Kommentar zu Diesel-Fahrverboten

Kein geeignetes Mittel

Stau auf der Reuterstraße: Jetzt sind die Belastungen für die Anwohner besonders hoch.

Stau auf der Reuterstraße: Jetzt sind die Belastungen für die Anwohner besonders hoch.

Bonn. Diesel-Fahrverbote sind kein geeignetes Mittel, um dauerhaft die Luft in Großstädten zu verbessern, meint Autor Frank Rintelmann

Sind Diesel-Fahrverbote eine Luftnummer? Die Analyse der Hamburger Daten, die die Duisburger Verkehrsforscher veröffentlicht haben, lässt diesen Schluss nicht zu. Gleichwohl ist deren Analyse unerwartet: Fahrverbote sind offenbar deutlich weniger wirkungsvoll wie gemeinhin angenommen. Woran das liegt? Darauf wissen auch die Experten keine Antwort. Möglicherweise, weil die schwierig zu kontrollierenden Fahrverbote einfach ignoriert werden.

Die Analyse der Daten aus Hamburg wirft nur ein Schlaglicht auf eine begrenzte Zeit in einem überschaubaren Raum. Und sie zeigt, wie kompliziert das Thema Luftbelastung in Großstädten ist. Sie beweist auch, dass komplexe Zusammenhänge sich nicht immer mit simplen Methoden lösen lassen. Fahrverbote sind aus vielerlei Sicht kein geeignetes Mittel, um dauerhaft für saubere Luft zu sorgen. Regionale Fahrverbote können allenfalls dazu führen, dass die Luft in einem Stadtteil vorübergehend besser wird, während sie im Nachbarviertel ob des verlagerten Verkehrs stärker belastet wird.

Wer bessere Luft will, braucht ein weitreichendes Konzept. Am besten weniger Verkehr, mindestens aber saubere Motoren, und zwar nicht nur für Pkw und Lkw, sondern auch für Schiffe und Flugzeuge. In diesem Zusammenhang: Wer dreckige Diesel als sauber verkauft, muss dafür auch haftbar gemacht werden. Berlin sollte endlich aufhören, sich die Politik aus München, Stuttgart und Wolfsburg diktieren zu lassen.