Kommentar zum Handelskonflikt

Nur kurzfristige Vorteile

US-Präsident Trump.

US-Präsident Trump.

Washington. Pokern, Drohen, Druck aufbauen: US-Präsident Donald Trump verfährt in der Handelspolitik wie einst in der Immobilienbranche. Warum er damit auf Dauer keinen Erfolg hat - ein Kommentar.

Für Donald Trump gibt es in Handelskriegen nur einen Verlierer: die jeweilige Gegenseite. Wie kein anderer US-Präsident der jüngeren Geschichte ist er bereit, amerikanische Stärke zum eigenen Vorteil in die Waagschale zu werfen. Zum eng definierten eigenen Vorteil, wie man hinzufügen sollte. War es für seine Vorgänger in aller Regel Maxime, dass die weltgrößte Volkswirtschaft auf lange Sicht am meisten profitiert, wenn sie internationale Regeln garantiert, auch wenn sie dies mehr kosten mag als andere, so zählt für ihn nur der kurzfristige Nutzen.

Einst waren es maßgeblich die USA, die China einzubinden versuchten in jene Welt halbwegs verlässlicher Regeln. Heute sind sie das Land, das am ehesten zu Druckmitteln greift, um Chinas Aufstieg zu bremsen. Und Trump agiert, wie er es aus der Immobilienbranche kennt. Er pokert, er fintiert, er droht damit, den Raum zu verlassen.

Dass man Maximalforderungen erhebt, um sich am Ende zu einigen, ist gewiss nicht nur Trumps Masche. Dass Verhandlungen bisweilen einer Gratwanderung gleichen, ist auch nichts Neues. Und dass China eklatant gegen Regeln verstößt, wenn es sich das intellektuelle Eigentum anderer aneignet, bedarf dringend der Korrektur. Im Westen dürfte es nicht an Politikern mangeln, die Trump zumindest heimlich Erfolg wünschen. Nur: Verhandlungen über einen Kurzmitteilungsdienst zu führen, mal eben neue Zölle anzukündigen, das kann kein Vertrauen schaffen. Wer sich in der Attitüde des Unberechenbaren gefällt, dessen Land nimmt auch der Rest der Welt irgendwann als chronisch unberechenbar wahr.