Kommentar zur Lage der Banken

Kein Grund zur Freude

Bescheidenheit täte der Deutschen Bank gut.

Bescheidenheit täte der Deutschen Bank gut.

Frankfurt/Main. Die Deutsche Bank ist in turbulentes Fahrwasser geraten, seitdem das amerikanische Justizministerium ihr eine Strafe von 14 Milliarden Dollar angedroht hat. Doch wenn die Deutsche Bank ein Opfer ist, dann ihrer selbst, meint GA-Korrespondent Michael Braun.

Was hatte sie nicht große Töne gespuckt, die Deutsche Bank, als noch Josef Ackermann an ihrer Spitze stand. Man werde „sicher in zehn, 20 Jahren mit großem Stolz sagen, dass diese Bank die größte Finanzkrise seit der Großen Depression eigenständig gemeistert hat.“ In der Tat hatte die Deutsche Bank, anders als die Commerzbank, die Hypo Real Estate, die Aareal Bank und viele Landesbanken, damals keine Staatshilfe in Anspruch genommen. Doch stolz sein kann sie darauf nicht. Mal abgesehen davon, dass die amerikanische Regierung die amerikanische Versicherung AIG und damit einen engen Kunden der Deutschen Bank gerettet hat, hat sie auch davon profitiert, dass das ganze Bankensystem stabilisiert wurde – und sie indirekt mit. Vor allem aber fallen die Altlasten der Deutschen Bank aus der damaligen Zeit ihr jetzt erst vor die Füße. Soll heißen: Es ist in hohem Maße die Vergangenheit, in der die Bank unter dem zu Unrecht stolzen Ackermann geführt wurde, die sie jetzt an den Rand des Ruins bringt.

In der Gegenwart kommen andere Ursachen hinzu. Sie treffen zum Teil die ganze Branche: die hohen Regulierungskosten, die die Verwaltungsaufwendungen treiben. Die niedrigen Zinsen, die das klassische Kreditgeschäft deutlich unrentabler machen. Die flaue Konjunktur, die die Nachfrage nach Bankdienstleistungen schmälert. Die Konkurrenz neuer Anbieter, die wie aus dem Nichts entstehen. Und dann die Managementfehler. Die offenbar gierigen Investmentbanker hat die Deutsche Bank zuerst ermutigt, dann unkontrolliert machen lassen, später nie wirklich abgestraft. Die aktuelle Führung unter John Cryan hat sich von der Strategie und dem Geschäftsmodell seiner Vorgänger nicht verabschiedet. Mag sein, dass die Deutsche Bank auch den amerikanischen Behörden ein Dorn im Auge ist, die – gut vernetzt mit der amerikanischen Industrie – europäischen Unternehmen gern eins auszuwischen scheinen, wenn die EU bei einer Firma wie etwa Apple zweistellige Milliardenbeträge nachfordert.

Aber alles in allem: Wenn die Deutsche Bank ein Opfer ist, dann ihrer selbst. Es gibt eine Bankengruppe, die sehr viel besser durch alle Krisen gekommen ist und die sich auch im aktuellen Umfeld recht gut schlägt: die Volks- und Raiffeisenbanken. Sie sind gut geerdet, haben eine Vielzahl privater Eigentümer (was sie von den Sparkassen unterscheidet), setzen ihre genossenschaftliche Vergangenheit in die Zukunft fort. Das wird eine Deutsche Bank so nicht nachmachen können. Aber Bescheidenheit täte ihr gut. Nur dann kann sie ihre Rolle auch bei großen internationalen Finanzierungen spielen, die eine Volkswirtschaft wie die deutsche sicherlich braucht. Niemand sollte sich über eine insolvente Deutsche Bank freuen.