Beitragsrückerstattung

PKV zahlt Millionen Beitragsgelder zurück

Privatversicherte, die in einem Jahr keine Arztrechnungen zur Erstattung einreichen, erhalten eine Beitragsrückerstattung.

Privatversicherte, die in einem Jahr keine Arztrechnungen zur Erstattung einreichen, erhalten eine Beitragsrückerstattung.

Köln. Die Höhe der Rückerstattung hängt von den Überschüssen des Versicherers ab. Und dann gibt es noch die Geschäftspolitik.

Unternehmen der Privaten Krankenversicherung (PKV) lassen ihren Kunden in diesen Tagen frohe Kunde zukommen: Wer 2016 keine Rechnungen eingereicht und keine Leistungen in Anspruch genommen hat, erfährt nun, wie viel das an Beitragsrückerstattung (BRE) einbringt. Oft sind es bis zu 30 Prozent. Marktführer Debeka teilt mit, man schütte 360 Millionen Euro aus, die DKV in Köln zahlt 148,7 Millionen Euro, die Allianz-Krankenversicherung 118 Millionen Euro zurück, die Gothaer ist mit 26 Millionen Euro dabei. Axa macht „aus geschäftspolitischen Gründen“ keine Angaben.

Die Ausschüttungssumme hängt zusammen mit der Größe der Gesellschaft, mit den unterschiedlichen BRE-Programmen und der Zahl der (leistungsfreien) Anspruchsberechtigten. Mit Beitragseinnahmen von 4,5 Milliarden Euro aus der Krankheitskosten-Vollversicherung steht Debeka an der Spitze. Die DKV kommt auf 3,2 Milliarden, die Allianz auf 2,3 Milliarden und die Gothaer auf 607,8 Millionen Euro.

Manche Versicherer stellen Rückerstattungsprogramme ein

Üblich ist die erfolgsabhängige Rückerstattung, die jedes Jahr neu festgelegt wird, abhängig vom Überschuss des Unternehmens. Überschüsse entstehen, wenn Zinserträge höher, Kosten und Versicherungsleistungen geringer ausfallen als einkalkuliert. Die wichtige Überschussquelle Zinsen leidet unter der Nullzinspolitik der EU. Gerhard Reichl von der Ratingagentur Assekurata beobachtet daher, dass vereinzelt BRE-Programme reduziert oder eingestellt werden. Die Allianz rühmt sich, dass sie das aufgrund ihrer Finanzstärke nicht nötig habe. Andere Anbieter wohl auch noch nicht.

Neben der erfolgsabhängigen gibt es eine garantierte, vom Überschuss unabhängige Beitragsrückerstattung. Tarife mit dieser Zusage sind nicht billig, sie können sich aus der Sicht des Kunden jedoch rentieren. Das gilt besonders für junge, gesunde Angestellte, die die Beitragsrückerstattung von bis zu 50 Prozent mit ihrem Arbeitgeber nicht teilen müssen, obwohl sie von ihm einen Beitragszuschuss erhalten.

80 Prozent der Rohüberschüsse müssen weitergereicht werden

PKV-Unternehmen sind verpflichtet, mindestens 80 Prozent der Rohüberschüsse an die Versicherten weiterzureichen. Das geschieht vor allem über die Zwischenstation Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB). Die daraus entnommenen Mittel können entweder für eine Beitragsrückerstattung bei Leistungsfreiheit oder aber für eine Minderung fälliger Beitragserhöhungen verwendet werden.

Die Entscheidung, ob man mehr für gesunde PKV-Mitglieder (Beitragsrückerstattung) tut oder doch lieber im Sinne der Bestandserhaltung mehr für alle Versicherten durch Beitragslimitierung – das ist eine Frage der Geschäftspolitik und der Einschätzung, wie man sich im Wettbewerb am besten behauptet. Gesellschaften mit junger Kundschaft werden eher Beiträge erstatten, Gesellschaften mit vielen älteren Versicherten eher dazu neigen, Beitragsaufschläge abzumildern. Nach Angaben von Assekurata hat die Branche 2016 für Beitragslimitierung zwei Milliarden Euro aufgewandt und 1,42 Milliarden Euro als Beitragserstattung bar ausgeschüttet.