Wechsel an der Spitze

Machtwechsel bei der Deutschen Bank

In den roten Zahlen: Die Deutsche Bank.

In den roten Zahlen: Die Deutsche Bank.

FRANKFURT. Es wird erwartet, dass Christian Sewing an der Spitze von Deutschlands größtem Geldinstitut im Mai Vorstandschef John Cryan ablöst. Damit wäre erstmals wieder ein Manager aus den eigenen Reihen am Ruder

Bis zum späten Sonntagabend tagte der Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Doch das Ergebnis galt in Branchenkreisen bereits als Gewissheit: Christian Sewing soll die neue Nummer Eins in der Bank werden. Der Nachfolger von John Cryan solle sein Amt nach der Hauptversammlung am 24. Mai antreten, hieß es.

Der Aufsichtsrat war am Sonntag überraschend zusammengerufen worden. Zuvor hatte sich der Nominierungsausschuss des Kontrollgremiums auf Sewing festgelegt. Aufsichtsratschef Paul Achleitner hatte in den vergangenen Wochen schon Ausschau nach Nachfolgern für den glücklosen Cryan gesucht, sich bei einigen Kandidaten im Ausland jedoch Absagen eingeholt.

Sewing ist seit Anfang 2015 im Vorstand der Bank und dort zuständig für das Privat- und Firmenkundengeschäft. Im vergangenen Jahr war er zusammen mit Marcus Schenck zum Vize-Vorstandsvorsitzenden der Bank berufen worden. Bisher hatte es jedoch immer geheißen, das Duo Sewing und Schenck sei noch nicht „reif“ genug, jetzt an die Spitze des Geldhauses zu treten, das seit Jahren mit heftigen Problemen zu kämpfen hat. Dieser Meinung waren vor allem einige Großaktionäre.

Nun also soll es Sewing allein richten, denn Schenck dürfte die Bank, so ist zu hören, bald verlassen. Schenck, der im Vorstand für das Investmentbanking zuständig ist, hatte sich gegen eine Stutzung der Sparte ausgesprochen, die der amtierende Vorstandschef John Cryan wohl anstrebt. Der hatte das Projekt „Colombo“ aufgesetzt, das nach Einsparungsmöglichkeiten in dieser Sparte sucht.

Stärkere Hinwendung zum Privat- und Firmenkundengeschäft

Sewings Berufung dürfte eine stärkere Hinwendung zum Privat- und Firmenkundengeschäft bedeuten, denn aus dieser Sparte stammt er. Das ist die solide Säule der Bank, die nicht so viel Eigenkapital benötigt wie das Investmentbanking. Das sorgt zwar immer noch für einen großen Teil der Erträge, aber hat der Bank seit der Finanzkrise der Bank große Verluste und die Milliardenstrafen wegen der Rechtsstreitigkeiten beschert. Ganz auf das Investmentbankgeschäft verzichten wird die Bank wohl nicht. „Nur auf einen Bereich zu setzen geht nicht, denn dann würde man die spezifische Kompetenz der Deutschen Bank vernachlässigen: Die ist in der deutschen und europäischen Wirtschaft verankert ist und gleichzeitig Fenster zum internationalen Kapitalmarkt“, erklärt Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim. Allerdings ist die Bank weltweit im Vergleich zu den angelsächsischen Investmentbanken weit abgeschlagen.

Die Bank benötige einen Chef, der die inneren Streitigkeiten befrieden, aber auch durchgreifen könne, war im Vorfeld zu hören. Dass Sewing durchgreifen kann, beweist er gerade bei der Neuaufstellung des Privat- und Firmenkundengeschäfts. Seine große Aufgabe ist die Reintegration der Postbank zusammen mit deren Chef Frank Strauß. Denn da gehe es nicht ohne Stellenabbau, hat Sewing schon klargestellt. 9000 Stellen sollen dabei wegfallen werden, davon 4000 in Deutschland. An diesen Zahlen halte man fest, wolle aber die Details noch mit den Arbeitnehmervertretern klären, hatte Sewing bei der Bilanzvorlage Anfang Februar erklärt.

Der amtierende Vorstandschef John Cryan hatte sich vor Ostern noch kämpferisch gegeben und deutlich gemacht, dass er seine Aufgabe als noch nicht erfüllt sehe. Doch war ihm am Ende kein Glück beschert. Die Lage an den Finanzmärkten spielte der größten deutschen Bank nicht in die Hände. Ihre Erträge vor allem im Devisen- und Anleihehandel schrumpften stark. Und schließlich verhagelte für 2017 die Steuerreform in den USA der Bank die Bilanz.