Lage des Warenhauses

Kaufhof hat weiterhin große Probleme

Der Kaufhof – das Bild zeigt die Bonner Filiale – steht wie der gesamte stationäre Handel unter Druck.

Der Kaufhof – das Bild zeigt die Bonner Filiale – steht wie der gesamte stationäre Handel unter Druck.

Bonn. Die Warenhaus-Kette steckt offenbar weiter in den roten Zahlen und sucht ihr Heil in Kostensenkungen. Die Mitarbeiter sollen Opfer bringen. Eine klare Zukunftsstrategie ist nicht erkennbar.

Bei Kaufhof gärt es. In internen Papieren wird angeblich ein düsteres Bild von der Warenhauskette gezeichnet. Und das im Vorfeld von wichtigen Gesprächen mit der Gewerkschaft Verdi über einen Sanierungstarifvertrag. Vor allem aber braucht das Unternehmen eine klare Strategie. Die wichtigsten Fragen un Antworten im Überblick.

Wer steht hinter dem Kaufhof?

2015 kaufte die kanadische Hudson's Bay Company (HBC) die Warenhauskette mit ihren derzeit bundesweit 96 Filialen von der Metro-Gruppe. Die Ursprünge der Galeria Kaufhof GmbH gehen auf eine Firmengründung 1879 zurück. Heute beschäftigt der Kaufhof rund 21 500 Menschen. Vorsitzender der Geschäftsführung in der Kölner Unternehmenszentrale ist seit November Roland Neuwald. Er übernahm die Aufgabe von Wolfgang Link, der an die Spitze des Aufsichtsrates von Kaufhof rückte.

Was verbirgt sich hinter dem Kürzel HBC?

Die Geschichte der Hudson's Bay Company (HBC) ist noch wesentlich älter als die des Kaufhofs, denn sie ist das älteste Unternehmen Nordamerikas: 1670 übertrug der König von England der HBC das Eigentum über Land und Bodenschätze in Kanada. Dieses wurde der Gesellschaft später wieder abgekauft, und heute ist HBC im klassischen Einzelhandel tätig. Zum Konzern, der sich bis vor wenigen Jahren mit seinen Geschäften auf Kanada und die USA beschränkte, gehören etwa die US-Kaufhausketten Lord & Taylor, Saks Fifth Avenue und der Edel-Outletstore Saks Off Fifth. Starker Mann bei HBC ist der US-Amerikaner Richard Baker. Er kaufte das Unternehmen 2008.

Welche Erwartungen hatte HBC beim Kauf von Kaufhof?

Als HBC Kaufhof von der Metro übernahm, hatte HBC nicht weniger als eine Renaissance des Warenhauses im Blick. Eine Milliarde Euro sollten in fünf Jahren investiert werden. Als Blaupause für den Umbau von zehn Häusern dient die Düsseldorfer Kö-Filiale. Punkten will Kaufhof etwa mit einer stylischen Damenschuhabteilung. Außerdem bringt HBC das Outlet-Konzept Saks Off Fifth nach Europa mit Top-Marken zu deutlich reduzierten Preisen. Fünf Filialen gibt es inzwischen, darunter eine in Bonn. In den Niederlanden werden unter der Marke Hudson's Bay Kaufhäuser eröffnet. Premiere war im September in Amsterdam. Inzwischen gibt es weitere Filialen, darunter eine in Maastricht. Viel anders als in den deutschen Kaufhof-Filialen sah es dort zumindest vor vier Wochen nicht aus. Nach Medienberichten wird das Ausbautempo in den Niederlanden zurückgefahren, wie auch die Investitionen in Deutschland zeitlich gestreckt werden, wie Kaufhof mitgeteilt hatte.

Haben sich die Erwartungen erfüllt?

Nicht wirklich. HBC räumte schon bald ein, dass Kaufhof nicht so gut gewesen sei, wie man sich das vorgestellt habe. 2016 gab es im wichtigen Weihnachtsgeschäft ein Umsatzminus. Das gleiche Bild zeigte das abgelaufene Jahr. Vor allem machte Kaufhof mit Rabattschlachten auf sich aufmerksam. Unter anderem im Streit darüber soll der seit 2014 amtierende Chef Olivier Van den Bossche das Unternehmen verlassen haben. Wolfgang Link übernahm. Zusätzlich führte er das Europa-Geschäft. Es blieben nicht die einzigen Wechsel. Aufsichtsratschef Don Watros – angeblich für die Rabattschlachten verantwortlich – ging im August 2017. Im Oktober wechselte Link in den Kaufhof-Aufsichtsrat, im November rückte Neuwald an die Warenhaus-Spitze.

