Reise der Bundeskanzlerin

Merkel will in China auch über Firmenkäufe sprechen

Ein Kukaroboter baut eine Batterie in einen Mercedes ein. Der bayerischer Hersteller Kuka gehört mehrheitlich einem chinesischen Konzern.

Ein Kukaroboter baut eine Batterie in einen Mercedes ein. Der bayerischer Hersteller Kuka gehört mehrheitlich einem chinesischen Konzern.

Berlin. Eine Bertelsmann-Studie zeigt, dass Chinesen in strategischer Absicht Firmen in Deutschland aufkaufen. Bundeskanzlerin Angela Merkel will das Thema in Peking ansprechen.

Unternehmen mit großen Namen und öffentlich weniger bekannte Betriebe stehen auf der Liste der chinesischen Investitionen in Deutschland. 175 Firmen sind es insgesamt – unter ihnen Ableger von Bosch, ZF Friedrichshafen, Heidelberger Druck oder die Bremerhavener Lloyd Werft. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Hochtechnologie entwickeln, für die sich chinesische Investoren interessierten. Die Frage lautet nun: Ist das für die Bundesrepublik insgesamt gefährlich?

Am Mittwoch reist Bundeskanzlerin Angela Merkel zum inzwischen elften Mal während ihrer Amtszeit nach China. Sie verbringt zunächst einen Tag in der Hauptstadt Peking, wo sie die Staatsspitze trifft. Am Donnerstag fliegt sie weiter in die südliche Wirtschaftsmetropole Shenzhen bei Hongkong. Politisch geht es darum, zusammen mit China das Iran-Atomabkommen zu retten, das US-Präsident Donald Trump gekündigt hat. Auch der Nordkorea-Konflikt steht auf der Themenliste.

Bundesregierung will Investitionsabkommen

Wirtschaftspolitisch will die Bundesregierung unter anderem ein Investitionsabkommen zwischen der Europäischen Union und China vorantreiben. Während Trump US-Interessen neuerdings mit der Drohung höherer Zölle durchzusetzen versucht, bauen Merkel und ihr Wirtschaftsminister Peter Altmaier auf den „regelgebundenen Handel“. Damit meinen sie Verträge wie im Rahmen der Welthandelsorganisation, die vielen Beteiligten dienen sollen, nicht nur einer Seite.

Sorgen macht sich die Bundesregierung nicht nur wegen der neuen US-Politik. Auch das Verhalten der chinesischen Führung gefällt ihr in mancher Hinsicht nicht. Deswegen wolle man während der aktuellen Reise das Prinzip der „Reziprozität“ betonen, der Gegenseitigkeit. Deutsche und europäische Unternehmen sollen in China genauso behandelt werden wie chinesische in Europa. Das jedoch ist oft nicht der Fall. Die Regierung in Peking zwingt beispielsweise deutsche Autohersteller oder Banken, die sich an dortigen Firmen beteiligen wollen, noch immer zu sogenannten Joint Ventures – Kooperationen mit chinesischen Konzernen.

Umgekehrt treffen Investoren aus China hierzulande auf weniger Beschränkungen. Sie dürfen quasi alles kaufen, was sie wollen. Zwar könne man bestimmte Firmenbeteiligungen prüfen und verbieten, wenn sie mehr als 25 Prozent der Anteile umfassen, wende diese Regel bisher aber nicht an, heißt es aus Regierungskreisen. Die Frage ist also, ob Deutschland und die EU selbstbewusster auftreten und vielleicht auch die chinesische Einkaufstour eindämmen sollten.

Im Mittelpunkt solcher Überlegungen stehen Unternehmen wie der Augsburger Fabrikroboterhersteller Kuka, der seit 2016 überwiegend zum chinesischen Konzern Midea gehört. Oder der ostdeutsche Stromnetzbetreiber 50Hertz, an dem sich ein Staatsunternehmen aus Fernost beteiligen möchte.

Chinesen wollen gleichziehen mit dem Westen

Wie aus der aktuellen Studie „Kauft China systematisch Schlüsselindustrien auf?“ der Bertelsmann-Stiftung hervorgeht, investieren Chinesen hierzulande strategisch. Die meisten der 175 zwischen 2014 und 2017 teilweise oder komplett übernommenen bundesdeutschen Firmen arbeiten in den Branchen Automobil-, Energie-, Medizin- und Robotertechnik. Der Großteil dieser Investitionen wiederum verteilt sich auf die drei Bundesländer Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen (22) und Bayern.

Diese Branchen gehören zu zehn Geschäftsfeldern, in denen chinesische Politiker und Manager bis 2025 mit dem Westen gleichziehen wollen. Zum 100. Jubiläum der Volksrepublik strebt Peking die weltweite Führerschaft in diesen Technologien an. Dazu gehören außerdem: Luft- und Raumfahrt, Meerestechnik, Schienenverkehr, Agrarmaschinen und neue Werkstoffe.

Jahrelang hat Deutschland mehr Kapital in China investiert, als in die andere Richtung floss. Seit 2017 ist es nun aber umgekehrt. Rund 2,3 Milliarden Euro fernöstlichen Geldes gingen an hiesige Firmen. Die deutsche Investitionssumme im Reich der Mitte sank dagegen auf etwa eine Milliarde. Weltweit ist China nach den USA mittlerweile die zweitgrößte Quelle ausländischer Direktinvestitionen.

Wobei es auch Zahlen gibt, die die Sorgen dämpfen können: Im Vergleich zu seiner Wirtschaftsleistung investiert China heute immer noch viel weniger in anderen Ländern als beispielsweise die USA und Deutschland. Außerdem hielten Chinesen 2016 erst 0,4 Prozent aller Auslandsinvestitionen in der Bundesrepublik.

So weist Bertelsmann-Autorin Cora Jungbluth darauf hin, dass es nicht um einen „Ausverkauf“ hiesiger Firmen in die Volksrepublik geht. Wohl aber stellt sie fest, dass „Deutschland und die EU den industriepolitischen Ambitionen Chinas im Grunde nichts entgegenzusetzen“ haben. „Das sollte sich ändern.“ Jungbluth rät, „die Anteilsschwelle für das Prüfverfahren ausländischer Beteiligungen von derzeit 25 auf zehn Prozent zu senken“. Zudem solle die EU eine gemeinsame Regelung etablieren.