. Da die Ausgaben wegen des medizinischen Fortschritts weiter stark steigen, streiten Gesundheitspolitiker über die künftige Finanzierung der GKV. Viele konzentrieren sich aber allein auf die Verbesserung der Einnahmenseite. SPD, Grüne und Linke wünschen sich eine Bürgerversicherung, in die auch Beamte und Selbstständige einzahlen.

Aus dem Blick gerät dabei aber immer wieder die Ausgabenseite. Zu Unrecht, wie die überproportionale Ausgabenentwicklung zeigt. Sparen lässt sich im Gesundheitssystem, ohne dass Versorgungsleistungen zusammengestrichen werden müssen – bei der Überprüfung der Arzneimittelpreise, bei Doppel- und Dreifachdiagnosen durch verschiedene Ärzte, bei Abrechnungen durch Kassenärzte und Krankenhäuser. Wenn auch Kassenpatienten Rechnungen einsehen könnten, wären Kostenreduzierungen die logische Folge. Niemand weiß besser, ob er eine Behandlung wirklich erhalten hat als der Patient selbst.