Kommentar zur Google-Strafe

Mutige Entscheidung

18.07.2018, Belgien, Brüssel: Margrethe Vestager, EU-Wettbewerbskommissarin, lächelt auf einer Pressekonferenz.

18.07.2018, Belgien, Brüssel: Margrethe Vestager, EU-Wettbewerbskommissarin, lächelt auf einer Pressekonferenz.

BRÜSSEL. 4,3 Milliarden Euro sind fraglos eine Menge Geld. Die Strafe, die Brüssel dem US-Internetkonzern Google aufbrummt, ist trotzdem gerechtfertigt. Eine mutige Entscheidung, wie GA-Redakteurin Delphine Sachsenröder findet.

Google-Mutter Alphabet verdiente zuletzt umgerechnet rund acht Milliarden Euro – im Quartal. Zudem soll der Konzern über milliardenschwere Reserven verfügen. Wenn die EU-Wettbewerbshüter wirklich erreichen wollen, dass der Suchmaschinen-Platzhirsch sein Geschäftsgebaren in Europa ändert, dürfen sie nicht mit einem Bußgeld kommen, das aus der Portokasse beglichen werden kann.

Dass sich etwas ändern muss, ist unumstritten, auch wenn die Einsicht reichlich spät kommt. Allein der Zwang zu vorinstallierten und zum Teil nicht löschbaren Google-Apps auf dem Handy ist für Verbraucher und Wettbewerber eine Zumutung. Der mutigen Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager ist dabei hoch anzurechnen, dass sie sich in ihrer Entscheidung nicht von möglichen politischen Wünschen beeinflussen lassen hat. Sicher: Im Handelsstreit mit US-Präsident Donald Trump wird diese Strafe wie Öl im Feuer wirken.

Gleichzeitig liegt die Wiederherstellung des fairen Wettbewerbs in der von US-Konzernen dominierten Digitalwirtschaft im ureigensten Interesse Europas. Ihre wirtschaftliche Bedeutung wird langfristig deutlich größer sein, als die der US-Zölle auf Stahl und Aluminium.