Wie steht der Kaufhof da?

So genau weiß man das nicht, da die Geschäftszahlen von Kaufhof in den Konzernabschluss von HBC eingearbeitet sind. Laut „Manager Magazin“ sollen die Kölner im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 einen Verlust von 100 Millionen Euro gemacht haben. Im Jahr davor soll das Minus sogar doppelt so hoch ausgefallen sein. Nun zitiert der „Spiegel“ aus einem internen Unternehmensbericht, wonach der Jahresumsatz in den Kaufhof-Filialen seit 2010 von gut drei Milliarden Euro auf zuletzt 2,6 Milliarden eingebrochen ist. In internen Unternehmenspapieren ist von „Ertragskrise“ und gar von „Notlage“ die Rede. Offiziell hält Kaufhof dagegen und sagt, das Unternehmen sei solide finanziert und habe die Unterstützung von HBC, die auch Warenhäuser in den Niederlanden und Belgien betreiben, wo es ebenfalls nicht gut läuft. So ging der Umsatz von HBC Europa im vierten Quartal 2017 um 3,4 Prozent zurück. HBC hat dazu Probleme in Nordamerika. Der Aktienkurs hat sich seit 2015 halbiert. Ein aktivistischer Fonds hatte sich zuletzt für den Verkauf des Europa-Geschäfts stark gemacht, was die Konzernleitung aber ablehnte.

Worunter leiden die Warenhäuser?

Kaufhof steht wie der gesamte stationäre Handel unter Druck. Die Innenstädte werden weniger stark frequentiert. Stattdessen wächst der Internethandel.

Gibt es auch hausgemachte Probleme bei Kaufhof?

Allerdings. Die Personalwechsel haben das Geschäft nicht einfacher gemacht. Die Manager aus den USA haben auch schlicht auf die falschen Sortimente gesetzt, wie der Handelsexperte Thomas Roeb ausführt (siehe Interview). Außerdem belasten hohe Mietzahlungen. Die Mieten fließen an eine HBC-Tochter. Und die hat die Mieten sogar erhöht.

Wie geht es weiter?

Die Kaufhof-Geschäftsführung beklagt ungleiche Personalkosten in der Branche und setzt den Beschäftigten die Pistole auf die Brust. Sie hat angekündigt, dass 400 von 1600 Arbeitsplätzen in der Kölner Zentrale wegfallen sollen. Mit den übrigen Beschäftigten will sie über einen Sanierungstarifvertrag verhandeln. Es geht um Gehaltskürzungen von bis zu fünf Prozent, Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld für eine Dauer von drei Jahren sowie die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche. Am 13. April tagt die Tarifkommission, die die Verdi-Mitglieder des Kaufhofs gebildet haben, um zu entscheiden, ob man überhaupt über einen Sanierungsvertrag verhandeln will. Einem Einfrieren der Gehälter im Vorfeld möglicher Verhandlungen erteilte die Gewerkschaft schon mal eine Absage. Anders als die Karstadt-Beschäftigten gilt bei Kaufhof noch der Flächentarifvertrag des Einzelhandels. Aber die Karstadt-Führung hat sich bereits auf eine Rückkehr zum Flächentarifvertrag spätestens 2021 geeinigt.

Welche Zukunftsstrategie will Kaufhof verfolgen?

Neuwald hat im Januar ein Programm gestartet, das neben Einsparungen Investitionen in Markenauftritt und Markenkooperationen und die Modernisierung der Filialen vorsieht. Konkret ist das noch nicht. Ob neue Marken ankommen, muss sich erst zweigen. Eine geplante bessere Verzahnung von On- und Offline-Geschäft wird schon seit Jahren angekündigt. Und all diese Maßnehmen kosten Geld, das derzeit bei Kaufhof nicht so locker zu sitzen scheint.