Textilbündnis

Mini-Fortschritte in Kleiderfabriken

Arbeiterinnen nähen in einer modernen Textilfabrik in Äthiopien. Fünf Jahre nach dem katastrophalen Fabrikeinsturz von Rana Plaza in Bangladesch sind die Arbeitsbedingungen immer noch nicht akzeptabel.

Arbeiterinnen nähen in einer modernen Textilfabrik in Äthiopien. Fünf Jahre nach dem katastrophalen Fabrikeinsturz von Rana Plaza in Bangladesch sind die Arbeitsbedingungen immer noch nicht akzeptabel.

Berlin. Die Teilnehmer des Textilbündnisses veröffentlichen ihren geplanten Maßnahmenkatalog. Nicht alle Zusagen klingen allerdings konkret. Adidas will in diesem Jahr weitere Schritte machen.

Noch in diesem Jahr will der Sportartikelhersteller Adidas ausschließlich nachhaltig produzierte Baumwolle verwenden. Dieses Ziel steht im Maßnahmenplan, den das Unternehmen am Montag auf der Seite des Textilbündnisses veröffentlichte. Was sozialen Fortschritt in der globalen Bekleidungsproduktion betrifft, sind die Zusagen weniger konkret. Da verspricht Adidas beispielsweise, dass man die größten Zulieferfirmen beraten wolle, um Verbesserungen zu erreichen.

Das Bündnis für nachhaltige Textilien rief Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) 2014 ins Leben. Im Jahr zuvor war das Fabrikgebäude Rana Plaza in Bangladesch eingestürzt. Über 1100 Textilarbeiter starben. Seitdem versucht das Bündnis, Unternehmen auf höhere soziale und ökologische Standards zu verpflichten. Die 79 Mitgliedsfirmen stehen für knapp die Hälfte des deutschen Bekleidungsmarktes. Nun müssen die Mitglieder erstmals Maßnahmenpläne veröffentlichen, die geplante Fortschritte auflisten. Bis Redaktionsschluss am Montag erschienen auf der Seite textilbuendnis.com unter anderem die Veröffentlichungen von Adidas, Aldi, C&A, Edeka, Kik, Lidl, Otto, Puma, Rewe und Tchibo.

Im Bündnis wirken auch Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften und Kritiker wie die Kampagne für Saubere Kleidung mit. Deren Vertreterin Gisela Burckhardt sagte: „Weil die Unternehmen die Analyse ihrer Ausgangslage nicht veröffentlichen müssen, lässt sich kaum beurteilen, wie groß der Fortschritt gegenüber dem Vorjahr ist.“ Trotz solcher Kritik machen die Menschenrechts- und Entwicklungsorganisationen aber weiter mit. Auch sie sehen die Chance, dass sich die Arbeits- und Umweltbedingungen in den globalen Zulieferfabriken dank der Arbeit des Bündnis verbessern.

Die Maßnahmenpläne fallen recht unterschiedlich aus. So hat Tchibo sieben Seiten abgeliefert. Demnach sollen große und kleine Zulieferfirmen „systematisch erfasst“ und „benannt“ werden, um Transparenz über die Lieferkette herzustellen. C&A kommt mit zwei Seiten aus und verspricht lediglich, die Produktionsfabriken bei sozialen Fortschritten zu „unterstützen“. Genaue Angaben fehlen.

In diesem Jahr müssen die Mitgliedsunternehmen in jedem Fall sämtliche Geschäftspartner und Lieferanten auf die Ziele des Bündnisses verpflichten. Und sie sollen Beschwerdemechanismen etablieren, um Kinderarbeit zu verhindern.

Existenzsichernde Löhne wahrscheinlich erst in Jahren

Alle Mitglieder unterstützen grundsätzlich das Ziel, dass die Beschäftigten in den Zulieferfabriken Asiens, Afrikas und Lateinamerikas irgendwann existenzsicherchende Löhne erhalten. Erst 2019 müssen sie sich allerdings an einer Maßnahme beteiligen, die diese Absicht umsetzt. Bis die Löhne tatsächlich auf das angepeilte Niveau steigen, dürften Jahre vergehen. Konkreter sind die Vorschriften im Umweltbereich. 160 schädliche Substanzen „werden schrittweise aus der Produktion verbannt“, erklärte das Bündnis. „Und bei Baumwolle streben die Mitglieder gemeinsam an, bis zum Jahr 2020 mindestens 35 Prozent nachhaltige und Biobaumwolle einzusetzen.“ Jürgen Janssen, der Leiter des Bündnissekretariats, sagte: „Im kommenden Jahr müssen die Mitglieder öffentlich Rechenschaft darüber ablegen, wie sie ihre Ziele von 2018 erreicht haben.“

Das Bündnis arbeitet zudem an gemeinsamen Projekten. Seit Juli läuft ein Programm im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu, das die Mitgliedsorganisation Femnet anstieß. Die Unternehmen Hugo Boss, Kik, Otto und Tchibo beteiligen sich. Manager und Vertreter der Beschäftigten in 300 Fabriken sollen Schulungen über Arbeitsrechte und Beschwerdemechanismen erhalten. Minister Müller will demnächst ein neues Textilsiegel „Grüner Knopf“ einführen. Es soll Verbrauchern helfen zu erkennen, welche Bekleidung sie bedenkenlos kaufen können.