Sympatex

Membranhersteller will Mikroplastik reduzieren

Aus Jacken für Outdoor-Sport löst sich Mikroplastik.

Aus Jacken für Outdoor-Sport löst sich Mikroplastik.

München. Aus Jacken für Outdoor-Sport beispielsweise löst sich Mikroplastik. Der Membranhersteller Sympatex schmiedet nun ein Umweltbündnis, das den Abrieb beim Waschen von Bekleidung drastisch senken will.

Mikroplastik in Gewässern und Meeren belastet die Umwelt. Genaue Dimensionen sind zwar noch unbekannt. „Aber es ist sinnvoller, mit allen Interessengruppen kooperativ an konkreten Lösungen zu arbeiten, als das Problem kleinzureden, bis man nach jahrelangem Widerstand zum Handeln gezwungen wird“, findet Rüdiger Fox. Der Wirtschaftsingenieur ist Chef des Membran-Herstellers Sympatex aus Unterföhring bei München, dessen Beschichtungen atmungsaktive Outdoor-Bekleidung wind- und wasserdicht machen. Zugleich versteht sich der Mittelständler als ökologischer Vorreiter einer Branche, die zwar Naturverbundenheit predigt, aber durch ihre Produkte zugleich Umweltprobleme verursacht. Im Fall von Mikroplastik sollen sie nun entschärft werden.

Dazu hat sich Sympatex mit Öko-Aktivisten der Plastic Soup Foundation, Forschern des Umweltinstituts CNR und Filterhersteller PlanetCare verbündet. „Mikroplastik ist die Achillesverse unserer Industrie“, sagt Fox. Was Maurizio Avella herausgefunden hat, bestätigt das und lässt zugleich ahnen, wo die Lösung liegt. Der Italiener ist Forschungschef des CNR, das seit Monaten Sympatex-Stoffe auf Mikrofaserabrieb testet. Die winzigen Fasern gelangen vor allem durch das Waschen von Textilien aus Polyester ins Abwasser und damit die Umwelt.

Ein Kilogramm Polyester-Wäsche setzt im Schnitt 125 Milligramm Mikroplastik frei, hat CNR ermittelt. Vergleichend wurde mit Sympatex-Beschichtungen laminiertes Gewebe gewaschen und das Abwasser auf Mikroplastik untersucht. Je nach Laminat war der Abrieb halbiert oder sogar auf ein Viertel reduziert. Getestet wurde auch, ob Recyclingmaterial einen Unterschied ausmacht. Hier waren die Ergebnisse weniger eindeutig. Manches Recyclingmaterial setzt mehr, anderes weniger Mikroplastik frei.

Filter für Waschmaschinen

Sympatex-Entwicklungschef Martin Mayershofer findet die Resultate ermutigend. Bis Sommer werde nun weitergetestet, welche Kombination aus Laminierung und Recyclingmaterial den geringsten Eintrag von Mikroplastik ins Abwasser ergibt. Das soll dann schon Ende 2019 in der Produktion für die nächste Textilsaison umgesetzt werden. „Wir haben das Ziel, technologische Wege zu finden, um den Fasereintrag unserer Laminate beim Waschprozess um 85 Prozent gegenüber heute üblichen Polyestertextilien zu reduzieren“, gibt Fox vor. Dieses Wissen will Sympatex nicht für sich behalten, sondern es der Outdoor-Branche zur Verfügung stellen.

Um welche Dimensionen an Umweltentlastung es geht, zeigt eine Hochrechnung der Plastic Soup Foundation. Werde die Jahresproduktion an T-Shirts aus Polyester eines einzigen großen Sportartiklers gewaschen, setze das 725 Tonnen Mikroplastik frei.

Auch für das Mikroplastik-Problem, das nach Produktionsumstellungen noch bleibt, gibt es indessen eine Antwort. Die liegt in Mikroplastikfiltern, die in Waschmaschinen eingebaut werden können. Solche Filter fertigt der Spezialist PlanetCare, den Sympatex mit ins Boot geholt hat. Der Hersteller verspricht, 80 Prozent des in Waschwasser enthaltenen Mikroplastiks herausfiltern zu können.